| << Zurück | 10.09.2009 08:45 Uhr |
Es gibt eine ganze Reihe von Genies in der mittlerweile schon recht langen Musikgeschichte. Eines größer und besser als das andere. Vergleiche und Bewertungen mag man vornehmen können, besonders schlau ist aber, wer sich einfach von der Musik all dieser Meister ergreifen, mitreißen, erfreuen und anregen lässt. Könige braucht diese Welt nicht zwingend, aber dennoch gibt es sie - ohne dass der Ruhm der anderen darunter leiden muss.
In der klassischen Musik gibt es manch herausragende Könner, die eine Sache in besonderer Weise exzellent beherrschen. Nicht ganz selten beherrschen solche Asse auch zwei Dinge: Sie spielen ein Soloinstrument in überragender Weise und komponieren zudem genial. Andere spielen und dirigieren oder komponieren und dirigieren auf allerhöchster Ebene.
Dann gibt es auch noch ein paar ganz rare Exemplare, die alle drei Elemente in Perfektion vereinen. Felix Mendelssohn Bartholdy ist eine solche Ausnahmeerscheinung. Er war der führende Dirigent zu seiner Zeit und hievte als Kapellmeister das Leipziger Gewandhausorchester in die Weltspitze, dazu zog er als Komponist in die Führungsetage des Musikolymps ein und wurde dann auch noch als Weltmeister an Klavier, Orgel und Violine gefeiert.
Diese Dreifaltigkeit ist bereits so vollkommen, dass selbst im Rahmen der weltweiten Feierlichkeiten zu seinem 200. Geburtstag ein vierter Aspekt zuweilen übersehen wird: Felix Mendelssohn Bartholdy war nicht nur ein Genie, sondern auch ein höchst disziplinierter, überaus selbstkritischer und absolut konsequenter Macher. Diese eigentlich unmögliche Zaubermischung macht ihn unbestreitbar zum „King of Classic" - und weil er anders als die beiden Kollegen trotz reichlich Sinnlichkeit auch seine Gedanken und Gefühle im Griff hatte, empfiehlt Felix sich zudem sogar als der Anführer dieser Heiligenschar.
Lange wurde Felix Mendelssohn Bartholdy wegen seiner jüdischen Wurzeln verfemt und aus dem Bewusstsein der Menschen verdrängt. Spätestens seit den Feierlichkeiten anlässlich seines 200. Geburtstages 2009, die sich immer mehr zum globalen Hype um den Jubilar entwickeln, avanciert Mendelssohn nun jedoch zielstrebig zum Größten der Großen.
Felix macht glücklich! So lautet nicht nur der Slogan des Projekts. Es stimmt. Mendelssohns Musik macht glücklich, ist sogar ein Aufputschmittel. Es erzeugt nicht Aggression, sondern Tatendrang. Wer also etwas Großes plant, sollte eine Scheibe von Felix auflegen. Genug davon gibt es immerhin, phänomenale 750 Kompositionen verzeichnet das gerade bei Breitkopf & Härtel erschienene Werkverzeichnis (MWV) des Magiers und Machers.
Die „Heiligen drei Könige" der Musik sind allesamt jung gestorben: Felix 1847 mit 38 Jahren, Elvis 1977 mit 42 Jahren und 2009 auch Michael mit 50 Jahren. Was mag nun da oben hoch über den Wolken los sein? Ob Felix, Elvis und Michael sich bereits getroffen und miteinander musiziert haben? Was wäre das für eine himmlische Show, wenn die drei sich dort tatsächlich als FEM vereinen würden. Dann würde Gustav Mahlers „Hymne an die Endlichkeit", seine so ungemein aufwühlende 10. Sinfonie, vielleicht ihre letzten melancholischen Elemente verlieren.
H.G.
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.
Sie sind nicht eingeloggt auf Kultur-Netzwerk.com.
Um einen Kommentar zu diesem Artikel schreiben zu können, loggen Sie sich auf Kultur-Netzwerk.com ein oder registrieren Sie sich.