| << Zurück | 02.03.2010 01:19 Uhr |
Ein normaler Leinwandrahmen in durchschnittlicher Größe kostet ca. 10 Euro. Die Farben, Firnisse, Pinsel ca. 10 Euro. Arbeitszeit 20 Stunden à 10 Euro. Jetzt könnte man meinen mit 220 Euro sei der Künstler gut bedient. Vielleicht lässt sich das Ganze ja noch auf 200 Euro runterhandeln. Wer sein Bild jetzt zu diesem Preis verkauft, wird in der Branche als Dekorateur abgestempelt.
Nehmen wir das gleiche Bild und berechnen die Kosten, wenn man dieses über eine Galerie erwirbt. Gehen wir von den 220 Euro aus. Jetzt hat der Künstler noch 2 Stunden mit dem Kauf der Utensilien verbracht. 5 Stunden mit der Ideenfindung. Jetzt sind wir bei 300 Euro. Er verhandelt über 4 Wochen mit einer Galerie, die sich bereit erklärt in einem Jahr dieses Bild auszustellen. Das sind weitere 5 Stunden Verhandlungen und ein eintägiger Besuch bei der Galerie. Weitere Arbeitszeit, Kosten für Anreise und Übernachtung ca. 200 Euro. Zusammen sind das mittlerweile 500 Euro Kosten für den Künstler.
Die Galerie erklärt sich bereit 5 der Arbeiten einen Monat lang auszustellen. Jetzt kommen die Kosten für Anlieferung, Zeit für Hängung, erneute Übernachtung, Anwesenheit bei Vernissage und Finissage dazu. Gesamtkosten des Künstlers: 2.300 Euro. Jetzt kommen die Kosten der Galerie dazu. Miete, Versicherung, Personal, Presse, Marketing, Werbung, Flyer, Broschüren, Einladung, Vernissage, Finissage, Getränke und Häppchen. Wir rechnen mit 4.000 Euro Galeriekosten für diesen Monat. Zusammen kostet alles 6.300 Euro.
Um allein die Kosten zu decken, müssten alle 5 Bilder zu einem Preis von 1.260 Euro pro Stück verkauft werden. Werden sie aber nicht verkauft, wer trägt die Kosten? Eine neue Ausstellung mit dem selben Aufwand? Dann müsste man für jede neue Ausstellung die Bilder um je 500 Euro teurer machen.
Da hat es der Künstler gut, der 100.000 Euro für ein Bild bekommt, dann artet das Ganze in Kunst aus, die man ordentlich und lange genug bewerben kann, um den richtigen Käufer dafür zu finden. Ein langer Weg und ein hartes Geschäft das sicherlich genug Zündstoff für unendliche Diskussionen liefert.
02.03.2010 Bernhard Wiesbeck