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24.11.2009 10:08 Uhr
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Live vor Ort: Brandauer würdigt Hitler-Attentäter Georg Elser

Vor 70 Jahren, am 8. November 1939, hätte der schwäbische Tischler Georg Elser (4.1.1903-9.4.1945) beinahe den Lauf der Weltgeschichte verändert. Seine Bombe im Münchener Bürgerbräukeller zündete zwar präzise, doch der deutsche Diktator Adolf Hitler hatte seine Rede früher als vorgesehen beendet und die Räumlichkeiten 13 Minuten vor der Explosion vorzeitig verlassen. Das Attentat wird heute als besonderer Akt der Zivilcourage gewürdigt.

Der international gefeierte Schauspielstar Klaus Maria Brandauer hat beachtlichen Anteil daran, dass Georg Elser aus der Vergessenheit heraustrat und heute zu den bedeutenden Namen im Rahmen der deutschen Vergangenheitsbewältigung zählt. Zum 50. Jahrestag 1989 präsentierte Brandauer als Regisseur und Hauptdarsteller erfolgreich einen großen Kinofilm zum Thema. Der ist nun erneut in ausgewählten Häusern zu sehen, und Klaus Maria Brandauer ist live vor Ort dabei, um Georg Elser persönlich zu würdigen.

So auch am Montag, dem 23. November, um 19.30 Uhr im Centraltheater Leipzig, wo es im Anschluss an den Film ein Publikumsgespräch geben wird. In der Weltgeschichte ist auch ein Tyrannenmord seit ewigen Zeiten umstritten, und vor allem dann, wenn dabei mehr oder weniger Unbeteiligte zu Schaden kommen. Elser war ein Einzeltäter und zudem ein Mann aus dem Volk. Durch ihn wird bis heute in wertvoller Weise dokumentiert, dass die Deutschen im Dritten Reich zwischen 1933 und 1945 nicht ausschließlich ein Volk der Täter und Mitläufer waren.

Brandauer selbst beeindruckte an der Geschichte besonders die Erkenntnis, dass jeder Mensch - unabhängig vom Bildungsgrad, vom Einkommen und von Einfluss und Macht - zum beherzten und tatkräftigen Widerstand auch gegen ein ganzes System in der Lage ist. Vielleicht wurde Elser aber gerade aus diesem Grund anfangs verfemt: Er nahm den Mitläufern das beruhigende Argument, dass sie als „kleine Rädchen im großen Gefüge" doch nichts hätten ausrichten können.

Klaus Maria Brandauer selbst verkörpert eher das Gegenteil eines Mitläufers. Vielleicht hat er deshalb im Film und auf der Bühne immer wieder so überzeugend Mitläufer gemimt. Nicht als Monster oder verabscheuungswürdige Wesen, sondern als tragische Gestalten, die man zugleich bemitleiden und kritisieren konnte - und die einem vor allem als hilfreicher Spiegel vorgehalten wurden.

Die Rolle des Georg Elser passt da perfekt hinein. Sie eignet sich sogar als finaler Höhepunkt. Mit dem latenten Hinweis: Na, es geht also doch. Zivilcourage ist auch heute ein wichtiges Thema, zumal Zivilcourage offenbar nur schwach ausgeprägt ist. Zudem geht es um gesellschaftliche Verantwortung, Widerspruch, Einmischen, bürgerliches Engagement. Brandauers „Georg Elser - Einer aus Deutschland" ist diesbezüglich ein beeindruckendes Mahnzeichen, und ein spannender Kinofilm außerdem noch.

H.G.

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