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14.01.2011 13:19 Uhr
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EJKHA TRENTO 1475

"Wie einsam sitzt die Stadt, die volkreiche einer Witwe gleich geworden ist sie..." ein Bilderzyklus von Gershom v. Schwarze

Als Gershom v. Schwarze zu Beginn des Jahrtausends mit der Spurensuche nach den Ereignissen von Pessach des Jahres 1475 in Trient begann, hatte er keine Ahnung, wohin ihn das führen würde.

Pessach 1475 fielen die Juden von Trient einem Ritualmordkomplott zum Opfer, das der Fürstbischof Hinderbach organisiert hatte, um eine Wallfahrt "zum seligen Kindlein von Trent", dem vermeintlichen Opfer zu etablieren, die bis zum Jahre 1965 (mit dem Segen der Kirche) bestanden hat. Die Hauptmotivation war gewesen, auf möglichst kostengünstige Weise den religiösen Tourismus (Wallfahrten) anzukurbeln, um das verschlafene Residenzstädtchen zu strahlenden Renaissancemetropole ausbauen zu können und damit konzilsfähig zu machen - was letztendlich gelang.

Eine vom Fürstbischof in Auftrag gegebene antisemitische Publikation bestehend aus 12 Holzschnitten und erläuternden Texten verbreitete die Mär von Trient in ganz Europa. Ein Großteil der unzähligen Pogrome und Judenvertreibungen am Ende des Mittelalters von Passau über Regensburg (unter Leitung des antisemitischen Stadtrats Albrecht Altdorfer, den man natürlich nur noch wegen seiner Malerei erinnert) und Nürnberg bis hin zur spanischen Katastrophe von 1492 haben Bezug zu den Ereignissen von Trient.

Schwarze begab sich auf die Suche nach den Holzschnitten und wurde fündig, und zwar ausgerechnet in der Abteilung für Inkunabeln der Münchner Staatsbibliothek. Da er ohnehin in seiner Malerei oft mit Versatzstücken und Bildzitaten arbeite, war es naheliegend auch diese Holzschnittfolge auszubeuten.

Was Schwarze dabei entgegen kam, war der perfide Doppelsinn der Darstellung: Um die Heiligmäßigkeit des "seligen Kindleins von Trent" zu betonen, wurden manche Szenen bewusst in Anlehnung an die anerkannte Ikonographie der Lebenjesu-Darstellungen inszeniert.

Schwarzes sieht seine Aufgabe als Künstler, der sich mit der Thematik beschäftigt, darin, eine Folge von assoziativen Bildräumen zu schaffen, deren Bildelemente Assoziationsanregungen für die Betrachter abgeben, ohne festumrissene Ereignisse oder Personen eindeutig darzustellen. Der Betrachter erschafft sich die Bilder neu, indem er seine eigenen Assoziationen einbringt.

 

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