Wanderer zwischen den Zeiten
Max Reger (1873-1916) fühlte sich zwar handwerklich durchaus bestimmten Kompositionsweisen barocker Tonschöpfer verbunden, war jedoch zugleich tief in der Romantik bei Brahms und Liszt verwurzelt. Zudem griff der gebürtige Oberpfälzer begierig die neuen Strömungen der Moderne - vor allem Schönbergs - auf und integrierte diese in sein Werk. Eine Zerrissenheit zwischen gestern und heute, die sich durch sein gesamtes Schaffen zog. Eine Zerrissenheit, die sich auch in körperlichen und seelischen Zusammenbrüchen manifestierte.
Auch in seiner monumentalen Introduktion, Passacaglia und Fuge e-Moll op. 127, die im Zentrum der Orgelstunde Ludger Lohmanns steht, ist dies spürbar. 1913 für die Einweihung der Breslauer Jahrhunderthalle komponiert, setzt Reger hier einerseits auf äußerste tonliche Transparenz und technische Beherrschung des Instruments, um sodann archaische Klangblöcke von eherner Gewalt aufzutürmen und in seinem Brausen und Tosen ein mitreißendes Bekenntnis zur Romantik zu geben.
Dagegen muten die beiden anderen Werke des Nachmittags von Schumann und Bach schon beinahe spartanisch an - und zeugen zugleich von der Repertoirevielfalt Lohmanns. Denn mag das Forschungsinteresse des Stuttgarter Musikprofessors auch im Bereich der romantischen Orgelmusik liegen (die umfangreiche Orgelsammlung seiner Hochschule ermöglicht es, auf nahezu authentischen Instrumenten Orgelstile, -kultur und -technik vergleichend zu studieren), so steht doch sein Name ebenso für die historische Aufführungspraxis als auch für eine Gesamtaufführung des Bachschen Orgelwerks. Eben ein Wanderer zwischen den Zeiten wie Max Reger.
Orgelstunde
Ludger Lohmann Orgel
Johann Sebastian Bach Passacaglia für Orgel c-Moll BWV 582
Robert Schumann Sechs Studien für Pedalflügel op. 56
Max Reger Introduktion, Passacaglia und Fuge e-Moll op. 127
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