Raffiniert klassizistisch - Martin Stadtfeld im Konzerthaus Berlin
Seit er 2002 spektakulär den Internationalen Bach-Wettbewerb in Leipzig gewann, wird der deutsche Pianist Martin Stadtfeld mit Superlativen überhäuft. Sein Klavierspiel sei »nie zu analytisch, sondern immer auch poetisch«, lobt die Fachzeitschrift »Fono Forum«. Und »Die Zeit« charakterisiert seine Interpretationen mit Adjektiven wie »hyperwach« und »traumwandlerisch«. Am 16. Oktober erscheint seine neue CD bei Sony Classical, Titel: »Der junge Beethoven«.
Eine erfolgreiche Zusammenarbeit verbindet Stadtfeld mit den von Achim Fiedler geleiteten Festival Strings Lucerne. Die gemeinsame Einspielung einiger Bach-Klavierkonzerte erhielt 2007 den begehrten »ECHO Klassik«. Beide eröffnen nun die Konzerthaus-Reihe »Kammerorchester International« und interpretieren Johann Sebastian Bachs Klavierkonzert A-Dur BWV 1055. Und lassen gleich darauf einen romantischen Komponisten folgen, vor 200 Jahren geboren und einer der größten Bewunderer des Thomaskantors: Felix Mendelssohn Bartholdy. Sein g-Moll-Klavierkonzert op. 25, uraufgeführt in München 1831, ist ein Stück voll virtuosem Glanz und poetischem Zauber. Genau richtig für Stadtfelds Wunderhändchen.
Einen weiteren Jubilar ehren die Festival Strings Lucerne mit Joseph Haydn, der vor 200 Jahren zu Grabe getragen wurde. Seine »Pariser Sinfonie« Nr. 85 trägt dem schmucken Beinamen »La Reine« (Die Königin). Gemeint ist Marie Antoinette, die Frau Ludwig XVI. Ihr soll diese Musik einst besonders gefallen haben.
Die Öffnung zur Neuen Musik schafft dieses Konzert mit der »Simple Symphony« von Benjamin Britten, einem Zahnarztsohn von der britischen Ostküste. Er komponierte sie 1934, kurz nach Abschluss seines Studiums am Royal College of Music in London. Natürlich klingt dieses Jugendwerk alles andere als »simple«, eher raffiniert klassizistisch. Darin kündet sich bereits ein ganz Großer an!
Kammerorchester International Festival Strings Lucerne Martin Stadtfeld Klavier Achim Fiedler Leitung
Benjamin Britten »Simple Symphony« für Streichorchester op. 4 Johann Sebastian Bach Konzert für Klavier, Streicher und Basso continuo A-Dur BWV 1055 Felix Mendelssohn Bartholdy Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 g-Moll op. 25 Joseph Haydn Sinfonie Nr. 85 B-Dur Hob I:85 (»La Reine«)
Kommentare
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.
Sie sind nicht eingeloggt auf Kultur-Netzwerk.com.
Um einen Kommentar zu diesem Artikel schreiben zu können, loggen Sie sich auf Kultur-Netzwerk.com ein oder registrieren Sie sich.
Weitere Artikel
Direktor Ernst: Mendelssohn ist ein Toptorjäger
Das Lob kommt vom Maestro persönlich: „Jürgen Ernst hat entscheidenden Anteil an der großartigen Entwicklung des Mendelssohn-Hauses. Er haucht dem Projekt nun schon seit rund anderthalb Jahrzehnten in besonderer Weise Leben ein", erklärt Kurt Masur, der wesentliche Motor der weltweiten Renaissance von Felix Mendelssohn Bartholdy (3.2.1809-4.11.1847). Ohne Mendelssohn gäbe es die Musikstadt Leipzig nicht. Und dank Leuten wie Masur und Ernst zeichnet sich bereits jetzt ab, dass Leipzig mit Felix künftig wieder verstärkt gewinnen wird.
[mehr]
Ralf Wehner – Mendelssohns Medium: Gedanken von Felix kreisen ums Rathaus
Hoch oben unterm Dach der Sächsischen Akademie der Wissenschaften (SAW) zu Leipzig lagert zwar nicht das Gehirn von Felix Mendelssohn Bartholdy (3.2.1809-4.11.1847), doch dort sind alle seine Gedanken versammelt. Vor allem Dr. Ralf Wehner hat sie in den zurückliegenden 17 Jahren zusammengetragen. Er hütet nicht nur den Schlüssel zu dieser Schatztruhe geistiger Größe, er ist zugleich auch der Schlüssel zu Mendelssohn - ist quasi sein Medium und macht die Gedanken von Felix gegenwärtig.
[mehr]
40.000 feierten Mendelssohns Geburtstag: Felix 2009 schafft Rekord und eröffnet neue Perspektiven
Das ist ein neuer Rekord: 40.000 Menschen feierten allein in Leipzig den 200. Geburtstag des „King of Classic". Also etwa so viele, wie die altehrwürdige Messemetropole Einwohner hatte, als Felix Mendelssohn Bartholdy (3.2.1809-4.11.1847) vor mehr als 160 Jahren hier starb. Mit 70 Veranstaltungen auf Topniveau war es ein rauschendes Fest, das einen Monat lang die Creme der Musikwelt in Leipzig versammelte. Die Highlights waren ausverkauft, insgesamt lag die Auslastung bei 80 Prozent. Auch das zeigt, in welche Richtung die Mendelssohn-Renaissance mittlerweile weist.
[mehr]