| << Zurück | 18.11.2009 13:28 Uhr |
Peter Borjans-Heuser, Jahrgang 1948, „erlernte die Dichtkunst auf / großer Fahrt mit seinem Motorsegler quer / durch Europas Gewässer. Das Schiff war / löchrig wie ein Schweizer Käse. / Nur die Dichtkunst hielt ihn über Wasser. / So wurde er Dichter, sein Schiff leider nicht." So stellt sich der pensionierte Duisburger Schuldirektor selbst vor - kurz und knapp, und selbstironisch poetisch.
Um die Lyrik von der „Anklagebank" zu holen, konzentriert er sich in seinem Plädoyer zunächst auf eine Sorte, die ihm selbst besonders sympathisch ist und auch beim weitläufigeren Publikum noch einen relativ guten Ruf genießt: das Gebrauchsgedicht. Die Lyrik also für den Hausgebrauch, den Lebensalltag. Gebrauchsgedichte sind der Kindervers und der Festtagsreim, der Schlagertext und der Gedenkspruch, die Lyrik in der Sprache der Reklame und von öffentlichen Bedürfnisanstalten. Wobei die Übergänge zwischen hoch entwickelter Dichtkunst und allgemeinem Reimgestammel durchaus fließend sein können.
Gemeinsam ist den meisten Gebrauchsgedichten, dass sie häufige Rezitation, Vertonung, Bearbeitung und Zweckentfremdungen jeglicher Art erfahren. Die besten Verse dieser Art gehen einem dabei so leicht und selbstverständlich über die Lippen, dass viele Hobbydichter meinen: Schaff ich auch! Eine Einschätzung, die sich allerdings ebenso schnell als Irrtum herausstellen kann.
„Meine Gedichte erheben keinerlei Anspruch auf abgehobene poetische Feierlichkeit. Sie sind für den alltäglichen hemmungslosen Gebrauch bestimmt", sagt unterdessen Dr. Peter Borjans-Heuser. Dabei weiß er sehr genau, wie viel Zeit und Arbeit in jedem seiner sprachlich und formal sauber durchkomponierten Gedichte stecken und dass ein durchschnittliches Sprachgefühl da nicht ausreicht. Die Kunst ist nämlich doch, die Gedichte so flüssig und leichtgängig zu machen, dass man die Mühe dahinter nicht mehr sieht. Also: Ein Gedicht sollte nie „bemüht" wirken.
Inhaltlich geht es in den Gedichten des Hobbyseglers und früheren Schulleiters um Lebensbereiche, von denen er etwas versteht: um Maritimes und Pädagogisches. Diese beiden Felder beackern seine Gedichte mit Humor, Ironie und Sarkasmus, die vor der eigenen Person nicht Halt machen. Im Gegenteil scheint er am Liebsten sich selbst in die Pfanne zu hauen. Er liebt das Spiel mit der Sprache, und seine Gedichte sind gespickt mit witzigen Wortspielen. Sie sollen weniger gelesen, als vorgetragen werden. Gern auch mit Musik, wie er auf den CDs zeigt, die seinen Büchern beigeheftet sind.
Die Gedichte von Peter Borjans-Heuser stehen in der Tradition „komischer" Gedichte von Ringelnatz bis Erhardt und Gernhardt. Ihre traditionelle, gereimte Strophenform ist mit Sorgfalt aber immer auch mit liebevoll ironischer Distanz produziert. „Ich kann heute nicht mehr in Reimen von großer Liebe oder anderen großen Dingen sprechen, ohne dass ich die Sache ironisiere", meint er. Große, weit ausholende Worte und Themen, jeder Schwulst ist ihm suspekt.
Peter Borjans-Heusers Gedichte sind anspruchslos und anspruchsvoll zugleich. Sie sind eine oft freche, witzige, köstliche Unterhaltung auf hohem Niveau.
Von seinen Büchern sei hier zunächst „Planken & Kiele - die Lyrische Bordapotheke" erwähnt, die an Erich Kästners „Lyrische Hausapotheke" angelehnt ist. Ein unterhaltsamer Zugang zur maritimen Sprachwelt, der die Fachbegriffe der Segler und Motorbootfahrer köstlich karikiert. Der Autor spielt mit ihnen in respektloser wie pfiffiger Weise und lässt auf diese Weise keine Sprachbarriere stehen.
Der Band „Hitzefrei!" ist quasi ein Insiderblick in den deutschen Schulalltag. „Verdichtet" in unverkrampfte, lebendige Verse - die oft lustig und häufig auch tief schwarzhumorig sind. Hier kommen Lehrer, Schüler und auch Eltern auf den Prüfstand und werden dabei in ihrem Tun und Denken köstlich vorgeführt, bestätigt und herausgefordert, eingeweiht und angezählt.
Als kleine Kostprobe ein typisches Werk von Peter Borjans-Heuser - mit dem Titel „Falten":
Nackig vor dem Spiegel steh ich.
Eine neue Falte, seh ich,
macht die Stirn ein bisschen kraus.
Sieht doch gar nicht übel aus!
Weiter südlich seh ich auch
eine neue unterm Bauch.
Diese, sag ich frei heraus,
sieht schon ziemlich übel aus!
Dreh mich um und frag: Wieso
faltet sich sogar der Po?
Das sind Summa ganze drei
neue Falten. Schweinerei!
Plötzlich schießt mir in den Sinn,
dass ich wohl dreifaltig bin.
Weitere Informationen unter www.borjans-heuser.de
H.G.
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.
Sie sind nicht eingeloggt auf Kultur-Netzwerk.com.
Um einen Kommentar zu diesem Artikel schreiben zu können, loggen Sie sich auf Kultur-Netzwerk.com ein oder registrieren Sie sich.