Die hochschwangere New Yorker Künstlerin Marni Kotak will aber jetzt scheinbar noch toppen. Sie plant aus der Geburt ihres Kindes eine Performance mit dem Titel „The Birth of Baby X" zu machen. Sie will das Baby, dessen Geschlecht sie noch nicht kennt in einer Galerie zu Welt bringen. Und damit die Grenzen von Kunstwelt und Realität, Voyeurismus und Privatsphäre neu definieren.
Die Künstlerin will mit dieser Performance, wie auch mit vorangegangenen, nicht provozieren, sondern nur ihre früheren Projekte weiterführen. So zeigte sie in einer vergangenen Performance ihre (nachgestellte) Entjungferung.
„Das wirkliche Leben ist die beste darstellenden Kunst", so Marni Kotak selber.
Die Vernissäge zu der jetzigen Performänce war am 15.10.2011. Zwar ist der errechnete Geburtstermin erst in fünf Wochen, aber die Künstlerin glaubt, dass das Kind früher kommt. Derzeit hält sich die Künstlerin tagsüber in der Galerie auf, übernachtet aber in ihrer eigenen Wohnung. Sobald die Wehen einsetzen wird sie sich aber in die Galerie begeben.
Und auch dafür, dass ausreichend Gäste zur Geburtsperformance kommen ist gesorgt: Gäste können sich in eine Liste eintragen und werden dann per SMS oder E-Mail über die einsetzenden Wehen benachrichtigt.
Bei den meisten der bisherigen Besucher der Galerie stieß die geplante Performance auf positive Resonanz. „Ich habe viel Respekt vor ihr. Sich in einem so verletzlichen Moment Fremden zu präsentieren, ist sicher nicht einfach. Auf der anderen Seite ist die Geburt eine der natürlichsten Sachen der Welt, warum also nicht Kunst daraus machen?", so eine Besucherin. Und die Künstlerin selber findet ja eine Galerie sowieso persönlicher als ein Krankenhaus.
Um sich wohl zu fühlen, ließ Marni Kotak das Bett ihrer verstorbenen Großmutter und den Schaukelstuhl ihrer Mutter in der Microscope Galerie aufstellen. Und wer tatsächlich bei der Geburt dabei sein wird, der kann sich auch gleich auf den Start der nächsten Performance freuen. „Raising Baby X" wird die neue Performance heißen. Und sie wird die Erziehung ihres Kindes damit zur Kunst machen.
Publikumswirksam mögen die beiden Performances ja sein, wirklich was Neues bieten sie nicht. Geburten gibt es „relativ" viele. Und das Erziehung Kunst ist, dass weiss wohl jeder Mensch, der eigene Kinder hat. Wer mehr über die Künstlerin und ihre Aktionen erfahren will kann sich unter http://marnikotak.com informieren.
Axel Flitsch
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