| << Zurück | 01.05.2010 17:19 Uhr |
Man sollte mal auf die Straße gehen und fragen, wer denn weiß, welche Tradition dieser Tag hat und wie er entstanden ist. Heute wird er benutzt um zu randalieren und seine Wut auszulassen. Dabei hatte der Tag sein Ziel schon vor hundert Jahren erreicht. Heute wird er nur noch zum sinnlosen Gemetzel an öffentlichem und privatem Eigentum benutzt. Die Parole „Erster Mai statt Krieg" macht noch am ehesten Sinn. Eine kleine geschichtliche Erinnerung an die Entstehung. Aufklärung statt Steinewerfen, Kaputtmachen und sich Kloppen. Vielleicht hilft es fürs nächste Jahr.
Der Erste Mai ist Tag der Arbeit. An diesem Maifeiertag haben alle frei und gehen auf die Straße, um sich die Hucke voll zu hauen. Man nennt ihn Kampftag der Arbeiterbewegung. Er ist gesetzlicher Feiertag in Deutschland, Österreich, Teilen der Schweiz und vielen weiteren Staaten, wie zum Beispiel Italien, Russland, VR China, Griechenland, Frankreich, Schweden, Finnland, Türkei, Mexiko, Thailand, Nordkorea, Portugal, Vietnam und Brasilien.
Der erste Mai war ursprünglich ein „Moving Day" an dem viele den Arbeitsplatz wechselten. 1856 gab es in Australien eine Massendemonstration und 1886 in Nordamerika einen Generalstreik. Es ging um den 8 Stundentag (statt damals 12 Stunden) und um faire Gehälter.
In einer Chicagoer Fabrik reagierte die Geschäftsleitung mit Massenaussperrungen, und versuchte die nun freien Stellen mit neuen Einwanderern zu besetzen. Durch die Kampagnen der sozialistischen Arbeiter-Zeitung hatten sich jedoch zu wenige neue Arbeiter gemeldet, während in anderen Fällen Arbeiter vor der Fabrikpforte Schlange standen. Das wird heute als großer Sieg der Gewerkschaft gewertet und war durchaus sinnvoll.
Es folgten mehrtägige Streiks, die zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führten, bei denen Demonstranten und Polizisten getötet wurden. 1889 wurde zum Gedenken daran der 1. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung" ausgerufen und mit Massenstreiks und Massendemonstrationen in der ganzen Welt begangen.
Zum gesetzlicher Feiertag wurde der 1. Mai ab 1933 durch die Nationalsozialisten. Das Reichsgesetz vom 10. April 1933 benannte ihn als „Feiertag der nationalen Arbeit". Am 2. Mai 1933 wurden die Gewerkschaften in Deutschland verboten und die Gewerkschaftshäuser gestürmt. Im Jahr 1934 wurde der 1. Mai durch eine Gesetzesnovelle zum „Nationalen Feiertag" erklärt. Das erklärt vielleicht ein wenig die geistigen Wirrungen dieses Tages und seinen Aktionen. Rechtfertigt aber keineswegs die Gewalt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der 1. Mai 1946 durch den Alliierten Kontrollrat bestätigt. Maikundgebungen durften jedoch nur in beschränkter Form durchgeführt werden.
Der 1. Mai ist in der Bundesrepublik Deutschland nach den Feiertagsgesetzen der Bundesländer ein gesetzlicher Feiertag. Die amtliche Bezeichnung in Deutschland ist durch Gesetze der einzelnen Länder geregelt. In Nordrhein-Westfalen z. B. ist der 1. Mai offiziell Feiertag als „Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde". Wir leben ja in einem freien Land und jeder darf ein bisschen an allem drehen.
In der DDR und weiteren sozialistischen Ländern wurde der 1. Mai als „Internationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus" begangen und auf die Traditionen der internationalen Arbeiterbewegung verwiesen. Die Teilnahme an den Demonstrationen, mit dem Vorbeimarsch an der Tribüne mit führenden Parteimitgliedern und anderen Ehrengästen, war für Betriebe und Schulen im Allgemeinen eine Pflichtveranstaltung. Symbol des 1. Mai ist die rote Mainelke. (Definitiv ein Propagandatag und als Missbrauch des ursprünglichen Gedanken zu werten).
Seit den 1980er Jahren gab es neben den politischen organisierten Demonstrationen auch regelmäßig Ausschreitungen, vor allem im Zusammenhang mit der Demonstration zum 1. Mai in Kreuzberg (Berlin). Da sitzt heute Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse auf der Straße und demonstriert gegen Nazis in Berlin.
Darüber hinaus gibt es seit 2001 den internationalen EuroMayDay, dessen zentrales Anliegen ist, den verschiedenartigsten Formen von Prekarisierung (der Begriff der Prekarisierung umfasst Situationen potenzieller Armut, die an die Erosion des so genannten Normalarbeitsverhältnisses gebunden sind) in Arbeit und Leben einen Ausdruck zu geben, die durch die klassischen Institutionen der Arbeiterbewegung und der Linken nicht (mehr) organisiert werden.
Vielleicht wäre es besser aus dem ersten Mai wieder einen normalen Arbeitstag zu machen. Da wären die körperlichen und geistigen Überschüsse und Aggressionen besser und kosteneffizienter genutzt.
Fazit: Wenn wir vernünftig wären, könnten wir längst vom Konsumieren leben und könnten uns die traditionelle Arbeit und die damit verbundenen Ausbeutung Einzelner ersparen. Dafür wäre es wert auf die Straße zu gehen.
01.05.2010 Bernhard Wiesbeck