| << Zurück | 16.12.2010 17:02 Uhr |
Wiesbeck hat sich in seinem Leben nie mit Kunsttheorie beschäftigt. Zum einen, weil er sie zu langatmig findet. Zum anderen, weil sie meist von Theoretikern geschrieben wurde, die selbst nie einen Pinsel in der Hand hielten. Ob Kunstkritiker und Kunsthändler gescheiterte Künstler sind, läßt er mal als subjektive Vermutung im Raum stehen.
Eigentlich hat er überhaupt keine theoretische Legitimierung, um ein Buch über den Kunstmarkt zu schreiben.
Erschwerend kommt hinzu, dass er weder die alten Meister kennt noch sich jemals mit Kunststilen, Epochen oder Kunstrichtungen auseinandergesetzt habe. Ihm liegt weder etwas an der Bedeutung von großen Werken noch würde er je einen einzigen Cent für ein Kunstwerk ausgeben, es sei denn ...
Stattdessen habe er sie alle persönlich kennen gelernt:
Die Hochstudierten, die Berühmten, die Vorbilder, die Professionellen, die Vertrauensvollen, die Warmherzigen, die Suchenden, die Selbstkritischen, die Verständnisvollen, die Unsicheren, die Von-Sich-Überzeugten, die Heile-Welt-Suchenden, die Erfinder, die Elitären, die Erfolgreichen, die Einsamen, die Verlassenen, die Gequälten, die Büßer, die Bereuenden, die Verteufelten, die Unabhängigen, die Unterdrückten, die Mächtigen, die Verachteten, die nach Aufmerksamkeit-Ringenden, die Verdrängten, die Opulenten, die Zwiespältigen, die Brauchbaren, die Verzweifelten, die Kalkulierbaren, die Souveränen, die Selbstsicheren, die Bedauernswerten.
Mit dabei waren aber auch:
Die Unerfahrenen, die Choleriker, die Lustwandler, die Neurotiker, die Verkappten, die Junkies, die erleuchteten Hausfrauen, die Hobbykünstler, die Verkifften, die Sonderrechtler, die Vulgären, die Säufer, die Nachahmer, die Gefährlichen, die Scharlatane, die Harmlosen, die Frustrierten, die Zyniker, die Bastarde, die Scheinheiligen, die Kritischen, die Gauner, die Vermarktungsprofis, die Kleinkarierten, die Verhaltensgestörten, die Schuldzuweiser, die Verkäufer, die Jäger, die Klugscheißer, die Blender, die Argumentierer, die Möchte-Gerne, die Unberechenbaren, die Räudigen, die Sexbesessenen, die Dummen, die Neurotiker, die Neunmalklugen, die Abhängigen, die Verständnislosen, die Hormongesteuerten, die Schreckschrauben, die Peinlichen, die Brutalen, ... um nur ein paar davon aufzuzählen.
All diese Personenkreise nennen sich Künstler. Die Aufgabe dieses Buches ist es, die auffälligsten Charaktere davon zu beschreiben und zu analysieren. Es wird dabei nicht an Originalzitaten und Situationsbeschreibungen gespart. Alle Beiträge haben sich tatsächlich ereignet und sprechen oft kommentarlos für sich selbst.
Nach Namen und Orten werden Sie vergeblich suchen. Auch ist es irrelevant, wie viel Ahnung Sie vom Kunstmarkt haben. Es bedarf keinerlei Vorkenntnisse, die Praxis spricht für sich selbst. Wer das Buch liest, kann auf jeden Fall mitreden, denn es gibt auch Outsidern einen Einblick in das, was tatsächlich in der Kunstszene abgeht.
Das Buch will sich keine Freunde schaffen, es sucht weder nach Harmonie noch will es verschönern oder begradigen. Es schert sich nicht um Gefühle, Freundschaften und Verständnis. Es ist einfach nur ehrlich, offen und ungeschminkt. Wem das nicht gefällt, der sollte hier aufhören zu lesen und weiterträumen.
Ein einzelner Künstler mag sich irren. Hunderte von Künstlern, Galeristen, Kunsthändlern, Kuratoren und Agenten bilden den Markt. Durch die Arbeit an diesem Buch, mit all den Recherchen und Gesprächen, hat sich auch das Selbst- und das Weltbild des Autors gewandelt. An der Realität und der Wahrheit kann man sich eben nicht lautlos vorbeischleichen.
Eine Zusammenfassung am Ende des Buches gibt Tipps und macht Vorschläge, um die Professionalität und das Auftreten von Künstlern in der Öffentlichkeit im richtigen Licht erscheinen zu lassen. Es gibt aber auch Hinweise für Sammler und Kunstinteressierte, worauf sie beim Kauf und der Beurteilung einer Ausstellung und eines Künstlers achten sollten. Anhand dieser Kriterien kann man erkennen, ob sich der Besuch einer Ausstellung lohnt oder sich vielleicht sogar der Erwerb einer Arbeit auszahlt.
Das Ziel ist es, ein Künstlerprofil zu erstellen, das den Maßstab setzt für alle, die sich Künstler nennen. Es soll ein Standard gefunden werden, eine Art Voraussetzung, die alle erfüllen sollten, bevor sie das Wort Kunst oder Künstler in den Mund nehmen.
In der von Medien geprägten Informationswelt des 21. Jahrhunderts werden nicht widerspenstige, sich selbst verherrlichende Helden die kulturelle Geschichte prägen, sondern eine neue Riege von Künstlern mit Vorbildfunktion.
Buchneuerscheinung: „Mehr als Sie jemals über Künstler wissen wollten" - Ein praxisorientierter Einblick in den aktuellen Kunstmarkt.
Autor: Bernhard Wiesbeck - 120 Seiten - E-Book - 10 Euro. Leseprobe und Bestellung unter: www.wortundfarbe.de