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12.02.2010 04:01 Uhr
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Sex sells!

Die Waffen der Frau - Karsten Uhlmann
Nicht immer! Erklärt uns der 1968 in Karl-Marx-Stadt geborene Fotograf Karsten Uhlmann. Seit Jahren habe er versucht, mit seinen erstklassigen Aktfotos in das Männermagazin PENTHOUSE zu kommen. Welche Fotos das Magazin von ihm schließlich bevorzugt hat, darüber spricht er dennoch gerne und mit berechtigtem Stolz. „Faszination Parkour"


Eigentlich müsste man meinen, dass sich ein Männermagazin ausschließlich für leicht bekleidete Damen in aufreizenden Posen interessiert. Das dachte sich auch Karsten Uhlmann, der seine ersten Fotos bereits im zarten Alter von 6 Jahren schoss und mit 11 Jahren sein eigenes schwarz/weiß Lobor besaß.


Karsten Uhlmann - Selbstportrait

Dem Weg ins Magazin PENTHOUSE ging eine abgeschlossene Ausbildung zum Fotografen voraus. Seitens der zuständigen Stellen in der Handwerkskammer wurde ihm "künstlerische Begabung" bescheinigt, und man erlaubte ihm nach 2 statt der üblichen 3 Jahre den Beginn des Meisterstudiums. 1989 im Alter von 21 Jahren war Uhlmann Meister des Fotografenhandwerks. Im September 1989 eröffnete er in Plauen sein eigenes Fotostudio.

 

Die besten Vorraussetzungen für eine meisterhafte Karriere waren gelegt. Mit seinen Aktfotoserien wie zum Beispiel „die Waffen der Frau" versuchte er in den namhaften Magazinen einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Da sind unter anderem aufreizende Damen mit Kneifzangen zu sehen und mit im wahrsten Sinn des Wortes „messerscharfen Brüsten". Eigentlich eine Klasse Idee, aber da gab es noch etwas spannenderes was Uhlmann fotografierte.

„Meine Parkour Fotos wollten die vom PENTHOUSE haben, statt der Aktfotos". Und dann erzählte Uhlmann wie er zu den Parkour Fotos kam und was es mit dieser faszinierenden Sportart auf sich hat.

Meine erste Begegnung mit der faszinierenden Sportart Parkour liegt knapp 3 Jahre zurück.. Für ein Event wurden Promotionfotos benötigt. Sandra Hess, die ich vorher als Weltmeisterin im Freestyle Karate kennen lernte und fotografieren durfte, rief mich an einem Samstagabend an und fragte ob ich Sonntag Zeit für ein Parkour Shooting in München hätte. Unsere vorangegangenen Fotos kamen in der Kampfsportszene gut an, da es uns gelang, gesprungene Bewegungen wie Sidekicks, Frontkicks, Überschläge usw. intuitiv zu erfassen und so die ganze Energie der Bewegungen im Foto darzustellen.

Sie erzählte mir am Telefon etwas von Parkour. Ich hatte keine Ahnung, was das ist, diese Sportart war mir neu. Ich hörte, dass es es bei Parkour darum geht, sich im urbanen Gelände einer Großstadt schnell und effektiv zu Bewegen, auch über Geländer, Abgrenzungen und Gebäude. Ich dachte für mich, o.k. Karsten, vielleicht werden wir Ärger mit der Polizei bekommen und verhaftet, aber ich sagte zu. Als ich am Tag darauf neben Sandra Hess dann mit Moses Kallweit und weiteren Traceuren (so nennen sich die Parkour-Sportler), zu shooten begann, war ich auf Anhieb von dieser Sportart begeistert. Seitdem begleite ich die Sportler zu vielen Events z.B. in Berlin. Viele Fotos sind seitdem entstanden.

    
 

Parkour hat durch Filme wie James Bond, bei dem es in den ersten 10 Minuten fast nur Parkour zu sehen gibt, enormes mediales Interesse geweckt. Bei den 2 bislang in Deutschland stattgefundenen Parkour World Meetings habe ich Traceure aus vielen Gegenden dieser Erde kennengelernt und fotografiert. Mich fasziniert die große Selbstbeherrschtheit und Konzentration, die die Sportler zeigen. Teilweise wird man stark an Kampfsport erinnert, wenn die Traceure katzengleich Hindernisse überwinden und in großer Höhe über Häuser und Dächer rennen und springen.

