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09.09.2009 21:17 Uhr

BJØRN NØRGAARD - Mythos und Morphologie: Außergewöhnliche Formfantasie in Chemnitz

Mickeys Oper: Mickeys Bruder , 2005/2006
Bjørn Nørgaard gehört zu den bedeutendsten Bildhauern Dänemarks der Gegenwart. Die Kunstsammlungen Chemnitz zeigen bis zum 15. November unter dem Titel „Mythos und Morphologie" einen besonderen Ausschnitt aus seinem umfangreichen Werk und beschäftigen sich dabei mit der Frage, inwieweit zeitgenössische Skulptur Formen für mythologische Themen schaffen kann. Die Ausstellung läuft im Rahmen der Präsentation „Dänische Kunst und Kultur zu Gast in Sachsen".

Bjørn Nørgaard (*1947 in Kopenhagen) gehört zu den wandelbarsten Gegenwartskünstlern mit einem äußerst umfangreichen Werk von besonderer Einprägsamkeit. Die Ausstellung „BJØRN NØRGAARD - Mythos und Morphologie" steht unter der Schirmherrschaft Ihrer Majestät Königin Margrethe II. von Dänemark. Die Kunstsammlungen Chemnitz präsentieren sowohl einige von Nørgaards archaisch anmutende, etwa an aztekische Tempelfiguren erinnernde Großskulpturen, als auch Skulpturengruppen, die Referenzen zu modernen Märchenfiguren bilden. Insgesamt werden 39 Einzelskulpturen aus den Jahren 1985 bis 2009 zu sehen sein.

Die Kunstsammlungen Chemnitz zeigen Skulpturen, die nicht nur mit Hilfe einer außergewöhnlichen Formfantasie, sondern auch durch ihre Materialvielfalt auffallen. Sie werden von der internationalen Ausrichtung bei gleichzeitiger Orientierung an nordische Mythologie und Natur bestimmt. Der Künstler greift einzelne Erzählungen und mythische Vorlagen auf und bestätigt ihre andauernde Wirkung auf die Gegenwart.

Ebenso provokativ wie humoristisch reflektieren Nørgaards Arbeiten auch aktuelle gesellschaftliche Themen und entlehnen sich bei der griechischen Tempelarchitektur, orientalischen Formen und Märchen. Es sind androgyne und anthropomorphe Wesen, bei denen die Kunst der Maya, Altägyptens oder Afrikas anklingt.

Bjørn Nørgaard begann seine künstlerische Laufbahn mit dem Studium an der „Schule für experimen-telle Kunst" in Kopenhagen. Mit Per Kirkeby zusammen engagierte sich Nørgaard in den 1960ern in der Fluxus-Bewegung, inspiriert von Joseph Beuys und Artur Køpke. 1966 kam es zur Begegnung zwischen Nørgaard und Joseph Beuys während der Ausführung von „Nørgaards Skulpturaler Demonstration" in der Galerie 101, wo sich Beuys im Publikum befand und sofort am Werk mithalf.

Anschließend lud Beuys Nørgaard nach Düsseldorf ein. Beuys‘ Ideen von der sozialen Plastik und der Kunst als Kapital gewannen große Bedeutung für Nørgaard, der bewusst von der Vorstellung aus arbeitete, die Kunst solle kein Werk in sich mehr sein, sondern als Methode, Philosophie und Weltanschauung in alle Lebensbereiche integriert werden.

Nachdem Nørgaard in den 1960ern mit Grafik, Keramik und Film experimentierte, galt seit den 1970ern verstärkt sein Interesse der Skulptur. Von 1985 bis 1994 war er Professor an der Königlich Dänischen Kunstakademie. Außerdem ist er Träger des Europäischen Ehrenkreuzes „Pro Arte" der Pro Europa - Europäische Kulturstiftung.

Der Ausstellungskatalog wird herausgegeben von Ingrid Mössinger und Beate Ritter, mit Beiträgen von Heinrich Detering, Cecil Bojsen Haarder, Karin Hoff und Marie Vinther. Er umfasst 128 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen und ist zweisprachig in Deutsch und Englisch. Preis: 20 Euro. Bestellung: service.kunstsammlungen@stadt-chemnitz.de


Ergänzt wird die Ausstellung, die von Dienstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet ist, durch ein attraktives Programm für Kinder und Jugendliche: In der Reihe „Sagenhafte Gestalten" (Programm für Klassen 1 - 4) basteln die Jüngeren zunächst selbst sagenhafte Gestalten, erwecken sie quasi zum Leben, begleiten sie dann durch die Ausstellung und treten mit den Skulpturen auf einer Bühne in den Dialog.

In der Reihe „Assoziationen zu den Skulpturen von Bjørn Nørgaard" (Programm für Gymnasialklassen 9 - 12) kommt die japanische Versform Haiko mit ins Spiel. Sie ist knapp und konzentriert wie die bedeutungsreichen Skulpturen Bjørn Nørgaards. Ihr Silbenmuster 5-7-5 dient während des Ausstellungsrundgangs dazu, prägnant oder einfallsreich Assoziationen zu den Skulpturen auszudrücken. Programmdauer ca. 60 Minuten, Kosten pro Teilnehmer 0,50 Euro, Anmeldung erforderlich bei Petra Reichmann unter Tel. 0371 - 488 44 27.

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