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31.08.2009 14:16 Uhr
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Mendelssohn-Kongress: Eine neue Zeitrechnung

Vier Tage lang traf sich in Leipzig das Gros der führenden Mendelssohn-Fachleute der Welt, um sich im Gewandhaus ausführlich und intensiv mit dem Werk und dem Wirken von Felix Mendelssohn Bartholdy (3.2.1809-4.11.1847) zu befassen und auszutauschen. Und: Einem breiten Publikum wurden tiefe Einblicke ermöglicht, sogar bei freiem Eintritt.

Internationaler musikwissenschaftlicher Kongress Leipzig 2009 lautet der offizielle Titel. Man könnte auch einfach von „Mendelssohn-Kongress" sprechen, denn es ging hier in höchster Qualität um das kompositorische Werk und künstlerische Wirken von Felix Mendelssohn Bartholdy. Das ambitionierte Ziel neben dem wissenschaftlichen Austausch: Die kaum vergleichbare Vielfalt und die großartige Ausstrahlung seines Werkes einer breiten Öffentlichkeit nahezubringen.

Felix Mendelssohn Bartholdy war der Superstar der internationalen Musikszene seiner Zeit. Kein anderer stand permanent so im Blickpunkt der Öffentlichkeit wie er. „Das lag an der kompositorischen Souveränität dieses Mannes, der zugleich der prominenteste Dirigent und ein gefeierter Klavier- und Orgelvirtuose war", erklärt Jürgen Ernst, der Direktor des Mendelssohn-Hauses Leipzig.

Mendelssohn war Genie und Macher zugleich. Eine eher seltene Kombination - die eine riesige Schaffenskraft ermöglicht. Jürgen Ernst gerät ins Schwärmen, wenn er über Felix Mendelssohn Bartholdy spricht: „Er hat in einer bis dahin nicht erlebten Weise alle bekannten Traditionen der Musik zusammengefasst, durch seine eigenen Schöpfungen erweitert und weitergedacht. Ein Humanist und Europäer par excellence, Komponist und Musiker, Gewandhauskapellmeister und Gründungsrektor des Leipziger Konservatoriums, Maler und Essayist, Bewahrer und Erneuerer und schließlich: Familienvater."

Prof. Dr. Pirmin Stekeler-Weithofer, der Präsident der Sächsischen Akademie der Wissenschaften (SAW) zu Leipzig, fügt an: „Noch reduziert sich das Mendelssohn-Bild in der Öffentlichkeit meist auf nur wenige Werke. Der diesjährige, mit international renommierten Mendelssohn-Forschern besetzte Kongress hat sich daher zum Ziel gesetzt, neue Perspektiven zu eröffnen."

Die SAW mit ihrer Mendelssohn-Forschungsstelle fungierte zugleich als Ausrichter des Kongresses, zusammen mit dem Gewandhaus und dem Mendelssohn-Haus Leipzig sowie in Kooperation mit dem Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Leipzig und der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy". Verantwortlich für die inhaltliche Koordination zeichnete Prof. Dr. Christian Martin Schmidt (Technische Universität Berlin) als Projektleiter der „Leipziger Ausgabe der Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy", die von der Mendelssohn-Forschungsstelle der SAW herausgegeben und von Breitkopf & Härtel verlegerisch betreut wird.

Christian Martin Schmidt erinnerte an 1972, als im 125. Todesjahr Mendelssohns in Berlin von Carl Dahlhaus ein Mendelssohn-Kongress veranstaltet wurde und den man als Anfang der jüngeren Mendelssohn-Forschung bezeichnen könnte: „Er stand noch ganz unter dem Eindruck der mehr als ein Jahrhundert währenden Vernachlässigung und Verfemung des Komponisten und hieß ‚Das Problem Mendelssohn'. Im Jahr 2009 demonstriert der Kongress im Gewandhaus zu Leipzig, dass es kein ‚Problem Mendelssohn' mehr gibt."

Professor Schmidt sieht eine neue Zeitrechnung angebrochen. Der internationalen Musikwissenschaft sei es gelungen, die ideologischen und politischen Vor- und Fehlurteile zu überwinden. Stattdessen habe man die Grundlagen dafür geschaffen, dass der Reichtum des künstlerischen Werks von Mendelssohn dem allgemeinen Musikleben neue Impulse geben kann. Schmidt: „Diese Ansätze müssen in internationaler Zusammenarbeit fortgeführt werden." Es läge auf der Hand, dass der große Mendelssohn-Kongress 2009 in Leipzig und im Gewandhaus stattfinden musste. Denn: „Hier hatte Felix Mendelssohn Bartholdy seine zentrale Wirkungsstätte."

Unter den zahlreichen herausragenden internationalen Teilnehmern und Referenten war etwa auch R. Larry Todd, der weltweit als eine Ikone der Mendelssohn-Forschung verehrt wird. Mit „Mendelssohn. A Life in Music" schuf der Professor für Musikwissenschaft an der Duke University in Durham / North Carolina 2003 ein neues internationales Standardwerk, das seit 2008 unter dem Titel „Felix Mendelssohn Bartholdy. Sein Leben, seine Musik" auch in einer deutschen Bearbeitung vorliegt.

Dr. Juliette Appold, die einige Jahre an der Universität-Leipzig studiert und an der Mendelssohn-Briefausgabe mitgearbeitet hat und nun an der US-Eliteuni Princeton lehrt, hielt einen Vortrag über „Schweizer Landschaften in Mendelssohns Briefen, Bildern und Kompositionen". Die junge Frau zeigte sich begeistert von der Intensität und Atmosphäre des Leipziger Kongresses: „Etwas Vergleichbares gab es bislang weltweit nicht. Diese Fülle an Fachleuten und dazu die perfekte Einbettung in die herausragend besetzten Mendelssohn-Festtage. Eine ausgezeichnete Grundlage für effektives Arbeiten und beste Unterhaltung zugleich."

H.G.

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