| << Zurück | 30.04.2010 02:46 Uhr |
Lieber Herr Wiesbeck,
Mit Interesse habe ich Ihren Artikel "der Traum vom eigenen Buch" im Kulturmagazin gelesen.
Ja, es ist schwierig, beinahe schon unmöglich als kleiner Autor auf dem Markt Fuß zu fassen. Eigentlich müsste man heutzutage nicht nur ein Talent fürs Schreiben haben, sondern ein mindestens ebenso großes für Marketing. Das kommt aber leider in der Regel nicht zusammen.
Ich habe vor nun sechs Jahren mein erstes Buch bei BoD veröffentlicht, die Kosten halten sich dabei in Grenzen, die Einnahmen aber auch, es ist ein Nullgeschäft. Vor einem Jahr nun fand ich einen kleinen Verlag - oder besser gesagt, die Verlegerin fand mich - und hat nun gleich drei Bücher von mir veröffentlicht - ohne Druckkostenzuschuß.
Allerdings heißt das immer noch nicht, dass das Geschäft nun laufen würde - so kleine Verlage rennen sich bei den Buchhändlern die Füße platt und werden mit der Bemerkung vor die Tür gesetzt (im wahrsten Sinne des Wortes!) , sie könnten wiederkommen, wenn sie einen Bestseller hätten, aber bitte sehr nicht vorher.
Der Buchmarkt wird beherrscht von Händler-Riesen, die erklärter Maßen die Kleinverlage "vom Markt fegen" wollen. Literarische Vielfalt ist heute nicht mehr gefragt - gefragt sind nur noch Umsatzzahlen. Ich kenne eine Kleinverlegerin, der hat man Fachbücher zurückgegeben aus einer Kommission, mit der Bemerkung ein Verkauf von 15-20 Büchern am Tag sei schon das Minimum das nötig sei, um einen Platz im Laden zu halten - davon kann ein Kleinverleger aber leider nur träumen - mangels Werbe-Etat und der Möglichkeit den Markt einfach mit einer Riesenauflage zu überschwemmen.
Ich erlebe es immer wieder, dass Buchhändler sich strickt weigern meine Bücher zu bestellen, weil sie angeblich nicht lieferbar sind, obwohl sie ganz normal in der Libri-Liste stehen und innerhalb von drei Tagen vom Verlag geliefert werden. Die Eintragungen bei Amazon haben auch begrenzte Wirkung, da man die Bücher ja erstmal überhaupt finden müsste - wer stößt schon versehentlich auf einen unbekannten Autor?
Die Größe von Werbe-Etats steigt proportional mit er Größe eines Verlages - also auch der Marktabsatz. Der durchschnittliche Leser kauft, was er in den Buchläden präsentiert bekommt - die Literatur, die keinen Platz dort findet, wird nicht gefunden und somit auch nicht verkauft. Bestseller werden eben nicht vom Leser gemacht, sondern von Großverlagen, die Millionen in Werbung stecken und für Regalplätze Horrorsummen ausgeben.
Als unbekannter Autor muss man sich wohl damit abfinden, dass das Schreiben eine "nette Nebenbeschäftigung" bleibt, aber nicht für den Broterwerb geeignet ist. Dennoch würde ich immer dazu plädieren, es nicht aufzugeben - es gibt nichts Bedrückenderes als ungelebte Träume und verdrängte Talente.
Manchmal muss man Dinge auch entgegen aller Vernunft tun, egal wie hoch der Preis dafür ist - mit 80 irgendwann sagen zu müssen "ich hätte mal Bücher schreiben wollen, aber..." - ist keine schöne Perspektive - da ist es doch immer noch besser sagen zu können: "Ich habe es getan - wenn auch mit geringem Erfolg - aber ich habe alles versucht."
Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, nach 20 Lesungen pack ich den Kram weg, wenn der Verkauf nicht läuft. An Lesungen muss man auch erstmal rankommen, so einfach ist das als Privatmensch auch nicht. Ich habe vor Weihnachten mit meinem kleinen Weihnachtsbüchlein mal grade drei Lesungen zustande gebracht und dadurch etwa 40 Bücher verkauft, das ist nichts im Verhältnis zum Aufwand. Aber es tun sich so ganz langsam kleine Kanäle auf. So bin ich auf diese Weise nun auf die Liste der Hamburger Schullesungen gelangt, wer weiß, was da noch draus wird?
Man wird wirklich kreativ mit der Zeit, um zumindest ein paar Bücher zu verkaufen. Zum Beispiel habe ich zu einem meiner Bücher, dessen Thema die "Trauer" ist, eine kleine Ausstellung, die ich nun zum zweiten Mal präsentiert habe. Solche Ausstellungen haben auch Tücken - man investiert Zeit und Geld, in der Regel ohne hoffen zu können, die Kosten je wieder reinzuspielen. Was aber immer dabei herausspringt ist ein bisschen "Seelenbalsam", durch Gespräche mit Leuten, die sich wirklich für die Sache interessieren. Nichts tut einem Künstler so gut, wie das Gefühl, dass die eigene Kunst verstanden wird - wenn auch nur von einigen wenigen.
Der Künstler ist nur selten derjenige, der an seiner Kunst richtig verdient.
Aber war das nicht schon immer so? Man denke nur an Van Gogh...
Mit einem künstlerischen Gruß aus der Schreibwerkstatt einer unbekannten Autorin.
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Danke für die Ausführungen - Genau diese Situation wollen wir mit unserem Kultur-Netzwerk ändern. Details dazu folgen hier bei Klartext.
30.04.2010 Bernhard Wiesbeck