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08.04.2010 11:37 Uhr
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Vertraute Kunst

Wie aus Alltäglichem Kunst wird, zeigt die Künstlerin Birgit Rüberg mit ihrer fünfzehnteiligen Installation aus bestickten Babybodies mit dem Titel: „Muttermund". Interessant sind die Erklärungen der Künstlerin, die auf feinsinnige Art verständlich machen, worum es ihr bei diesen Arbeiten geht.

Die Strickwaren werden zu ‚Stickwaren' und tragen Worte und Wortgruppen, die mit erzieherischem Unterton die Kinder, aber auch die Mütter ansprechen. Eine der Aufschriften „Was - Was glaubst du - Was glaubst du wer du bist" entwickelt mittels sprachlicher Rhythmik aus einer persönlichen Nachfrage einen implizierten Vorwurf.

Ganz anders als die industriell beschriftete Kleidung heutiger Tage mit den Verweisen auf innewohnende „Engelchen" oder „Zicken" beschäftigt sich Rüberg mit der Gesellschaftsstruktur und ihrer Funktionsweise.

Nach Ausstellungen in internationalen und nationalen Museen und Galerien wie dem Museum MARTa in Herford oder dem Museum Waterhall in Birmingham ist Birgit Rüberg zum ersten Mal in Berlin zu sehen. In Berlin setzt sie ihre Auseinandersetzung mit Klischees uns Stereotypen zum Frauen- und Mutterbild fort.

Die von Rüberg verwendeten Symbole „alter Werte" stehen im Zusammenhang mit Kunst auch für einen Aufbruch im Denken und für Frauen als selbstbewusste Künstlerpersönlichkeiten. Auf diese Weise knüpft sie an Werke von Miriam Shapiro und Annette Messager an, ohne feministische Themen als Dogma zu begreifen. Die aufgestickten Texte stehen darüber hinaus in der Tradition der konkreten Poesie oder variieren Zitate aus Gedichten und Romanen.

Durch die Technik des Stickens verbunden mit Kinderkleidung, gebrauchten Küchen- oder Taschentüchern fasst die Künstlerin in ihren Arbeiten mehrere Rollen eines antiquierten Frauenbildes zusammen, dessen Überwindung immer noch andauert. Die Frau als Mutter, Heimchen am Herd oder anmutige aber stille Dekoration des Mannes bilden buchstäblich den Grund ihrer Werke, verwandeln sich aber bei Rüberg in sinnliche Stoffästhetik und ironische Geschichten.

Eröffnet 16. April 2010 ab 19 Uhr
Laufzeit vom 17.April - 15.Mai 2010
Finissage am 15.05.2010 ab 18.30 Uhr mit einer Tagebuchlesung von 1842/43, vorgetragen von Theodor Schmidt.

Galerie Frenhofer
Friedrichstraße 232 (U6 + M29 Kochstraße/ U1 + M41 Hallisches Tor)
10969 Berlin

http://www.galerie-frenhofer.eu

30.03.2010 Bernhard Wiesbeck

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