| << Zurück | 14.04.2010 01:16 Uhr |
Konfrontiert mit der Realität des Kunstmarktes, gibt es nur zwei einzuschlagende Richtungen, um von seiner Kunst leben zu können. Die eine will ich mal als Königsweg bezeichnen, die andere verfolgt ein stimmiges Vertriebskonzept. Alle anderen, seien sie von Eitelkeit oder Konzeptlosigkeit getragen, ziehen den Kreativen in eine eigene oder eigenartige Welt, die sich oft erst nach dem Ableben vermarkten lässt, wenn überhaupt.
Es ist eine erbarmungslose Branche voller Stolz, Eitelkeit, Aristokratie und Besserwisser. Dabei ist es ganz einfach. Auf der einen Seite steht der Kunde, auf der anderen Seite der Künstler. Eine Brücke ist nicht vorhanden.
Der Künstler erwartet von seinem Käufer Einfühlungsvermögen, Kunstverständnis und ein dickes Bankkonto. Dafür ist er eventuell und unter großen seelischen Schmerzen bereit eine Arbeit, die Teil seiner Seele geworden ist, abzutreten. Um so weit zu kommen, verkauft er sich selbst einem Galeristen oder Agenten. Oder er bezahlt die Unsummen aus eigener Tasche, die verlangt werden, um an den richtigen Standorten die richtigen Kunden zu finden. Diese Bestsituierten findet man auf lobbyistisch kontrollierten Messen oder exklusiven Ausstellungen. Von Zugeständnissen an Museen, private Sammler oder vom Käufer beauftragte Kunsthändler, möchte ich erst gar nicht reden.
Auf der anderen Seite stehen die „Konzeptioner", so möchte ich diese Riege bezeichnen. Da gibt es die hart Arbeitenden, die feste Arbeitszeiten haben und verstehen, dass Marketing und Akquise zum Arbeitsalltag gehören. Dann gibt es die Strategen, die konzentriert spezielle Marktsegmente und Zielgruppen bearbeiten. Auch die Trendsetter gehören hier mit dazu. Diese deklarieren ihre Arbeit zum Zeitgeist und können andere dafür begeistern. Zum Schluss gibt es noch den Glückspilz. Er ist ein Träumer und Fantast und hoch talentiert ohne es zu wissen. Was er erschafft, erzeugt ein Lebensgefühl und eine eigendynamische Welt in sich.
Wichtig für das Endprodukt Kunst ist natürlich auch Authentizität und etwas das man vielleicht als kreatives Charisma bezeichnen könnte. Eine Mischung aus Wissen, Verständnis und Einfühlungsvermögen schafft dann ein wertvolles Werk. Beachten sollte man noch, dass man die Quantität auf den Bedarf abstimmt und die Qualität auf das Verständnis des Betrachters.
Dann bekämpft man noch das naive Kindchensyndrom. Kleinen Kindern fehlt das Gespür für Kunst. Kinder müssen erst die realen Dinge begreifen und erfassen, dazu gehört auch der spielerische und reduzierte Umgang mit sich selbst und seinem unmittelbaren Umfeld. Erst müssen die reellen Dinge im eigenen Verständnis einen Platz finden. Hat man die Welt mit seinem eigenen Gedankengut nachkonstruiert oder in Schubladen abgelegt und versucht zu katalogisieren, dann beginnt das Verständnis für Kunst. Das verlangt nämlich jetzt, die eigene Realität mit deren Schubladen wieder einzureißen, um ein erweitertes Erkennen zu ermöglichen.
Leider erreicht nicht jeder dieses Stadium. Über die Gründe möchte ich an dieser Stelle nicht sprechen. Auf jeden Fall ist es dann unmöglich Kunst und deren Stellenwert geistig zu erfassen. Das entlockt jenen oft ein Lächeln des naiven Unverständnisses. Eigentlich Schade. Lässt sich aber nicht ändern.
Fazit: Kunst ist allemal viel Arbeit, kein Hobby, kann nie ganz verstanden werden und erhebt uns zur Krone der Schöpfung - ist aber einfach nicht für jeden zugänglich.
Bäume fällen ist aus dem Grund so beliebt, weil man sofort ein unmittelbares Ergebnis erkennen kann - bei Kunst ist das vielleicht nie möglich - verständlich, dass da immer Zweifel auch an der Branche bestehen bleiben.
14.04.2010 Bernhard Wiesbeck