| << Zurück | 07.03.2010 02:21 Uhr |
Mit Stolz wird mir oft von kreativer Seite her erzählt, wie große Künstler vergangener Epochen ihre künstlerische Schneise durch gesellschaftliche Ignoranz gefräst haben. Zu Lebzeiten ihre Bilder lieber gar nicht verkauft haben, als zu angeblichen Spottpreisen. Wer einen Gönner oder Mäzen hatte, galt als angepasster Auftragsmaler.
Viele Künstler aus meinem Umfeld leben an der Armutsgrenze, machen berufliche Kapriolen und zweigen ihre Zeit für kreatives Schaffen von dem ab, was Sie zu sozial umgänglichen Mitmenschen machen würde. An der Hochschule hätte man ihnen die Art der Strategie beigebracht. Kunst erschaffen aus persönlichem Leid, unbeeinflusst von gesellschaftlichen Normen und Vorgaben.
Kunst soll anregen, aufrütteln, neue Sichtweisen entwickeln und als Spiegel einer Generation dienen.
Früher gab es Portraitmaler - heute gibt es gesicherte digitale Bildarchive. Das ist nur eines von vielen Beispielen, dass die Kunst einen Wandel durchläuft. Früher wurde erzählt und überliefert - heute ist alles in Pressearchiven auffindbar sortiert. Jeder Ausrutscher, jeder Fehltritt kann belegt werden. Schnell wird die kreative Branche belächelt, auch weil sie sich gerne der kommerziellen Vernunft verweigert.
Die Lösung heißt Pseudonym. Unter seinem eigenen Namen macht man das, was man selbst aus tiefster Seele als Kunst bezeichnet. Unter anderem Namen, bietet man Auftragsarbeiten, Portraits und Kommerzielles, das auch gerne zur Dekoration degradiert wird und oft nicht aus mangelnder Qualität.
Wer also zu Lebzeiten Geld verdienen will, auch um zu vermeiden, dass Investoren und Händler sich mal goldene Nasen verdienen, darf auch mal ein wenig geschäftsmäßig denken, statt sich das Ohr abzuschneiden.
07.03.2010 Bernhard Wiesbeck