Das mit der Müllkunst ist so eine Sache. Nicht allen Menschen ist das sofort zugänglich, doch bei näherer Betrachtung können sich faszinierende Welten auftun. Darauf setzt auch Bartek Kiszka - und er weiß aus vielfacher Erfahrung: Die Arbeit mit Aussortiertem beflügelt in vielfältiger Weise die Fantasie und die Emotionen. Es ist eine kreative Herausforderung und zugleich eine ausgezeichnete Schulung des kreativen Könnens.
Ganz am Anfang steht dabei eine Erkenntnis: „Es gibt keinen Müll. Es gibt Dinge. Unaufhörlich teilen sie sich, vermehren sich. Dinge sind Formen, aber auch Farben", sagt Bartek Kiszka, für den es statt Müll lediglich weggeworfene Sachen gibt. Weggeworfen aus der Welt in die Welt hinein: „Wegwerfen ist also im Grunde unmöglich."
Seiner Meinung nach gibt es Dinge, Farben und Formen mehr als Worte, mit deren Hilfe man sie beschreiben könnte: „Ein in hunderte, tausende Teile geteilter Gegenstand deformiert sich, nimmt eine neue Form an, wird zu einem neuen Wesen. Er wird selbständig." Die Form der Dinge bleibe den Worten deshalb überlegen, meint Bartek Kiszka: „Worte hinken immer hinterher im Versuch, die Dinge zu beschreiben. Ein Sperrmüllcontainer, ein Schrottplatz - das sind die besten Wörterbücher der Welt!"
Die Materialien für seine Kunstwerke findet Bartek Kiszka beim Sperrmüll, in Containern und bei Industrie- oder Gewerbebetrieben: „Ich suche dabei nach allem, was alt ist und im Idealfall irgendwelche Spuren von Geschichte aufweist." Die einzelnen Gegenstände und Materialien ergeben meist kaum einen Sinn: „Erst in der Verarbeitung reift die Idee zu einer konkreten Figur."
Künstler Kiszka schafft dabei keine abstrakten Werke. Sie sollen vielmehr mit ihrer Umgebung in Verbindung stehen und beim Betrachter Assoziationen auslösen. Ihr Schöpfer setzt auf einen Kommunikationsprozess, der vielfältige Perspektiven eröffnet - und zugleich auch den Respekt gegenüber Dingen und der Welt erhöht.

Wenn sich Bartek Kiszka in seine Werkstatt begibt, in der sich oft bis zur Decke und bis in den letzten Winkel die Grundlagen seiner Kreationen türmen, hat er höchstens eine vage Idee im Kopf: „Dann beginne ich einfach. Ich greife mir intuitiv zwei Gegenstände, bei denen ich spüre, dass sie ein neues Teil ergeben. Danach reift die Sache Schritt für Schritt. Daraus kann sich durchaus ein längerer Prozess entwickeln, an dessen Anfang ich keine Ahnung habe, wie das spätere Ergebnis aussehen wird."
Nur eines ist klar: Es sollen konkrete Figuren werden - wie etwa ein Akkordeonspieler, ein reitender Ritter oder Gebrauchsgegenstände wie eine Lokomotive, auf der Kinder spielen können, oder eine Sitzbank als ungewöhnliche Ruhestätte. Bartek Kiszka sieht die Welt aus ungewöhnlichen Perspektiven und mit reichlich fantasievollen Ansätzen. Über seine Müllkunst lässt er andere Menschen vielfach anregend daran teilhaben. Zugleich erhöht er die Wertschätzung gegenüber Dingen und sensibilisiert für ein umweltbewusstes Leben.
Weitere Informationen unter www.kiszka-art.de
H.G.