Quer durch alle Nationen geht die Faszination, der Mythos Parkour fordert die besten und mutigsten Sportler heraus. Ich möchte mit meinen Fotos herausarbeiten, wer diese Frauen und Männer sind, was sie antreibt und motiviert. Warum suchen immer mehr Menschen, vor allem junge Männer, nach dieser Herausforderung, dem Kampf mit sich selbst. Liegt es daran, das unsere moderne technisierte Welt keine wirklich männlichen Herausforderungen mehr bietet? Ist es die Möglichkeit unter extremen Bedingungen frei von technischen Hilfsmitteln, ganz auf sich und seine Umgebung gestellt, das eigene Potential zu entdecken? Parkour ist ein Sport ohne Hilfsmittel. Turnschuhe an, und los. Der Mensch erobert die Großstadt als Sportplatz zurück. Back to the roots. Find your way.
Ich möchte das dokumentieren, der Mythos hat auch mich erfasst.

    

Philosophy

Le Parkour - l'art du déplacement [dt: die Kunst der Fortbewegung]

Parkour ist eine Kombination aus Körperbeherrschung und Geist. Das Prinzip von Parkour [parkur; fr. von parcours Hindernislauf, zurückzulegender Weg] ist es, sich auf seine Umgebung sowohl im urbanen, wie auch im natürlichen Gelände einzulassen, die gegebenen Hindernisse mittels seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten effizient zu überwinden und eine fließend harmonische Bewegung hinter sich zu lassen. Der Sportler, der Parkour ausübt, wird Traceur genannt. [trasoer; fr. - der, der eine Linie zieht; im Sinne von alles überwindend, eine Linie durch die Umgebung ziehend; trace; fr. - die Spur, die Linie]

    

Es ist einem selbst überlassen, die effektivste und sicherste Art der Überquerung von Hindernissen, wie Geländer, Wände und Barrieren zu finden. Die Vielfalt der Methodik ist nahezu grenzenlos. Um ein hohes Maß an Geschicklichkeit, Ausdauer und Kraft zu besitzen, bedarf es eines kontinuierlichen Trainings sowie mentaler Stärke. Parkour ist auch eine Schule des Geistes und fördert Selbstvertrauen, Entschlossenheit, Anpassungsfähigkeit, Respekt und Bescheidenheit. Der Traceur ist immer auf der Suche nach Möglichkeiten, um sein Freiheitsgefühl auszuleben. Durch die gezielte Benutzung seiner Sinne und der Grundfunktionen des Körpers - rennen, springen, klettern - stellt er sich seiner Umgebung und trägt durch seine individuelle Art Hindernisse zu überwinden zur Weiterentwicklung der Kunst der Fortbewegung bei. Parkour ist kein Wettkampfsport, sondern vielmehr der Wettkampf mit sich selbst und seiner Motivation, um sich ständig neuen Herausforderungen zu stellen.

Die einzige und zentrale Regel von Parkour ist der Respekt gegenüber sich selbst und seiner Umgebung. Jeder Traceur sollte sich dieser Verantwortung bewusst sein und dieses Gesetz einhalten.

Parkour ist die Verbindung von Ästhetik, Balance, Dynamik, Effizienz und Präzision.

In einem Zug mit der Entstehungsgeschichte von Parkour wird häufig von „La méthode naturelle" (der natürlichen Methode) als Trainingsbasis gesprochen. Dieses von Georges Hébert (1875 - 1957) entwickelte Trainingssystem sieht den Menschen als Einheit von Körper und Geist mit dem Einklang und der Weiterentwicklung als Primärziel. Hébert war stark beeindruckt von den körperlichen Möglichkeiten und dem Geschick der Menschen in Afrika und in anderen Ländern, die er als Flottenoffizier bereiste. Er erkannte, das einzig und allein das Leben in und mit der Natur die Körper dieser Menschen flexibel, beständig und widerstandsfähig gemacht hat und ihre Bewegungen geschickt und flink erscheinen ließ. Er hielt Konkurrenzkampf für eine Ablenkung vom eigentlichen Kerngedanken seiner Trainingsmethodik. Auch glaubte er an eine wichtige Verknüpfung der physischen Fähigkeiten mit Mut und Selbstlosigkeit und entwickelte so „die natürliche Methode".

Die natürliche Methode umfasst ein Training in den Disziplinen Laufen, Rennen, Springen, Vierfußgang, Klettern, Balancieren, Werfen, Heben, Selbstverteidigung und Schwimmen. Es werden nicht nur Widerstands-, Muskelkraft und Geschwindigkeit trainiert sondern auch mentale Fähigkeiten wie Willenskraft, Tapferkeit und Beständigkeit, so war es unter anderem auch ein Ziel, Ängste zu überwinden.

Wenn man jetzt die ganzen Hintergründe von Parkour kennt, kann man das Magazin PENTHOUSE verstehen und welche Faszination diese einzigartigen Fotos von Uhlmann auf sie machten. Nichts desto Trotz sieht man als Mann auch gerne Uhlmanns ästetische Aktfotos, vielleicht auch bald mal in einem Männermagazin.

25.09.2009 Bernhard Wiesbeck

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