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04.09.2009 15:15 Uhr
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SAW - eine Akademie für Mitteldeutschland

Dr. Ralf Wehner, Foto: Dirk Brzoska
Die Sächsische Akademie der Wissenschaften (SAW) zu Leipzig mit Sitz in der Karl-Tauchnitz-Straße 1 in der Villa Klinkhardt in unmittelbarer Nachbarschaft zum imposanten Rathaus und dem kolossalen Bau des einstigen Reichsgericht ist eine eher junge Einrichtung - verglichen etwa mit der britischen Royal Society, der Académie francaise oder der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle / Saale.

Am 1. Juli 1846 wurde sie als Königlich Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften gegründet und ist heute als SAW Gelehrtengesellschaft und Forschungszentrum in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Sie ist dabei in drei so genannte Klassen geteilt: eine mathematisch-naturwissenschaftliche, eine technikwissenschaftliche und eine philologisch-historische.

Hinsichtlich Mitgliederzahl, Fächerspektrum und korporativer Rechte sind alle drei Klasse gleichgestellt. Politische und wissenschaftshistorische Entwicklungen haben jedoch hinsichtlich der Durchführung von Forschungsvorhaben bei allen deutschen Akademien der Wissenschaften zu einer Schwerpunktbildung auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften geführt.

Die SAW betreibt aktuell 25 Forschungsvorhaben, in denen knapp 100 Mitarbeiter beschäftigt sind. Dabei kommt es fast immer zu Kooperationen mit Universitäten, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen innerhalb des Einzuggebietes. Mehr als drei Viertel der Forschungsprojekte sind Langzeitvorhaben.

Die Tradition der Einrichtung geht auf den um 1700 geprägten Akademiegedanken des in Leipzig geborenen Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1.7.1646-14.11.1716) zurück. Der entwickelte als bedeutender Mathematiker unter anderem das für die moderne Informationstechnologie grundlegende Dualsystem, war Rechtsgelehrter, Physiker und Techniker, konstruierte 1675 die erste Rechenmaschine, brachte sich erfolgreich als politischer Schriftsteller sowie als Geschichts- und Sprachforscher ein, entwarf als großer Philosoph ein rationalistisch-idealistisches Denkgebäude, das mit dem religiösen Glauben durchaus harmonieren konnte, und stand mit fast allen bedeutenden Gelehrten seiner Zeit in regem Kontakt.

Ähnlich vielseitig wirkt auch die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, die unter anderem die auf etwa 160 Bände konzipierte gigantische „Leipziger Ausgabe der Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy" entwickelt, in einem „Bach-Repertorium" den beispiellosen Beitrag der thüringisch-sächsischen Musikerfamilie Bach zur europäischen Musikgeschichte erforscht und präsentiert, den Briefwechsel des einstigen Literaturpapstes, Sprachentwicklers, Theaterreformers und langjährigen Leipziger Universitätsrektors Johann Christoph Gottsched (2.2.1700-12.12.1766) editiert und dabei auch das für die deutsche Literatur bedeutende Wirken von dessen erster Ehefrau Luise Adelgunde Victorie (11.4.1713-26.6.1762 berücksichtigt.

Nicht zu vergessen etwa das „Althochdeutsche Wörterbuch" und das „Altägyptische Wörterbuch", den „Historischen Atlas von Sachsen" und die „Quellen und Forschungen zur Sächsischen Geschichte", die „Enzyklopädie jüdischer Kulturen", dazu tiefgehende Arbeiten zur Wissenschaftsgeschichte wie „Die deutsche Akademie des 17. Jahrhunderts: Fruchtbringende Gesellschaft" oder die „Geschichte der Naturwissenschaften und der Mathematik". Nicht weniger spannend beispielsweise auch die „Quellensammlung zur Witterungsgeschichte Mitteleuropas", die Untersuchungen zur „Schadstoffdynamik in Einzugsgebieten", das Vorhaben über „Die biotische Struktur von Stauseen" oder die „Beiträge zur Umweltforschung". Weitere Informationen unter www.saw-leipzig.de

H.G.

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