Start Kunst Literatur Musik Bühne Medien Leben Shop Kalender Kultur-Netzwerk Nachrichten
01.07.2011 12:53 Uhr
<< Zurück

Das Zeitalter der klassischen Galerie ist vorbei

Wie kann man nur so eine Behauptung aufstellen! Wer sind Sie und was verstehen Sie von Kunst?
Kunst! Verstehen! So weit ich weis, versteht jeder etwas anderes unter Kunst. Wer ich bin? Ein Mensch. Ein Betrachter. Ein Kunstliebhaber. Ein potentieller Käufer. Und was jetzt?
Die klassische Galerie wird es immer geben. Sie wird nie verschwinden. Sie ist aus dem Gedankengut der Kunstliebhabers gar nicht mehr wegzudenken. Das ist eine wage Hypothese die Sie da aufstellen. Wie kommen Sie darauf? Gibt es Zahlen oder Fakten, die so eine Entwicklung belegen?

Denken Sie mal nach. Mit wem arbeiten Galerien zusammen? Vornehmlich mit jungen Nachwuchskünstlern, die direkt von den Hochschulen rekrutiert werden und denen man einen lebenslangen Galerievertrag aufschwätzt.
So what? Das ist doch die einzige Möglichkeit in der Kunst erfolgreich zu sein. Der Galerist kümmert sich um alles und der Künstler kann sich auf die Arbeit konzentrieren.
Hier beginnt das erste Problem. Galeristen bauen einen Kundenstamm auf, der auf ihre Künstler abgestimmt ist. Das setzt voraus, dass der Künstler bei seinem Stil und seiner Technik bleibt.
Das stimmt doch gar nicht. Ein flexibler Galerist entwickelt sich mit seinem Künstler. Der Künstler kann sich voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren. Wir übernehmen sogar seine Positionierung.
Das ist ja das Dilemma. Der Künstler soll kreativ und modern sein, neue Trends setzen, setzt sich aber mit der Welt, der Kunstszene und dem Kunstmarkt nicht auseinander. Er arbeitet quasi am Markt vorbei, weil er ihn nicht kennt.
Das ist jetzt wieder Aufgabe des Galeristen, seinen Künstler auf die Nachfrage, ich meine auf die Marktentwicklung hinzuweisen.
Sie meinen, sie schreiben dem Künstler vor was er machen soll, damit Sie seine Werke verkaufen können?
Wir müssen alle leben. Aber das ist nicht der Punkt.
Was ist dann der Punkt? Der Künstler ist ein Produzent, der durch seine kreative Arbeit sein Management ernährt. Das Management ist darauf angewiesen, dass der Künstler verkäufliche Ware herstellt.
Nein, so ist das nicht. Oft ist es ein freundschaftliches Verhältnis das zwischen Künstler und Galerist herrscht.
Sie meinen Sie schleichen sich in die Seele des Künstlers ein und manipulieren ihn. Wenn das die Käufer wüssten, dass eigentlich Sie als Galerist die kreativen Impulse setzen und nicht der Künstler, dann sehe ich schwarz für die Zukunft.
Sie drehen mir jedes Wort im Munde um. Wie sollte sich denn ein Künstler auf dem Markt platzieren, wenn er keine strategische Beratung hat?
Mittlerweile gibt es hunderte, ja tausende von Onlinegalerien, da kann sich doch jeder informieren.
Das sind alles so vage Zahlen und Vermutungen mein Freund, sie sollten wissen, dass so seriöser Journalismus nicht funktioniert. Sie müssen alles in Zahlen und Fakten belegen.
Wie viele Galerien gibt es?
Das sollten Sie doch recherchieren, wenn Sie schon so doofe Behauptungen aufstellen, die völlig haltlos sind?
In Berlin gibt es 450, in einem Verzeichnis habe ich fast 1.000 gefunden.
Was ist eine Galerie. Ein Künstler der sein Atelier vergrößert. Da müssen Sie schon mit Zahlen und seriösen Fakten aufwarten, sonst ist Ihre Behauptung reine Hypothese und haltlos.
Wie müsste denn so ein Beweis aussehen?
Nehmen Sie den Bundesverband Deutscher Galerien und Editionen e.V.. Diese zusammengeschlossenen Galerien zählen zu den führenden Kunstvermittlern in Deutschland. Sie garantieren für die Qualität ihrer Arbeit und sie garantieren für die Seriosität ihres Handelns, da sie sich mit ihrer Mitgliedschaft im BVDG zur Einhaltung der von der Fédération des Associations Européennes de Galeries d'Art - dem europäischen Dachverband der Galeristen FEAGA - ausgearbeiteten Standesrichtlinien verpflichtet haben.
Das haben Sie aber schön gesagt.
So jetzt beweisen Sie mir anhand dieser maßgeblichen Institution, dass Ihre Behauptung stimmt und ich glaube Ihnen, dass die klassische Galerie am Aussterben ist.
Ok, dann mach ich das mal. 2007 hatte der BVDG 393 Galerien als Mitglieder. Auf der aktuellen Liste 2011 finde ich nur 304 Mitglieder. Das sind über 30 % weniger in 4 Jahren.
Das ist allerdings bedenklich, da gebe ich Ihnen Recht.
Wenn man die Listen vergleicht, sind nur noch 212 der 393 ursprünglichen Galerien auf der Liste. Heißt das, dass fast die Hälfte der Galerien die letzten 4 Jahre zugemacht haben? Das bedeutet, dass 92 neue Galerien dazugekommen sind und viele von denen die Startphase noch nicht überstanden haben. Vielleicht interpretiere ich das Ganze auch nur falsch. Kann sein.
Sie haben Recht. Das Zeitalter der klassischen Galerie ist vorbei. Ich bin schockiert.

