Vom zweiten Weihnachtsfeiertag bis Silvester rückte Roswitha Maria Farnsworth den Eisblöcken und Igluwänden im Schneehüttendorf mitten in der Skiwelt Wilder Kaiser Brixental mit Kettensäge, Schepser und Schnitzeisen zu Leibe - zum mittlerweile dritten Mal. Mit Künstlerkollegen wie dem Nürnberger Stefan Schnetz, Steinmetz Klaus Grunenberg oder dem tschechischen Eis künstler Jiri Kasper schmückte sie das Innere der weitläufigen Anlage mit ihren 18 Iglus (darunter Kirche, Restaurant und Bar) auf rund 1300 Metern Höhe: getreu dem diesjährigen Motto "Kontinente".
Die Hersbruckerin wählte stellvertretend für Südamerika die Hochkultur der Azteken und ließ an der Wand "ihres" Iglus eine Gottheit der Ur-Mexikaner auferstehen. Bei Temperaturen von minus zwei bis minus vier Grad wahrlich kein Vergnügen, doch die Bildhauerin arbeitete zunächst mit der Kettensäge die groben Umrisse des namenlosen Gottes (Farnsworth: "Es ist aber auf keinen Fall Quetzalcoátl, die gefiederte Schlange") heraus, die sie danach mit Schepser und Schnitzeisen immer feiner aus dem eisigen Material heraus modellierte.
Der Blitz-Schlange zu Füßen des riesenhaften Götterantlitzes rückte sie außerdem mit einem Flammenwerfer, Bügeleisen und kaltem Wasser zu Leibe, um sie kristallklar zu machen. Im Durchgang zum benachbarten Iglu schnitzte sie aus der meterdicken Schneemauer einen unglücklichen Azteken heraus, der sich gerade nach Leibeskräften dagegen wehrt, von einer Schlange verschlungen zu werden.
Ihre Kollegen kratzten derweil putzige Koalas hinter der Sydney Opera (für Australien), die Skyline von Manhattan (Nordamerika) oder einen durch die Berliner Mauer brechenden Trabant (Europa) aus den gefrorenen Wänden. Farbenprächtig ausgeleuchtet, begeisterten sie schon vor der eigentlichen Eröffnung der "Iceland"-Ausstellung am 5. Januar die Besucher. "Während ich an meinen Figuren gearbeitet habe, sind ständig irgendwelche Gruppen oder Familien durch die Iglus gelaufen und haben unsere Arbeiten bestaunt", erzählt Farnsworth.
Weil sie inzwischen schon zum dritten Mal beim "Projekt Alpen iglu" mitwirkte, ging ihr die Arbeit mit dem ungewohnten Material leichter von der Hand als in den Vorjahren. Ihrer Faszination für den "Werkstoff" tat das freilich keinen Abbruch: "Eis ist so ein dankbares Medium. Es macht einfach riesigen Spaß damit zu arbeiten", schwärmt sie. Allerdings: Die Kunstwerke lösen sich irgendwann wieder in Wasser auf. Dann geht auch die aztekische Gottheit den Weg alles Irdischen...
Mehr zum Igludorf im Internet unter www.alpeniglu.com
Peter Kalb stellt bei einer internationalen Ausstellung 2010 in der Urania in Berlin sein internationales Kunstprojekt: „Wenn richten, ... dann Aufrichten- vor und erhält dafür den Kultur-Netzwerk Award: „Best Artist 2010. Eine unlimitierte Skulptur soll als Zeichen in die Welt, mit der Aufforderung
„Wenn Richten, ... dann Aufrichten".