| << Zurück | 22.04.2010 23:42 Uhr |
Als erstes gibt es mal die Aufstellung der Kunstmesse in Köln:
Daten:
ART COLOGNE 2010 - 44. Internationaler Kunstmarkt - 21. - 25.04.2010
190 Aussteller aus 23 Ländern zeigen auf 33.200 qm den 56.500 Besuchern moderne und zeitgenössische Kunst, Bilder, Arbeiten auf Papier, Photographie, Video, Plastiken, Objekte und Graphiken.
Ausrichtung:
Die ART COLOGNE ist eine Ausstellung für die Propagierung und den Verkauf international anerkannter moderner Kunst, an der hervorragende, überregional wirkende Galerien, deren Rang und Bedeutung internationalen Maßstäben standhalten, teilnehmen können.
Zugelassene Aussteller:
Kommerziell geführte Galerien, die ausschließlich (im Galerieprogramm zumindest schwerpunktmäßig) moderne Kunst anbieten und deren Angebot (einschl. des angemeldeten Programms) und Präsentationsform sowohl in den Galerieräumen wie auch auf Messen und Ausstellungen der geforderten hervorragenden Qualität entsprechen.
Die Besucher:
Museen (Direktoren, Kuratoren), Sammler (Institutionelle-, Investment-, und prof. Privat-Sammler), Auktionshäuser, Kunstvereine, Kulturelle Einrichtungen, Künstler, Kunst-Sachverständige, Banken + Versicherungen, Architekten, Ärzte + Rechtsanwälte, Privat-
Kunstinteressierte.

135.000 Euro - Holz-Skulptur „Großer Mann mit Kleinem Mann" von Bildhauer Stefan Balkenhol, 1997
Hier ist das Prozedere und die Preise für die Teilnahme:
Wer einen Antrag stellt, an der Messe teilzunehmen, zahlt 500 Euro ohne Mehrwertsteuer, die auch bei Nichtaufnahme nicht zurückerstattet wird. (500 Galerien haben sich beworben, 190 wurden genommen, dh 195.000 Euro für die Sichtung von Unterlagen). Gleichzeitig ist eine Zulassungsgebühr von 400 Euro fällig die allerdings bei Nichtannahme zurückerstattet wird.
Die Entscheidung wer an der Messe teilnehmen darf, trifft ein Beirat der Art Cologne, der aus den Lobbyisten der Kunstszene besteht, die natürlich Ihren eigenen Platz auf der Messe dadurch sicher haben. Ein Zulassung ist nur für die aktuelle Messe, spezielle Standwünsche werden nicht berücksichtigt.
Hat man es bis hierher geschafft ist man zumindest mal 900 Euro los. Das geht ja noch.

142.000 Euro - Filzanzug von Joseph Beuys, 1970
Es gibt jetzt Kojen von 40 bis 180 qm zu 245,60 Euro pro Quadratmeter. Dh der Mindestpreis zur Teilnahme liegt bei 9.824 + 900 Euro = 10.724. Das ist laut Künstlersozialkasse der Jahresdurchschnittsverdienst eines Künstlers in Deutschland. Eine 180 qm Koje kostet dann für die 5 Tage 45.108 Euro. Zusätzliche Beleuchtung, Elektroanschlüsse, Zusatzwände, Mietmobiliar und Telefon kosten extra.
Dazu kommen noch die Kosten für den An- und Abtransport der Werke, Auf- und Abbau, Personal, Verkostung, Übernachtungen.
Die Frage stellt sich jetzt: „Wird da wirklich viel genug verkauft, dass sich die Messe für alle rechnet?" Wie sich jetzt die Preise der Kunstwerke zusammensetzen, dürfte jedem einleuchtend sein. Da wird kein Kunstwerk zu sehen sein, von dem man nicht glaubt, dass es die Galerie zu 100% repräsentiert und zu dem angegebenen Pries verkaufbar ist.

9,5 Millionen Euro - Sitzende junge Frau" Edvard Munch, 1916 (Öl auf Leinwand,137 x 110cm)
Wer also nicht willig ist, einen fünfstelligen Betrag für die Teilnahme an der Art Cologne zu berappen, hat dort nichts verloren. Auch wenn die Besucher der Messe nicht bereit sind für Millionenbeträge Kunst vor Ort zu kaufen, bricht das Gerüst der Messe in sich zusammen.
Fazit: Eine knallharte Branche, die nicht wie in der Uni propagiert von Idealismus und Selbstfindung getragen wird, sondern von erbarmungslos notwendigen Umsätzen.
24.04.2010 Bernhard Wiesbeck