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27.09.2009 11:21 Uhr
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Beruhigungsmittel zur Bundestagswahl

Die Bundestagswahl 2009 gestaltet sich im Endspurt wesentlich spannender als noch vor wenigen Wochen vermutet werden konnte. Der favorisierte schwarz-gelbe Verbund von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt nach den letzten Umfragen gemeinsam auf 48 bis 49 Prozent der Stimmen, ein möglicher rot-rot-grüner Gegenblock um Herausforderer Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf 47 bis 48 Prozent. Weil am Ende aber die Sitze im Parlament zählen und sich auch wenige Stunden vor Öffnung der Wahllokale noch immer viele Stimmberechtigte unentschlossen gaben, darf mit einem heißen sonntäglichen Wahlabend gerechnet werden.

Über Wochen war in den Medien und unter Fachleuten von Langeweile im Wahlkampf die Rede, wurden die Spitzenkandidaten gar als Schlaftabletten und Beruhigungsmittel kritisiert und verspottet. Wobei: Sind Beruhigungsmittel angesichts der weltweiten Krisen, die auch Deutschland fest im Griff haben, nicht die geeigneten Präparate?

Unbestritten scheint unmittelbar vor dem entscheidenden Urnengang nur, dass die CDU am Ende die deutlich stärkste Fraktion im Bundestag stellen wird. Die SPD könnte letztlich aber einen rot-rot-grünen Block oder eine „Ampel" aus SPD, FDP und Grünen auf die Regierungsbank führen. Da letztlich die Anzahl der Sitze entscheidend sind, könnte den so genannten Überhangsmandaten eine wichtige Rolle zukommen.

Wir erinnern uns: 2002 fehlten der CDU gerade mal 6.000 (!) Stimmen für einen Regierungswechsel. Das ist hauchdünn angesichts von rund 60 Millionen Wählerinnen und Wählern, die letztlich auch tatsächlich korrekt ihre Kreuzchen machen. Kein Wunder also, dass Titelverteidigerin Merkel ihre Heerscharen angewiesen hat, bis zum „Schlusspfiff" durchzuarbeiten.

Der Urnengang wird derweil zum raffinierten Strategiespiel. Gewiefte Taktiker haben erkannt: Wer letztlich die CDU ganz vorne sehen will, darf auf keinen Fall CDU wählen ... Wie bitte? Doch, doch: Das hängt mit möglichen Überhangmandaten zusammen. Von denen bekommt die CDU über erfolgreiche Direktkandidaten wahrscheinlich einige mehr, wenn die Gesamthöhe ihrer Zweitstimmenanteile nicht ganz so hoch ist. Anhänger von Schwarz-Gelb wählen deshalb bevorzugt mit der Zweitstimme FDP und mit der Erststimme CDU. Dann bliebe letztlich alles vorteilhaft in der „Familie", da FDP-Chef Guido Westerwelle schließlich eine „Ampel" klar ausschließt.

CDU-Gegner müssen ebenfalls genau aufpassen, was sie tun. Beispiel Sachsen: Um mögliche CDU-Überhangmandate einzudämmen, „muss" man in Chemnitz im Wahlkreis 163 die Linke wählen und in Leipzig in den Wahlkreisen 153 und 154 die SPD. So jedenfalls haben es Strategen berechnet. Warten wir also mit Hochspannung den Torschluss in den Wahllokalen am Sonntag um 18 Uhr und die anschließenden Zahlen ab - und sehen dann, welches „Beruhigungsmittel" für uns das erwählte ist.

H.G.

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