30.01.2010 22:47 Uhr

Todbringender Literat gestorben

Literatur kann gefährlich sein. J.D. Salinger (91) war sich dessen bewusst. Warum sonst hätte er viele seiner Arbeiten geheim gehalten. Er schreibe für sich selbst. Schreiben um zu reifen. Von Vorurteilen besetzt, beeinflussen seine Werke die Handlungen, Meinungen und Taten seiner Leser. Während die meisten der 10 Millionen Leser von „The Catcher in the Rye" dieses Werk auf intellektuellem Niveau verarbeiteten, trug es wahrscheinlich, auf tragische Weise zum Tod von John Lennon bei.

Ein trauriger Ruhm umgibt Salingers Tod vom 27. Januar 2010. Sein „Catcher in the Rye - auf deutsch „Der Fänger im Roggen" ist immer noch ein Long-Seller mit jährlich einer Viertelmillion Exemplaren. Angeblich soll es 15 oder 16 fertige unveröffentlichte Bücher in seinem Nachlass geben. Seit 1951/52 lebte Salinger zurückgezogen in Cornish (New Hampshire), wo er im Alter von 91 Jahren eines natürlichen Todes starb.

Nach unvollendetem College und einer Ausbildung in einer Schlachterei, war Salinger von Frontkämpfen im 2. Weltkrieg traumatisiert. Jetzt diskutiert man, ob seine Werke veröffentlich werden sollen und ob Salinger das überhaupt gewollt hätte. Sollen Arbeiten eines isolierten, in seiner eigenen Welt lebenden Autors von Ernest Hemingway als „verteufeltes Talent" deklariert, wirklich an die Öffentlichkeit. Was würden sie anrichten?

Viele erschaudern von dem Gedanken. Warum?

Der Fänger im Roggen diente dem Attentäter von John Lennon, Mark David Chapman, als Kult-Objekt und Vorlage. Er hatte es stets bei sich, auch bei den Vorbereitungen sowie der Ausführung des Attentats am 8. Dezember 1980. Dabei tötete er auf offener Straße in New York, vor dem Dakota Building, den Kultmusiker John Lennon mit mehreren Schüssen, nachdem ihm dieser eine Schallplatte signiert hatte. Auf dem letzten Foto das von John Lennon gemacht wurde, war sein Attentäter mit drauf.

Die Hauptfigur des Fängers ist der 17-jährige Holden Caulfield, der in den 3 Tagen in denen die Geschichte erzählt wird, erwachsen wird. Am liebsten wäre Holden taubstumm, um sich mit der Verlogenheiten anderer Menschen nicht auseinandersetzen zu müssen. Aber nicht die 255 „goddam" und 44 „fucks" im Buch geben uns zu denken, sondern die Tatsache, dass der Mensch, den Holden am meisten geliebt hat, sein kleiner toter Bruder war.

Viele wären wohl froh, wenn die unveröffentlichten Manuskripte von Salinger niemand zu Gesicht bekommen würde.

30.01.2010 Bernhard Wiesbeck

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