| << Zurück | 16.03.2010 13:04 Uhr |
Am Vorabend jedoch findet die „Lange Nacht der Hausmusik" statt, der heimliche Auftakt der Thüringer Bachwochen, der immer beliebter wird. Dabei laden Menschen in ihre Wohnräume zu intimen Konzerten in kleiner Runde ein. Im vergangenen Festivaljahr luden fast 60 Teilnehmer dazu ein, darunter Familien und Laienmusiker, aber auch Profis.
Eine wesentliche Säule des Programms ist das Bachsche Œuvre in historischer Aufführungspraxis. „Gerade die Präsentation der sakralen Musik Bachs an den frühen Wirkungsstätten ist gleichermaßen Kernaufgabe des Festivals wie eindrucksvolle Erfahrung für das Publikum", so Prof. von Kessel. „Deshalb wird schon das Eröffnungskonzert am 27. März 2010 in Eisenach einen besonderen Akzent setzen.
Auch der zweite prominente holländische Bachinterpret gibt sich bei den Thüringer Bachwochen die Ehre: Ton Koopman, künstlerischer Leiter des Amsterdam Baroque Orchestra, wird am 15. April 2010 als Organist an der berühmten Trost-Orgel der Stadtkirche Waltershausen zu erleben sein.
Eine besondere Ehre ist für die Thüringer Bachwochen 2010 der Auftritt des spanischen Gambisten Jordi Savall mit seinem Ensemble "Le Con-cert des Nations". Savall hat wie kaum ein anderer Künstler das Repertoire von Renaissance bis Frühklassik erforscht und bis heute mehr als 170 CDs veröffentlicht. Sein Augenmerk gilt dabei oft den Komponisten seiner katalanischen Heimat, aber auch seine Interpretationen von Kammermusik und Orchesterwerken Bachs haben Referenzcharakter. Seine Interpretation des "Musikalischen Opfers" am Karsamstag, dem 3. April 2010, in Weimar darf mit Spannung erwartet werden.
Gleiches gilt für Concerto Köln, eines der bekanntesten deutschen Barockorchester. Das Ensemble arbeitet regelmäßig mit so populären Solisten wie Cecilia Bartoli, vermag aber auch für sich zu überzeugen. In Ohrdruf, wo der jugendliche Bach nach dem Tod der Eltern bei seinem älteren Bruder aufwuchs, stellt Concerto Köln am 17. April 2010 Bachs Orchestersuiten vor.
In der Reihe "Generation Bach" wird gezielt nach Interpreten gesucht, deren Bach-Verständnis nicht zwingend mit der mittlerweile weit verbreiteten historischen Aufführungspraxis übereinstimmt, sondern die sich sehr eigene Zugänge zu Bach erarbeitet haben. An erster Stelle ist hier der junge französische Pianist David Fray zu nennen, der in den letzten Jahren eine furiose Karriere begonnen hat und mit dem Münchner Kammerorchester am 10. April in Erfurt gastieren wird. Als ähnliche Ausnahmetalente können die Geigerin Carolin Widmann und der Cellist Dávid Adorján gelten, beide Meister ihres Faches und zugleich charismatische Persönlichkeiten, die auch ein junges Publikum für klassische Musik zu begeistern in der Lage sind. Gleiches gilt für das Vokalensemble amarcord und das junge Berliner Solistenensemble Kaleidoskop.
Weniger experimentell, auf seine Art aber ebenso stilübergreifend ist das Abschlusskonzert der Thüringer Bachwochen 2010 am 18. April in Weimar. Dort werden die Swingle Singers zu erleben sein, die inzwi-schen in verjüngter Besetzung die vielfältigen a-cappella-Arrangements zur Aufführung bringen, für die das Ensemble seit den 1960er Jahren berühmt ist. Der Mix aus arrangiertem Bach und Klassikern von Vivaldi bis Gershwin ist sicher nichts für Puristen, aber allemal eine gute Mög-lichkeit, Bach in entspannter Form kennenzulernen und somit für ein neues Publikum schmackhaft zu machen.
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