Es ist ein großes wissenschaftliches Verbundprojekt, an dem neben der Staatsgalerie Stuttgart außerdem das Institut für Europäische Geschichte in Mainz und das Institut für Europäische Kulturgeschichte in Augsburg beteiligt sind. „Übersetzungsleistungen von Diplomatie und Medien. Europa 1450 - 1789" lautet der etwas sperrig klingende oder eben typische akademische Titel des Vorhabens, das im Rahmen des Schwerpunktes „Übersetzungsfunktionen der Geisteswissenschaften" bis 2012 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.
In die vielfältigen europäischen Friedenskongresse zwischen 1450 und 1789 - etwa die langen und komplizierten Verhandlungen des Westfälischen Friedens von Münster und Osnabrück, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendete - waren nicht allein Fürstenfamilien und Diplomaten einbezogen. Es wurden außerdem Gelehrte und Künstler eingebunden, etwa zur Deutung und Kommunikation der Abläufe und Ergebnisse.
Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der drei beteiligten Institutionen wollen im Rahmen ihres Verbundprojektes detailliert erforschen, wie die historischen Friedensverhandlungen genau abgelaufen sind, wo und warum welche Schwierigkeiten etwa bei der Vermittlung der unterschiedlichen Ansichten auftraten, wie kulturelle Differenzen und Missverständnisse überbrückt wurden, wie die Ergebnisse der Verhandlungen gedeutet und kommuniziert wurden.
Ein weites Feld, aus dem sich letztlich wertvolle Rückschlüsse auch für die Gegenwart und Zukunft gewinnen lassen können. Der Forschungsschwerpunkt der Staatsgalerie Stuttgart liegt dabei auf den „Übersetzungsleistungen der Kunst". Dabei wird etwa der Frage nachgegangen, was uns Gemälde über historische Friedensschlüsse heute noch erzählen über deren Bedeutung, Bewertung und vorangegangenen Verhandlungen. Zum Abschluss ist außerdem eine Ausstellung mit derartigen Werken aus dem umfangreichen Bestand der Graphischen Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart geplant.
H.G.