| << Zurück | 15.05.2010 15:13 Uhr |
Ein Entsetzen rollt durch unser Land. Hunderte von Jungen sind in den renommiertesten Schulen, im Herzen der Kirche, inmitten engelhaft singender Knabenchöre befingert, zu Oralverkehr genötigt, zu Sexspielen benutzt, brutal gezüchtigt, sadistisch, ja systematisch gedemütigt worden.
Verflechtungen von Tätern zeichnen sich ab, Mitwisserschaft wird ruchbar, bis hinauf zum Papst in Rom. - Auch der Heilige Vater hat einfach geschwiegen.
Henryk Ambrusch schweigt nicht. Nicht mehr. Zulange hat er geschwiegen und er erzählt nur zögerlich über seine Vergangenheit. Missbraucht und misshandelt in Internaten, von engen Verwandten im Haus seiner Eltern. Ambrusch suchte sich eine neue „Familie" und schloss sich Rockergruppen an.
Seine Depressionen trieben ihn in den Drogenkonsum.
Und er schwieg, wie der Papst, viel zu lange...
Damit ist jetzt wohl endlich vorbei. Auf der Internet Plattform Wer-kennt-wenn gründete er eine Gruppe gegen sexuellen Missbrauch. Die Resonanz war enorm, oder besser: schockierend.
Hunderte von Mitgliedern dieser Gruppe sind Betroffene. Auch sie beginnen zu erzählen oder zu schreiben. Die Anonymität des Internets macht es vielen einfacher zu reden. Nicht zu schweigen, wie der Papst.
Der Frührentner und Künstler Henryk Ambrusch ist aber nicht nur im Netz aktiv. Er schweigt nicht mehr, er wird laut. So veranstaltet und organisiert er eine Demonstration gegen den Missbrauch. Am 29.5.2010 ab 13.00 Uhr, vor dem Rathaus in Hagen. Aber nicht nur in Hagen, weitere Betroffene organisieren zeitgleich Demonstrationen in Ihren Städten.
Es wird eine leise Demonstration werden. Hunderte von weißen Luftballons werden in den Himmel steigen. Ein Jeder für eine verletzte, missbrauchte Kinderseele.
Die scheinbar unter Alzheimer leidenden Repräsentanten der Kirche, die haben ja vergessen was sie taten. Mixa ist sich keiner Schuld bewusst, na ja, „vielleicht mal eine Kopfnuss".... Und sie hüllen sich in Schweigen.
Die geschätzten 300.000 Missbrauchs-Opfer, alleine in Deutschland, die schweigen zum Teil auch, aus Angst. Missbraucht im Elternhaus, bei Verwandten, in Internaten. Der Missbrauch in der Kirche ist gerade ein „Publikumsmagnet", wird in den Medien ausgeschlachtet. Interviews mit Repräsentanten der Kirche hört man andauernd.
Sie wollen die Opfer entschädigen, diese Vertreter des christlichen Glaubens. Etwas gegen den Missbrauch tun, dies tun sie nicht.
Vielleicht würde Jesus mal eine Ausnahme machen können. Und die Nägel seines Kreuzes auf die Täter schleudern......
Gut, dass es Menschen wie Ambrusch gibt. Menschen die den Opfern helfen und auf ihre Schicksale aufmerksam machen. Viele Künstler haben sich mittlerweile seiner Aktion angeschlossen. Und unterstützen Ambrusch mit Gedichten, Bildern, Musik. Und bis Ende Mai werden es noch ein paar mehr werden. Weil das Thema alle angeht.

15.05.2010 Bernhard Wiesbeck