Denken Sie mal nach. Mit wem arbeiten Galerien zusammen? Vornehmlich mit jungen Nachwuchskünstlern, die direkt von den Hochschulen rekrutiert werden und denen man einen lebenslangen Galerievertrag aufschwätzt.
So what? Das ist doch die einzige Möglichkeit in der Kunst erfolgreich zu sein. Der Galerist kümmert sich um alles und der Künstler kann sich auf die Arbeit konzentrieren.
Hier beginnt das erste Problem. Galeristen bauen einen Kundenstamm auf, der auf ihre Künstler abgestimmt ist. Das setzt voraus, dass der Künstler bei seinem Stil und seiner Technik bleibt.
Das stimmt doch gar nicht. Ein flexibler Galerist entwickelt sich mit seinem Künstler. Der Künstler kann sich voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren. Wir übernehmen sogar seine Positionierung.
Das ist ja das Dilemma. Der Künstler soll kreativ und modern sein, neue Trends setzen, setzt sich aber mit der Welt, der Kunstszene und dem Kunstmarkt nicht auseinander. Er arbeitet quasi am Markt vorbei, weil er ihn nicht kennt.
Das ist jetzt wieder Aufgabe des Galeristen, seinen Künstler auf die Nachfrage, ich meine auf die Marktentwicklung hinzuweisen.
Sie meinen, sie schreiben dem Künstler vor was er machen soll, damit Sie seine Werke verkaufen können?
Wir müssen alle leben. Aber das ist nicht der Punkt.
Was ist dann der Punkt? Der Künstler ist ein Produzent, der durch seine kreative Arbeit sein Management ernährt. Das Management ist darauf angewiesen, dass der Künstler verkäufliche Ware herstellt.
Nein, so ist das nicht. Oft ist es ein freundschaftliches Verhältnis das zwischen Künstler und Galerist herrscht.
Sie meinen Sie schleichen sich in die Seele des Künstlers ein und manipulieren ihn. Wenn das die Käufer wüssten, dass eigentlich Sie als Galerist die kreativen Impulse setzen und nicht der Künstler, dann sehe ich schwarz für die Zukunft.
Sie drehen mir jedes Wort im Munde um. Wie sollte sich denn ein Künstler auf dem Markt platzieren, wenn er keine strategische Beratung hat?
Mittlerweile gibt es hunderte, ja tausende von Onlinegalerien, da kann sich doch jeder informieren.
Das sind alles so vage Zahlen und Vermutungen mein Freund, sie sollten wissen, dass so seriöser Journalismus nicht funktioniert. Sie müssen alles in Zahlen und Fakten belegen.
Wie viele Galerien gibt es?
Das sollten Sie doch recherchieren, wenn Sie schon so doofe Behauptungen aufstellen, die völlig haltlos sind?
In Berlin gibt es 450, in einem Verzeichnis habe ich fast 1.000 gefunden.
Was ist eine Galerie. Ein Künstler der sein Atelier vergrößert. Da müssen Sie schon mit Zahlen und seriösen Fakten aufwarten, sonst ist Ihre Behauptung reine Hypothese und haltlos.
Wie müsste denn so ein Beweis aussehen?
Nehmen Sie den Bundesverband Deutscher Galerien und Editionen e.V.. Diese zusammengeschlossenen Galerien zählen zu den führenden Kunstvermittlern in Deutschland. Sie garantieren für die Qualität ihrer Arbeit und sie garantieren für die Seriosität ihres Handelns, da sie sich mit ihrer Mitgliedschaft im BVDG zur Einhaltung der von der Fédération des Associations Européennes de Galeries d'Art - dem europäischen Dachverband der Galeristen FEAGA - ausgearbeiteten Standesrichtlinien verpflichtet haben.
Das haben Sie aber schön gesagt.
So jetzt beweisen Sie mir anhand dieser maßgeblichen Institution, dass Ihre Behauptung stimmt und ich glaube Ihnen, dass die klassische Galerie am Aussterben ist.
Ok, dann mach ich das mal. 2007 hatte der BVDG 393 Galerien als Mitglieder. Auf der aktuellen Liste 2011 finde ich nur 304 Mitglieder. Das sind über 30 % weniger in 4 Jahren.
Das ist allerdings bedenklich, da gebe ich Ihnen Recht.
Wenn man die Listen vergleicht, sind nur noch 212 der 393 ursprünglichen Galerien auf der Liste. Heißt das, dass fast die Hälfte der Galerien die letzten 4 Jahre zugemacht haben? Das bedeutet, dass 92 neue Galerien dazugekommen sind und viele von denen die Startphase noch nicht überstanden haben. Vielleicht interpretiere ich das Ganze auch nur falsch. Kann sein.
Sie haben Recht. Das Zeitalter der klassischen Galerie ist vorbei. Ich bin schockiert.
01.07.2011 Gido