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14.03.2011 09:42 Uhr
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Deutsches Theater Berlin

In Hebbels erstem Drama - die Geschichte entnahm er dem apokryphen "Buch Judith" im Alten Testament - ermordet die "jungfräuliche Witwe" Judith den von größenwahnsinnigen Machtgefühlen bestimmten assyrischen Feldherren Holofernes und rettet ihr Volk Israel damit vor der Vernichtung. Die Heldin kehrt heim und die Priester loben den Gott, der Judith geführt hat.

Der damals 26-jährige Dichter interessiert sich für den Zusammenhang von Innen- und Außenleben. Oder vielmehr für deren Widerspruch. Judith war von Holofernes berauscht und angezogen, wurde jedoch von ihm vergewaltigt. So ist die nach Außen gottgläubige Tyrannenmörderin in ihrem Inneren von Selbstzweifeln geplagt, kann die Enthauptung Holofernes nicht als "reinen" Auftrag Gottes sehen. Judith sehnte sich nach sinnlicher Erfüllung, doch als Befreierin ihres Volkes muss sie die eigenen, ihrem Wesen entsprechenden Grenzen überschreiten und das Ziel ihres Begehrens vernichten. Außerdem stellt sie durch die Tat ihre Würde wieder her. Hier überlagern sich die Motive für den Mord. Judith hat "das Rechte aus unrechten Gründen" getan. So ist der Tat eine objektive Rechtfertigung genommen. Judith zerbricht.

Neben dem Kampf der Geschlechter, den Hebbel in fast allen seinen Dramen zum Thema macht, geht es ihm um die Idee der Menschheit selbst. Es soll nicht nur das Verhältnis der Charaktere zur Idee, sondern die "Berechtigung der Idee selbst debattiert" werden. "Die Judith der Bibel kann ich nicht brauchen. Dort ist Judith eine Witwe, die den Holofernes durch List und Schlauheit in´s Netz lockt; sie freut sich, als sie seinen Kopf im Sack hat und singt und jubelt vor und mit ganz Israel drei Monde lang. Das ist gemein; eine solche Natur ist ihres Erfolgs gar nicht würdig [...].

Meine Judith wird durch ihre Tat paralysirt; sie erstarrt vor der Möglichkeit, einen Sohn des Holofernes zu gebären; es wird ihr klar, daß sie über die Grenzen hinaus gegangen ist, daß sie mindestens das Rechte aus unrechten Gründen gethan hat", so Friedrich Hebbel in seinem Tagebuch 1872.

von Friedrich Hebbel

Premiere am 18. März 2011, 20.00 Uhr, Kammerspiele

Weitere Vorstellungen am 19., 21. und 29. März

 

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