Institution Neo Rauch
Warum funktioniert die Welt eines manisch Depressiven? Lebt seine Arbeit von der Polarisierung seiner Interpretationen? Der Maler Neo Rauch wird 50 Jahre und zeigt in München und Leipzig sein Lebenswerk. Wie negativ ist sein Einfluss auf die Kunstwelt im allgemeinen?
Rauchs Werke werden getragen von bizarren Aussagen des Künstlers, die genau so unverständlich sind, wie seine Arbeiten selbst, denn sie wollen gar nicht verstanden werden. Wie auch immer seine Popularität zustande gekommen ist, sie wirft ein distanzierendes, herablassendes Licht auf die Kunstszene im allgemeinen. Unter diesem Kult des begötterns Einzelner leiden alle talentierten Künstler, denn nicht alle Künstler verachten und verspotten die Käufer ihrer Arbeiten durch wirres Gestammel.
Kunst verlangt nach Nähe und findet keine Existenz ohne seinen Betrachter. Kaum eine Branche und seine Hauptakteure treten mit so einer Eigenverliebtheit und hochnäsigen Arroganz auf, wie die Mäzene der Kunstszene. Solange niemand diesen Lobbyismus stoppt, haben Leute wie Neo Rauch freie Hand, die Branche zu einer Parallelwelt von realitätsfremden, verstörten Zombies zu erklären.
Solange Investoren mit Kunst spekulieren und diese als Investition sehen, wird es Zeitgenossen geben, die jeglichem Menschenverstand trotzend, irrsinnige Summen für ein paar Quadrateter Leinwand berappen. Dennoch werden Dinge, die lange genug konsequent betrieben werden zu einer Art Institution. Das heißt, sie stehen über dem Zeitgeist und werden getragen von endlosen Kritiken. Denn wenn alles Negative und Positive gesagt sind, neigen die Opfer dieser Attacken dazu, unsterblich in die Geschichte einzugehen. Glückwunsch dazu Neo Rauch.
22.04.2010 Atze Reich-Raprotzki
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