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24.08.2009 20:23 Uhr
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Macher Mendelssohn: Felix – Glückskind für die Welt

gemalt 1846 von Eduard Magnus
Er ist ein Meilenstein in der Musikgeschichte, ein international gefeierter Superstar, und ein genialer Schöpfer obendrein. Felix Mendelssohn Bartholdy muss keinen Vergleich scheuen: Weltweit umjubelten Sportikonen wie Pelé oder Franz Beckenbauer begegnet er auf Augenhöhe, man könnte ihn aber ebenso als Albert Einstein der Musik bezeichnen.

Dass Felix Mendelssohn Bartholdy (3.2.1809-4.11.1847) als genial bezeichnet werden muss, ist unbestritten und leitet sich bereits aus seinen Wurzeln ab - als Enkel eines der größten deutschen Denker, Moses Mendelssohn. Aber auch zwei Zahlen mögen das Geheimnis seines Erfolges verdeutlichen: Der Maestro hat in seinem kurzen, aber äußerst intensiven Leben die unglaublich klingende Menge von 740 Kompositionen erschaffen und mehr als 7.000 Briefe geschrieben. Sagenhaft.

Nun könnte man mal eine naive Rechnung aufstellen, die diese gewaltigen Zahlen auf den ersten Blick ein wenig relativieren: Drei Kompositionen pro Monat würden pro Jahr 36 Werke anhäufen. Nehmen wir an, es waren sogar 37, dann ergibt das in 20 Jahren 740 Werke. Ein Brief pro Tag ergäbe jährlich 365 Briefe - und 7.300 in 20 Jahren.

Berücksichtigt man nun 20 bis 25 Schaffensjahre bei Felix Mendelssohn Bartholdy, macht das deutlich: Hier war neben einem genialen Talent außerdem ein konsequenter Macher am Werk. Besondere Begabung trifft Disziplin. Leistung erwächst bekanntlich aus den Faktoren Fähigkeit und Motivation. Demnach müsste Felix Mendelssohn Bartholdy als ein Synonym für optimale Leistung stehen - ähnlich wie Formel 1-Rekordweltmeister Michael Schumacher ...

Geboren in Hamburg und aufgewachsen als Spross einer herausragenden Familie in Berlin stand Felix Mendelssohn Bartholdy früh auf der Sonnenseite des Lebens. Er legte sich aber nicht auf die faule Haut oder zehrte genüsslich von einer üppigen Grundlage, sondern baute konsequent und fleißig auf seinen überragenden Talenten und sich hierzu ergebenden Hilfestellungen auf.

Der Macher Mendelssohn fiel bereits dem alternden Dichterfürsten Goethe als besonderes Talent auf - und ein paar Jahre später offenbar auch den Leipziger Stadtvätern, die den außergewöhnlichen Youngster 1835 im Alter von gerade mal 26 Jahren prompt zum jüngsten Gewandhaus-Kapellmeister aller Zeiten kürten.

Ein Glücksfall für beide Seiten und besonders für Leipzig, das neben Wien Mitte des 19. Jahrhunderts zur internationalen Musikhauptstadt aufstieg. Mit dem jungen Felix Mendelssohn Bartholdy als strahlendem Mittelpunkt. Unter seiner Regie etablierte sich das Gewandhausorchester in der Weltspitze. Zur Heranführung herausragender Musiker gründete er am 3. April 1843 in Leipzig Deutschlands erstes Konservatorium für Musik, in unmittelbarer Anknüpfung an das Gewandhaus. Ein frühes Vorbild für moderne Talent-Leistungszentren und Eliteschulen aller Art.

Am 13. April 1843 wurde Felix Mendelssohn Bartholdy die Leipziger Ehrenbürgerschaft verliehen und am 23. April 1843 wurde auf sein Betreiben hin in Leipzig das weltweit erste Bach-Denkmal eingeweiht, heute als „Altes Bach-Denkmal" zwischen Thomaskirche und Ring zu entdecken.

Während andere regelmäßig und meist vergeblich nach dem ultimativen Superstar suchen, hatte Felix Mendelssohn Bartholdy bereits in ganz jungen Jahren den richtigen Riecher - und wurde sogar im Reich der Toten fündig: Johann Sebastian Bach war im ersten Abschnitt des 19. Jahrhunderts weitgehend in Vergessenheit geraten und genoss selbst zu Lebzeiten nie den überragenden Ruf wie heutzutage. Dass beispielsweise die US-Amerikaner vor allem Johann Sebastian Bach nennen, wenn sie auf große deutsche Kultur angesprochen werden, geht nicht zuletzt auf das Wirken von Felix Mendelssohn Bartholdy zurück. Er steht wie kein anderer für Bachs Wiederentdeckung.

Glückskind Felix kann als ein früher Europäer bezeichnet werden, der dabei besonders auf seinen Englandreisen gefeiert wurde. Dass er in Deutschland sukzessive aus dem öffentlichen Fokus verschwand, hatte viel mit dem aufkommenden Nationalismus ab Mitte des 19. Jahrhunderts und damit parallel wachsender Judenfeindlichkeit zu tun. Die Nationalsozialisten erklärten ihn ab 1933 endgültig zur unerwünschten Person, da er ihrem irren Rassenverständnis doch so vollkommen widersprach.

Die Mendelssohn-Renaissance ging dann wesentlich von Leipzig aus. Der weltweit gefeierte Gewandhaus-Kapellmeister Kurt Masur war es, der sich früh an die Spitze des Feldes setzte, und seinem überragenden Ahnherrn am Dirigentenpult zu neuem Ansehen verhalf. Der 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahre 2009 sorgt hierbei für einen weiteren kräftigen Schub - und er wird kaum abreißen, zumal Mendelssohns kongenialer Wegbegleiter Robert Schumann im nächsten Jahr 200 Jahre alt würde.

Felix' „Patenonkel" Kurt Masur beobachtet das alles nicht nur mit einem Lächeln, der 82-jährige Maestro steht und wirkt bei den Feierlichkeiten mitten im Geschehen. Mendelssohn vertrat die Maxime, dass Leben und Kunst nicht zweierlei seien. Das hört gerade auch der Laie bereits aus seinen Werken heraus. Kurt Masur denkt und handelt sehr ähnlich. Er und Felix sind Brüder im Geiste. Mindestens.

H.G.

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