01.07.2011 Gido

Kommentare

Newsletter abonnieren

Ihre EMail:
Ihr Vorname:
Ihr Nachname:

Freunden empfehlen

Weitere Artikel

Mitwirkende für Kultursendung gesucht Das Kultur-Netzwerk produziert eine regelmäßige, unabhängige Kultursendung, die Online und auf verschiedenen Fernsehsendern ausgestrahlt werden soll. Dafür werden gesucht:
- Moderatoren mit kulturellem Hintergrund
- Fachleute wie Rechtsanwälte, Versicherer, Kuratoren, etc. spezialisiert auf den Kulturbereich
- Diskussionspartner die interessante Perspektiven im Kulturbereich überzeugend vertreten
- Kreative aller Genres
- Publikum, das eigene Meinungen zu Kulturthemen einbringt [mehr]
art forum berlin 2011 fällt aus Da ist man ja erst mal geschockt über diese Meldung. Das Ganze knüpft an, an die Grimassen des Schreckens, wenn man einem Fernsehredakteur eine Kultursendung vorschlägt. Ist es vorbei mit der Kultur und Kunst in deutschen Landen? Brauchen wir sie noch oder haben wir keine Zeit mehr dafür? Was steckt hinter der Absage dieser wichtigen Kunstmesse? [mehr]
Lena Ja - Pietro Nein Die öffentlich-rechtlichen Sender strahlen den Eurovision Song Contest live aus und spielen die Lieder von Stefan Raabs „Lena" regelmäßig im Radio. Pietro Lombardi der Casting Schützling von Dieter Bohlen, dessen Hit „Call my name" auf Platz 1 der Downloadcharts ist und sich in 10 Tagen 400.000 mal verkauft hat, wurde noch kein einziges Mal gespielt. Was ist da los? [mehr]

Diese Seite verlinken

Anzeige

Wettbewerb: Bild des Monats

Anzeige

Fotogalerien

Wettbewerb: Video des Monats

Kultur-Netzwerk Cafe