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17.03.2010 22:32 Uhr
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Kunst gegen das Vergessen

Fast 100 jüdische KZ-Häftlinge waren im April 1945 im sogenannten Todeszug von Buchenwald nach Flossenbürg unterwegs. Der Nürnberger Maler Axel Flitsch, die Bopparder Malerin Heike Müller, die Wülfrather Fotokünstlerin Kerstin Büchinger und der Braubacher Maler Daniel Bähner gestalten zum Gedenken 100 Werke, die ab April 2010 in Wunsiedel ausgestellt werden. Danach an mehreren weiteren Ort in der Bundesrepublik.

Im Zeitelmoor, bei Wunsiedel erschossen die SS-Wachen während des Todeszuges 30 der Männer und Frauen und vergruben sie notdürftig im sumpfigen Boden. Nach dem Krieg mussten die regionalen NSDAP-Spitzen auf Geheiß der amerikanischen Besatzer die Toten ausgraben und am Wunsiedler Friedhof beisetzen.

Ein Zeitzeuge "Die Wunsiedler SA-Männer wirkten regelrecht deprimiert, als sie die Särge abluden und das riesige Grab am Friedhof ausgruben." Der damals Zehnjährige erinnert sich noch, dass auf dem Friedhof drei riesige Erdhügel aufgeschüttet waren.

"Ja, genau hier war es. Hier standen damals 30 Särge. Um sie herum liefen weinende Frauen in Lumpen herum." Der Zeitzeuge erinnert sich an die Monate vor und nach dem Kriegsende, als wäre es gestern gewesen. Die grauenvolle Begebenheit hat den damals zehn Jahre alten Jungen tief bewegt.

"Wir wohnten damals im Burggraben, also ganz in der Nähe des Friedhofs. Deshalb haben wir Kinder natürlich zugesehen, als die Särge vor dem Eingangstor von Lastwagen abgeladen und in Zweierreihen aufgestellt wurden. Alles roch nach Chlorkalk und Verwesung."

Diesen und weitere Bericht von Zeitzeugen haben der Nürnberger Maler Axel Flitsch, die Bopparder Malerin Heike Müller, die Wülfrather Fotokünstlerin Kerstin Büchinger und der Braubacher Maler Daniel Bähner zum Anlass genommen ein aussergewöhnliches Kunstprojekt zu starten.


Auf die Bitte der Stadt Wunsiedel gestalten Sie Werke zu dem Todesmarsch. Ein jeder der Künstler erstellt seine eigenen Werke, aber es gibt auch gemeinsame Werke an denen mehrer ein Bild erstellen. Eine Mischung aus Expressionismus, Surrealismus, Realismus und Fotokunst entsteht.


Seit Herbst des vergangen Jahres entstanden bisher über 100 Werke.


„Eine Knochenarbeit" so der Nürnberger Axel Flitsch, „man malt sich an seine Grenzen und manchmal darüber hinaus." Schon ein paarmal waren die Künstler kurz vor dem Aufgeben, weil Ihnen der psychische Stress zu gross wurde. Dazu kamen Anfeindungen von Neonazis.


Aber jetzt haben Sie Ihr Werk bald vollendet und für jedes der damaliger Opfer und Leidenden ein Bild geschaffen. Noch im April sollen die Bilder in Wunsiedel ausgestellt werden. Danach an mehreren weiteren Ort in der Bundesrepublik. Im August sollen die Werke dann auf Schautafeln in Wunsiedel installiert werden. Entlang der Route des Todesmarsches.

Über den Initiator Axel Flitsch: Seit Jahren malt der Nürnberger über Themen wie Menschenrechte, Glaubenskriege, Völkermorde und Neonazis. Seit nunmehr einem knappen Jahr hängt ein Teil seiner Bilder über den Genocid in einem Museum in Gitamara (Ruanda). Andere zu diesem Thema wird er auf dem Ruandatag am 15. April in der Basilika in Prüm ausstellen.

Durch seine Arbeiten auf ihn aufmerksam geworden, haben sich nun an diesem Projekt die drei weiteren Künstler beteiligt. Und schon ist ein weiteres gemeinsames Projekt in Arbeit. Kindesmissbrauch wird das neue Thema sein.

Weitere Informationen: http://www.axel-flitsch.de.tl

18.03.2010 Bernhard Wiesbeck

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