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19.06.2010 09:36 Uhr

Der Unsinn der Victoria von Schweden

Als unsinniges Vergnügen war es mir mal aufgetragen, eine Woche mit der schwedischen Königsfamilie zu verbringen. Anmerken möchte ich dazu, dass mir zwar Protokolle auferlegt wurden und auch mitgeteilt wurde, wie ich denn die Herrschaften anzusprechen hätte, gehalten habe ich mich nicht daran, weil es sich zu lächerlich anfühlte und ich die Heiligsprechung von Lebenden für anmaßend halte. Die Woche war von Unverständnis und Weltfremdheit geprägt und gab einen Einblick in eine Parallelwelt, von der aus es unmöglich ist herauszubekommen, was das Wort Realität bedeutet.

Zuerst tauchte ein Bodyguard auf. Ein gut durchtrainierter höflicher Dreißiger, der mich mal beschnuppern sollte und wie sich herausstellte ständig Magenprobleme hatte. Ob das nun am Klima, dem außerschwedischem Essen oder der krankmachenden Energie des königlichen Umfeldes lag, ist schwer nachzuvollziehen. Ich habe ihn nicht wieder zu Gesicht bekommen, dafür einen Offizier der dem König für einen Monat als Bindeglied zum ordinären Volk abgestellt wurde.

Es wurden mir viele Dinge und Verhaltensregeln mitgeteilt, bevor ich die königliche Familie zu Gesicht bekam. Das ging aber alles bei einem Ohr rein und beim anderen wieder raus. Ich war in einer Art Selbstfindungsphase und dadurch konfrontiert mit allen Widrigkeiten des Lebens. Da waren nun diese 5 selbstverliebten Menschenkinder, die über mehr Geld verfügten, als sie jemals im Leben ausgeben konnten und von allem abgeschirmt wurden, was ihre heile Welt zum Einsturz hätte bringen können.

Außer zum Essen und zum Schlafen war ich nun in königlicher Runde und konnte den Rummel nicht verstehen. Victoria war schon immer ein kleines Pummelchen und Männer waren eine exotische Frucht, die man bestaunt, aber um Gottes Willen weder anfasst noch weiß, ob sie vielleicht nicht gar giftig oder unverträglich ist.

Der Alltag passiert. Das Volk wird bei allen Aktivitäten auf Distanz gehalten. Man sieht alles durch ein entferntes Fenster und hört von Dritten über das was die Zweiten denken. So kann man für den Einen eine Märchengestalt bleiben, vom Anderen bewundert werden und man Selbst sich eine eigene Realität erdenken.

Da es nun in dieser Situation schwer ist, an richtige Männer ranzukommen, die mitten im Leben stehen, bleiben einem nur diejenigen, die durch Zufall oder widrige, notwendige Umstände an einen rangelassen werden. Bei Victorias Übergewicht war es der Fitnesstrainer, der wahrscheinlich auch der erste Mann war, der sie aus beruflichen Gründen so anfassen durfte, dass sie das mit der Notwendigkeit einer Heirat verband. Auch ist es nicht sicher, ob bei 24 Stunden Überwachung vorehelicher Sex überhaupt möglich ist. Hoffentlich gibt es da nach der Trauung kein böses Erwachen.

Daniel Westling steht nun für immer im Schatten seiner Königin, wird von ihrem Zigarettengeld leben und versuchen einen Erben zu produzieren. Seine Schwiegermutter hat ein knappes sechsstelliges Vermögen, darüber wird auch er nie hinauskommen. Das verpflichtet zur Treue. Ist das nun beneidenswert oder bedauerlich. Die Schweden wollen es und bezahlen es. Sinn macht das Ganze meiner Meinung nach nicht, dennoch wird das zukünftige Königspaar das weitere Leben eifrig danach suchen.

Verabschiedet habe ich mich von der königlichen Familie durch Winken. Als ich merkte, dass nicht ich sondern die königliche Familie im Käfig saß, löste sich das anfangende Magenkribbeln in Wohlgefallen. Ich war glücklich dem Käfig wieder entstiegen zu sein. Stöhnend tief durchatmen und auf den Boden spucken und das in der Öffentlichkeit, ohne dass es jemand interessiert oder sich jemand daran stößt. Ach wie schön ist das Leben in Freiheit. Auf der Rechnung für meine Dienste bin ich sitzen geblieben. Das sei aber nur so nebenbei am Rande angemerkt und zeigt, dass wir Königshäuser zum Überleben nicht brauchen. Sozusagen ein unsinniger Luxus den man sich gönnt.

19.06.2010 Atze Reich-Raprotzki

Kommentare

Geschrieben von Kaspar v. Erffa am 21.06.2010 11:23 Uhr

...so wie z. B. auch Fußballweltmeisterschaften. Und trotzdem soll es Menschen geben, die das eine oder das andere nicht missen wollen. Alles Idioten, oder was?
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