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30.01.2011 08:54 Uhr
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Ich habe viele Stimmen in mir

Manche sind laut und aufdringlich, manche kaum hörbar, nur noch spürbar, doch unverfälscht. Manche sprechen vom Loslassen, die anderen wiederum vom Festhalten. Festhalten am Leben.

Was bleibt konstruktiv, wenn man den Tatsachen, die unser Dasein ausmachen ins Auge blickt? Mitten im Universum, auf der Kruste eines Feuerballs, der unterwegs durch das Nichts nach Nirgendwo ist, wollen viele von uns Sicherheit. Sicherheit des Einkommens, Sicherheit des Eigentums, Sicherheit der eigenen Existenz, Sicherheit über den Tod hinaus, Sicherheit der Gedanken und mit ein wenig Hilfe der Ausblendung sogar Sicherheit der Gefühle.

Dostojewskij hat mir durch seine Werke geholfen die Brille der Selbsttäuschung abzunehmen, die für mich heute geltende Natur und Beschaffenheit der menschlichen Regungen zu erkennen und anzunehmen. Beim Inszenieren fragte ich mich was für ein Mensch er war? Welche Stimmen haben in ihm gesprochen, als er seine Figuren schuf, als er das Leben in sie einhauchte? Denn sie leben für mich. Ich las seine Texte. Ich hatte Bilder im Kopf. Ich fühlte.

Die fünf Schauspieler und die Musik sind die Stimmen, die gezwungen sind, zusammen in Fjodor zu existieren. Unterschiedlicher können sie nicht sein, doch der Rahmen ist vorgegeben und es gibt kein Entkommen. Das Chaos, dem vor allem ein Suchender sich nicht entziehen kann, lenkt das Geschehen. Und es geschieht eine ganze Menge, denn die Reibung erzeugt bekanntlich Energie.

Kein Theaterprojekt war für mich bis heute persönlicher, denn es geht um die Wahrheit. Selbst wenn es sie nicht gibt, ist sie mir verdammt wichtig.

Anatoly Zhivago über Dostojewskij Medley.

Es spielen: Franziska Jovanovski, Karoline Kiederer, Margaux Weiß, Horst Winter, Anatoly Zhivago
Dramaturgie: Angela Jannelli, Igor Usatov
Regie: Anatoly Zhivago

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