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29.04.2011 08:36 Uhr
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Von Kopf bis Fuß

Kabarett-Neckereien von Friedrich Hollaender

»Clown, du hast deine Stellung verloren« singt der alte Mann mit müder Stimme und melancholischem Unterton. Dann zieht er, wie er es gelernt hat, den Strohhut: »Deine Bonmots beginnen zu rosten. Es brenzeln die Wortspielereien...« Und nach einer knappen Verbeugung dann, leise beschwörend, der eindringliche Rat: »Stopfe die Ulk-Trompete zu! Oh, du dummer Augustin, gib doch Ruh!«

Es ist mehr als ein Chanson, das der müde gewordene Hollaender da 1958 beschwört. Es ist die Bankrotterklärung einer ganzen Zunft, die nicht aufzuhalten imstande war, was sie an Verderben vorausgesehen und die warnend ihre Stimme erhoben hatte, aber nicht gehört worden war. Es ist das Fazit eines Lebens, das den Clown nach Jahren des Exils, »staatenlos im Nirgendwo«, wie Walter Mehring
das genannt hat, in die fremd gewordene alte Heimat hat heimkehren lassen.

Der große kleine Friedrich, wie Charlie Chaplin den Anderthalbmeter-Mann einmal zärtlich genannt hat, war ein Tausendsassa der großen Kleinkunst, ein Multitalent: Komponist und Textdichter, Schauspieler und Regisseur, Schriftsteller und Dirigent, Kabarett-Leiter und Pianist. Wie all seine Kollegen, die sich aufs schwere Metier der leichten Muse verlegt hatten, mal sanft, mal kritisch, mal polemisch auf Widerspruch, mal unverblümt auf modische Trends aus, tingeltangelte er in den zwanziger Jahren der
später nostalgisch auf Gold umgelogenen Weimarer Republik über wirtschaftliche Baissen und politische Krisen hinweg, lieferte den valse triste zu einer unruhigen Zeit, in der man sich nach 1918 mal »wieder amüsieren« wollte, wie Klabund notierte. Er spielte dem Chaos auf, half es literarisch benennen, ergriff Partei, ließ Mahnungen los, stieß Warnungen aus, stellte sich - elegant in der Form, klar in der Sache - gegen die Zeit, die man die tollen Zwanziger genannt hat und die geradewegs in die braunen Dreißiger
führte. Und musste am Ende erkennen, dass, wo Unbelehrbares die Oberhand gewinnt, die Resignation der Weitsichtigen steht und die Sprachgewaltigen sprachlos werden.

Das Lächeln seines Publikums war ihm mehr als der Entschlossenheits-Gestus der parteilichen Ideologen, er setzte lieber auf das Florett eleganter, geistreicher Conference als auf das schwere Geschütz platter. Er gab ein Königreich für eine Pointe, ein Herzogtum für eine geschliffene Formulierung,
eine Grafschaft für den gelungenen Endreim. Tragisch genug, in eine Zeit hineingeboren zu sein, die, wie
sich zeigen sollte, für derlei Fertigkeiten wenig empfänglich war.

Volker Kühn

Erleben Sie das Kabarett-Ensemble BerlinerTingel-Tangel in seiner neuen Produktion mit Liedern
und Texten von Friedrich Hollaender. Dazu spannen sie den kabarettistischen Bogen von den "Goldenen" Zwanzigern über die Weimarer Zeit bis hin zu den Erfolgen Hollaenders in den 50er und 60er Jahren und
scheuen sich nicht, vom rein Amüsanten-Spaßigen auch mal zum Systemkritischen überzugehen.

Theater Coupe Wilmersdorf
08. April 2011, 20.00 Uhr - PREMIERE
20. Mai 2011, 20.00 Uhr
Hohenzollerndamm 177 / (U Fehrbelliner Platz)

Alte Feuerwache Friedrichshain
09. April 2011, 20.00 Uhr
21. Mai 2011, 20.00 Uhr
Marchlewskistr. 6 / (U Weberwiese)

Kleines Hoftheater Horn
18. Juni 2011, 20.00 Uhr
Bei der Martinskirche 2
22111 Hamburg-Horn

Ab sofort ko nnen Sie Karten reservieren unter info@berlinertingeltangel.de
oder unter Tel. 030 / 834 13 68

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