Henri Le Sidaner wurde 1862 auf Mauritius geboren und begann seine künstlerische Laufbahn 1882 an der Pariser École nationale des Beaux-Arts. Kurze Zeit später brach er seine Ausbildung ab und ließ sich in Etaples nieder, wo er sich mit den Malern Henri Duhem (1831-1905), Fritz Thaulow (1847-1906), ein Förderer und entfernter Verwandter Edvard Munchs, und Emile Claus (1849-1924) anfreundete. Abseits der aktuellen Kunstströmungen malte Le Sidaner hauptsächlich Landschaften der Region. Stilistisch stand er dabei dem Naturalismus von Corot und der impressionistischen Freilichtmalerei nahe und ent-wickelte „...ein überaus feines Gespür für ruhige, sanfte und delikate Stimmungen. Er eliminierte nach und nach jede menschliche Figur, so als ob er befürchte, sie könnten die unfassbare Stille stören." (Paul Signac, 1902)
Nach 1890 schloss er sich den symbolistischen Künstlerkreisen in Paris an und entwickelte in den kommenden Jahren eine eigene Bildsprache, die geprägt war von klassischen Motiven und melancholischen Stimmungen. Er verlieh seinen Werken eine ungewohnte Poesie durch Nutzung subtiler Lichtwirkungen und impressionistischer Farbgebung. Er enthüllte somit eine im Alltäglichen verborgene Magie und schuf eine neue Sicht auf die Dinge.
Die Ästhetik seiner Gemälde inspirierte sogar Marcel Proust für seinen Romanzyklus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", in dem Le Sidaner mehrfach erwähnt wurde. Auch wurde Le Sidaner 1918 von Proust, der ihn oft mit Claude Monet verglich, nach Giverny eingeladen.
Zu Lebzeiten war Le Sidaner regelmäßig in den Pariser Salon, auf bedeutenden nationalen und internationalen Ausstellungen und bekannten Galerien vertreten.
Er erhielt viele Auszeichnungen wie bei den Internationalen Weltausstellungen in München und Pittsburgh, zudem war er neben zahlreichen Mitgliedschaften in international bekannten Kunstinstitutionen auch ab 1936 Präsident der Pariser Académie des Beaux-Arts. Am 16. Juli 1939 starb Le Sidaner in Versailles.
Nach seinem Tod 1939 geriet Le Sidaner, der zu Lebzeiten hochgeschätzt war, in der Öffentlichkeit und bei europäischen Kunsthistorikern in Vergessenheit. Erst 1950 und 1989 wurden ihm in Paris und Brüssel Retrospektiven gewidmet.
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