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28.02.2010 00:47 Uhr

Galerien im Wandel der Zeit

Traditionell ist eine Galerie eine Räumlichkeit, die zur Ausstellung von Kunstwerken genutzt wird. Da kennt man vielleicht noch die „Pilotgalerie", durch die junge Künstler entdeckt und gefördert werden oder die „Produzentengalerie", die von den Künstlern selbst betrieben wird. Still und leise entwickeln sich aber flexible Konzepte, die hoffentlich eines Tages richtungweisend werden, wie das Konzept der Galerie „Eigenheim" in Weimar.

Auf der einen Seite werden Bilder alter Meister als Geldanlage für Millionenbeträge verschoben. Andererseits kämpfen talentierte junge Künstler um Aufmerksamkeit Unterstützung, Anerkennung, eine Chance oder einfach ums blanke Überleben. Neue Galeriekonzepte könnten einen sinnvollen Trend setzen und dem Kunstmarkt neue Märkte eröffnen.

Die Galerie Eigenheim wurde im Mai 2006 gegründet und ist mittlerweile ein fester und aktiver Bestandteil des kulturellen Lebens in Weimar und dessen Umland geworden. Sie ist viel mehr als eine Galerie, nämlich ein Ort der Begegnung mit Kunst, Musik und Literatur, zu dessen Ausstellungen Konzerte, DJ-Sets oder Performances stattfinden.

Für die Künstler besteht die Möglichkeit, während ihrer Ausstellung in den Räumen der Galerie zu wohnen. Diese Einladung an die Künstler gehört zum Konzept der Galerie Eigenheim und findet sich in ihrem Namen und in der Atmosphäre der Räumlichkeiten wieder. Eine interessante Idee, genau so wie ein Stipendium und angeschlossene Ateliers.

Die Bewohner und Besucher von Weimar haben an diesem Ort der Begegnung die Möglichkeit, neben der allgegenwärtigen Hochkultur auch zeitgenössische Impulse der Stadt zu erfahren. Kaum verwunderlich, dass sich da ehrenamtliche Mitarbeiter finden, die mit dem Künstler ein Ausstellungskonzept erarbeiten, das den Räumen der Galerie Eigenheim entspricht und den Künstler und dessen individuelles Schaffen optimal in Szene setzt.

Im März findet ein Gallery Exchange zwischen der Produzentengalerie Frenhofer (Berlin) und Eigenheim statt. Das zeigt Flexibilität die gefällt. Es ist ein Tausch der Räume in zwei Etappen. Im Gegenzug werden die Künstler der Galerie Eigenheim im August 2010 in Berlin ausstellen.

Den Schwerpunkt bilden dabei zeitgenössische Malerei und Grafik. Das Programm umfasst aber auch die Fadenzeichnungen von Birgit Rüberg mit einem vielfach kritischen bis humoristischen Unterton oder großformatige Hydrographien von Thomas Michel, die sich zwischen Zeichnung, Malerei und medialem Bildprozess bewegen. Abstrahierte Landschaften in unterschiedlichen Farbwerten prägen das Werk von Skadi Engeln. Die räumliche Tiefe ihrer Arbeiten verdankten sie vielfach der Farbkombination an der Horizontlinie. Teresa Casanueva benutzt ebenfalls die Farbe, um ihre Formen auf der Leinwand zu beleben. Die gezeigten Dinge entstammen der Alltagswelt und werden durch ungewohnte Perspektiven verfremdet. Christine Keruths Arbeiten sind hingegen dem Geist des Informel der 1950er Jahre verpflichtet, zeigen sich jedoch mit ihren figurativen Details, die aus Farbschüttungen spontan entstehen, als eigenständig. Thorsten Frank verzichtet ganz bewusst auf Gegenständliches, um dem Betrachter vor seinen stimmungsvollen Bildern Raum zur Assoziation zu geben. Die transparente Dynamik entwickelt er mittels PanResina, einer Weiterentwicklung der Pan Art.

Wir wünschen uns, dass solche Konzepte Schule machen. Kunst wird hier zu einem lebendigen Teil einer Stadt und rückt den Menschen so Nahe, dass es leicht fällt eine Beziehung zu ihr und den Künstlern aufzubauen. Wir sehen hier die Entstehung eines zukunftsweisenden Trends. Nur weiter so.

Eröffnung in Weimar Samstag, 06. März, 19.00 Uhr
Ausstellung:
07. März - 04. April 2010, Di. bis So. 17.30 - 20 Uhr und nach Vereinbarung

Galerie Eigenheim
Karl-Liebknecht Str. 10
99423 Weimar
http://www.galerie-eigenheim.de  

28.02.2010 Bernhard Wiesbeck

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