| << Zurück | 10.12.2009 20:00 Uhr |
Der Vergleich mit der niederländischen Rockband, die Ende 1973 mit dem Chartbreaker „Radar Love" ihren größten Erfolg feierte, mag ein wenig hinken. Kurios aber auch, dass Richard Klemm sein erstes größeres Konzert in einem internationalem Rahmen 1992 ausgerechnet in Den Haag gab - also der Heimat der meisten Mitglieder von „Golden Earring". Der für das Bonner Fraunhofer-Institut als Wissenschaftler tätige Richard Klemm setzt allerdings mehr auf Jazz und klassische Musik und hat das ergänzend zu seinem Technikstudium an der TU Berlin parallel an der Musikhochschule Berlin sogar studiert.
Und egal ob als Solist, als Teil des „Klavierduos Bonum" oder als Mitglied der Bonner „Mittwochssänger" - Richard Klemm bringt nun schon seit Jahrzehnten Schwung in die deutsche Wissenschaftswelt. Oder besser: Er beschwingt sie. Klemm lässt seine Kolleginnen und Kollegen aus Forschung und Entwicklung allerdings nicht nur als Konsumenten an seinem „Doppelleben" teilhaben. Er verführt sie außerdem zum höchst aktiven mitwirken. Und so darf man sich nicht wundern, wenn Forschungslabore mehr und mehr zu Proberäumen für Konzerte und Kabarettinszenierungen werden.
Nun ja, eigentlich gut zu wissen, dass im stillen Kämmerlein nicht ausschließlich an der ultimativen Bombe gebaut wird, sondern dass dort offenbar auch feingeistige Menschen mit kulturellem Geschick und kommunikativen Talenten wirken ...
Nehmen wir zum Beispiel die Bonner „Mittwochssänger". Die bieten eine Mischung aus Kabarett und Musik. Mit Texten, die teils heiter sind und teils nachdenklich stimmen, die oft spötteln, ohne jedoch zu verletzen, und zuweilen einfach für gute Laune sorgen. Weil sich zur Hauptmelodie häufig Begleitmelodien gesellen und unterschiedliche Texte parallel laufen, ergibt sich zuweilen scheinbar ein tüchtiges Durcheinander. Und genau das bereitet den sonst so akribischen Wissenschaftlern so richtig Spaß.
Bei den „Mittwochssängern" haben oder hatten sämtliche Mitwirkende einen Fraunhofer-Bezug. Neben Dr. Richard Klemm sind dabei: Dr. Patrick Berens, der wie Kollege Klemm Radar Love pflegt. Gleiches gilt im Grunde für Dr. Wolfram Bürger und Gehrad Hummel. Hedi Bös ist mathematisch-technische Assistentin und Prof. Dr. Heinz Fassbender lehrt mittlerweile Informatik an der Fachhochschule Aachen. Alle Beteiligten können auf viele Jahre Gesang- und Chorerfahrung zurückgreifen.
Richard Klemm ist der Senior der Gruppe, schreibt alle Text und die Musik dazu und begleitet die Sänger zugleich am Klavier. Dass er an der Musikhochschule Berlin klassische Musik mit dem Schwerpunkt Klavier studiert hat, wurde ihm quasi schon in die Wiege gelegt. Vater Richard Klemm sen. war in Berlin Professor für Musik.
Der Junior tritt neben seinen Aktivitäten für die „Mittwochssänger" häufig auch solo auf. Dann konzertiert er unter dem Motto „Science & Music" etwa auf wissenschaftlichen Tagungen, gibt seit nunmehr 30 Jahren aber regelmäßig auch anderweitig Klavierkonzerte. Seit knapp zwei Jahren bildet er mit der Bochumer Pianistin Marielen Laufenberg-Simmler zudem das „Klavierduo Bonum". Ein Kunstwort aus den Bestandteilen Bonn und Bochum, das außerdem darauf verweisen will, dass man engagiert für wohltätige Zwecke konzertiert.
Marielen Laufenberg-Simmler studierte in Mainz Musik und Germanistik. Im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit an Bochumer Gymnasien leitete sie Schulchöre und Orchester und gestaltete zahlreiche Konzertaufführungen. Sie begleitete den Bochumer Kinderchor am Klavier bei Konzerten im In- und Ausland, bei Funk-, Fernseh- und Schallplattenaufnahmen. Seit etwa zehn Jahren tritt sie solistisch und kammermusikalisch in verschiedenen Besetzungen bei Vernissagen, Lesungen sowie kirchlichen und sozialen Veranstaltungen auf, unter anderem in der Kombination von Gedichtvorträgen und Klaviermusik zusammen mit Margarethe Riedel, ihrer Freundin seit der ersten Schulklasse („First Class").
Richard Klemm wurde als Wissenschaftler vielfach ausgezeichnet, und aus seinen zahlreichen Veröffentlichungen ragen zwei Bücher zum Thema „Space-time adaptive processing" heraus. Er arbeitet außer für das Fraunhofer-Institut auch für die Nato und hat Seminare sowie Beratungen in verschiedenen Ländern Europas, der Europäischen Kommission, USA, Kanada, Russland und China durchgeführt. Es fällt schwer, alle seine Aktivitäten aufzuführen, und deshalb ist sein erstaunliches Musikpensum umso erstaunlicher.
Wie er das alles unter einen Hut bekommt? Richard Klemm nennt als Beispiel die Proben mit den „Mittwochssängern", die jeden Mittwochmittag stattfinden: „Wenn die anderen Kollegen zum Essen marschieren, um sich von den Leckereien der Betriebskantine verwöhnen zu lassen, ziehen wir uns in einen Seminarraum zurück und proben komplizierte Lieder. Denn: Singen statt Essen ist gut für Geist, Seele, Figur und Cholesterin."
Weitere Informationen unter anderem unter www.mittwochssaenger.de
H.G.
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