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23.02.2011 11:08 Uhr
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Das Jahr der zwei Welten

In der Galerie ist es still geworden. Thorsten Falke merkt, wie die Zuhörer an seinen Lippen hängen, wie sie mitfiebern, wenn Mario, der Held seines Romans "Das Jahr der zwei Welten", auf dem nächtlichen Kurfürstendamm von einem Fremden bedrängt wird, und wie sie mitfühlen, wenn der schüchterne junge Filmvorführer seine Freundin zu überreden versucht, nach der Spätvorstellung bei ihm zu übernachten.

Während seiner Schulzeit hatte sich der Autor im Fach Deutsch mühsam von Versetzung zu Versetzung gehangelt; folglich war es schon ein großer Erfolg, dass die "Berliner Morgenpost"in den Neunzigerjahren - nachdem er in einem Fernkurs das Handwerk des Schreibens von Sachartikeln gelernt hatte - einige seiner populärwissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichte. Damals blieben seine Leser anonym; heute dagegen sucht er den Kontakt zu ihnen: Das Vorlesen ist ihm inzwischen genauso wichtig wie das Schreiben selbst.

"Das Jahr der zwei Welten" beginnt im Berlin des Jahres 1988: Es ist die Zeit der Filmfestspiele. Mario, 22, arbeitet in einem Uraufführungstheater am Kurfürstendamm. Nachdem er sich vor einem Hotel von dem Schauspieler Alec Guinness dessen Autobiografie hat signieren lassen, übernimmt er im Kino die Einlasskontrolle. Da der aktuelle Film ab 16 Jahren freigegeben ist, lässt er sich den Ausweis eines Mädchens zeigen, das er für höchstens vierzehn hält. Silke, die in Wahrheit 19-jährige Besucherin, reagiert darauf gelassen, und obwohl ihm sein Irrtum ziemlich peinlich ist, spricht er sie nach der Vorstellung noch einmal an.

Silkes nächster Kinobesuch wird für Mario zu einer Art Offenbarung: Die quirlige, naturverbundene Auszubildende fragt ihn, ob er denn auch ein Naturfreund sei, ob er gern bei Wind und Wetter im Wald spazieren gehe, Tiere beobachte und im Sommer auch mal nackt in einem See bade. Mario sagt zu allem erst mal Ja, und im Laufe der Zeit gelingt es Silke, den etwas phlegmatischen jungen Mann aus seiner heilen Welt der Kinoträume herauszureißen.

Ausgehend von zwei wahren Begebenheiten - der "Autogrammschlacht" vor dem Hotel und seiner eigenen peinlichen Fehleinschätzung des Alters einer jungen Kinobesucherin - führt uns der Autor hinter die Kulissen eines Filmtheaters; die Erinnerungen an seine einstige Tätigkeit im Kino hat er dabei auf frei erfundene Charaktere übertragen. Kinofreunde dürften sich nicht nur über die vielen technischen Details freuen - sie werden sich auch an den einen oder anderen Film erinnert fühlen, denn die zarte Liebesgeschichte enthält auch viele Filmzitate: Wenn sich zum Beispiel Mario der begeisterten Zeichnerin Silke zum ersten Mal als Aktmodell zur Verfügung stellt - wer denkt da nicht an die entsprechende Szene aus "Titanic"?

Thorsten Falke: "Das Jahr der zwei Welten"
Roman, 200 S., 14,80 EUR, ISBN 978-3-839-11128-4
Infos, Leseproben und Lesungstermine unter http://jahr-der-zwei-welten.jimdo.com

 

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