| << Zurück | 22.10.2009 20:10 Uhr |
Vielleicht war Ferdinand Freiligrath eine der Idealgestalten eines beherzten und aktiv verändernden Bürgers, die Franz Kafka im Blick hatte, als er mit der gegenläufigen Figur des Mitläufers in seinen Werken rigoros abrechnete - und der von Jasagern und Wegguckern geprägten Gesellschaft in Person des Josef K. den „Prozess" machte.
Ferdinand Freiligrath tickte da wahrlich anders: In Unkel am Rhein nahe Bonn begann der gebürtige Westfale und gelernte Kaufmann 1839 seine Karriere als freier Schriftsteller. Bereits drei Jahre später erhielt er auf Empfehlung Alexander von Humboldts vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. eine Pension für sein Schaffen. Doch Freiligrath etablierte sich mehr und mehr als politischer Dichter - und verzichtete dafür ab 1844 sogar auf die sicheren Einnahmen durch die Pension.
Politisch verfolgt zog Freiligrath mit Frau und Familie quer durch Europa und war auf dem Sprung nach Amerika, als er sich aufgrund der ausbrechenden Revolution von 1848 / 49 entschloss, nach Deutschland zurückzukehren. Trotz alledem - wie er auch eines seiner berühmtesten Gedichte betitelte. „Nur was zerfällt, vertretet ihr! / Seid Kasten nur, trotz alledem! / Wir sind das Volk, die Menschheit wir! / Sind ewig drum, trotz alledem!", dichtete Ferdinand Freiligrath damals unter anderem.
Richtig sesshaft wurde er nie. In Erinnerung blieb Ferdinand Freiligrath letztlich vor allem als ein beherzter Idealist und als politischer Streiter gegen die von ihm kritisch bewerteten sozialen und gesellschaftlichen Zustände: „Wir sind das Volk! / Ihr hemmt uns, doch ihr zwingt uns nicht - / unser die Welt, trotz alledem!"
H.G.
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