Start Kunst Literatur Musik Bühne Medien Leben Shop Kalender Kultur-Netzwerk Nachrichten
19.10.2009 14:03 Uhr
<< Zurück

Demokratiekonferenz in Angies Kellerbar

Foto: Moritzbastei Leipzig
Leipzig ist die Wiege der Friedlichen Revolution und Deutschen Einheit. Hier brach sich der Wille zu einer vom breiten Volk getragenen Demokratie im Herbst 1989 entscheidend den Weg. 20 Jahre danach findet deshalb auch in Leipzig vom 22. bis 24. Oktober 2009 die 1. Internationale Demokratiekonferenz statt. An drei besonderen Orten: Unter anderem in „Angies Kellerbar" - also in den verschlungenen Gewölben der Moritzbastei, wo die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel einst als Leipziger Studentin kellnerte und Cocktails mixte.

Ist der Fortbestand der Demokratie dauerhaft zu sichern? Darüber gehen die Meinungen deutlich auseinander. Leben wir überhaupt in einer Demokratie - oder ist das bloß eine Behauptung? Immerhin sah sich auch die Deutsche Demokratische Republik als eine Demokratie, wurde zugleich aber auch als Diktatur wahrgenommen. Was ist das überhaupt, eine Demokratie? Auch hier gehen die Meinungen weit auseinander und sind dabei epochalen Veränderungen unterzogen. Seit mindestens zweieinhalb Jahrtausenden.

„Demokratie im 21. Jahrhundert - Bilanz und Perspektive" heißt deshalb auch der Titel der 1. Internationalen Demokratiekonferenz, die von der Stadt Leipzig in Zusammenarbeit mit einer ganzen Reihe von Kooperationspartnern veranstaltet wird. Das sind unter anderem das Bundesinnenministerium, der Freistaat Sachsen, die Bundeszentrale für politische Bildung, das Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Universitäten Leipzig und Halle, das Theodor-Heuss-Kolleg der Robert-Bosch-Stiftung, die Bürgerstiftung Leipzig und der Sächsische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen.

Renommierte Forscher und prominente Redner aus Deutschland und Europa kommen bei der Internationalen Demokratiekonferenz zu Wort, verstärkt im Blickpunkt stehen zugleich aber junge Menschen. Denn: „Die Konferenz zieht Bilanz - zeigt vornehmlich aber die Zukunftsperspektiven demokratischer Entwicklungen auf. Sie will deshalb besonders der jungen Generation aus Deutschland und dem europäischen Ausland eine Plattform zum politischen Diskurs bieten", sagt Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung.

Konferenzkoordinator ist der frühere Leipziger Kulturbürgermeister Dr. Georg Girardet. Er betont ergänzend: „Die junge, nach der politischen Wende aufgewachsene Generation ist heute mit den klassischen Formen politischer Partizipation oft schwer zu erreichen und soll daher besonderes Gehör finden." Leipzig nimmt sich dem Thema kritisch und kontrovers an. Erstmals ab dem 22. Oktober und dann regelmäßig alle zwei Jahre.

Die Konferenz „Demokratie im 21. Jahrhundert - Bilanz und Perspektiven" im Mendelssohn-Saal des Gewandhauses, in den Gewölben der Moritzbastei und in den Räumlichkeiten des Neuen Rathauses nähert sich dem Thema Demokratie über zwei große Themenfelder: Da ist einmal eine Bestandsaufnahme von 20 Jahren Friedlicher Revolution und Deutscher Einheit sowie der zeitgleich damit einhergehenden Umbrüchen in Mittel- und Osteuropa. Welche Hoffnungen und Wünsche belebten das damalige Engagement der Menschen? Welche Erwartungen haben sich erfüllt, welche Hoffnungen sind gescheitert? Welche Ansprüche warten weiter auf Einlösung?

Dann quasi überleitend zum anderen großen Themenkomplex: Was verstehen die Menschen konkret unter Demokratie und wie leben sie diese Demokratie? Deutschland ist bekanntlich eine Parlamentarische Demokratie. Mitbestimmung funktioniert also vor allem über persönliches Engagement im Rahmen eines solchen Parlaments und durch die Wahl der entsprechenden Parlamente. Wenn man nun bedenkt, dass die Wahlbeteiligung in Deutschland mittlerweile auf zum Teil unter 50 Prozent abgerutscht ist: Kann man da noch von einer ernsthaften oder gar gelebten Demokratie sprechen?

Mit Demokratie werden Begriffe wie Pluralismus, Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit, Mehrheitsprinzip, Freiheit, Mitbestimmung, Wohlstand und Frieden verbunden. Aber löst eine Demokratie das grundsätzlich auch ein und hat sie diese Vorzüge tatsächlich exklusiv? Auch hier gehen die Meinungen auseinander. Genau wie bei der Forderung nach mehr Mitbestimmung etwa durch eine breite Offensive für Bürgerentscheide.

Quo vadis, „Demokratie im 21. Jahrhundert"? Ein wahrlich brisantes und vielfältiges Thema. Es ist immerhin auch ein wesentlicher Aspekt unseres Lebens und unserer Kultur. www.kultur-szene.de wird dem Thema Demokratie und Einheit angesichts 20 Jahre „Wind of Change" in Europa innerhalb der Rubrik „Leben" einen eigenen Raum inklusive Diskussionsforum geben.

Denn immerhin: „Wir sind das Volk!" Was die Menschen vor 20 Jahren deutlich auf der Straße skandierten und der Dichter und Demokratie-Kämpfer Ferdinand Freiligrath (17.6.1810-18.3.1876) bereits 1848 in seinem Revolutionsgedicht „Trotz alledem" formulierte. Was aber ist daraus zu folgern, wenn Demokratie die Herrschaft des Volkes meint und wir das Volk sind? Weiß überhaupt jeder, wer „wir" sind?

Vielleicht gibt es darauf in Leipzig zwischen dem 22. und 24. Oktober im Rahmen der 1. Internationalen Demokratiekonferenz ein paar Antworten und Lösungsansätze. www.kultur-szene.de bleibt hierbei am Ball. Und jeder, der daran mitwirken möchte, ist herzlich willkommen.

H.G.

Kommentare

Newsletter abonnieren

Ihre EMail:
Ihr Vorname:
Ihr Nachname:

Freunden empfehlen

Weitere Artikel

Demokratie: Bundestagswahl schafft klare Konturen Einst gingen Menschen in den Tod in ihrem Kampf fürs allgemeine Wahlrecht, heute bleiben fast ein Drittel der Bundesbürger lieber träge auf dem Sofa liegen, als den Gang zur Wahlurne zu wagen. Kaum mehr als 70 Prozent beteiligten sich an der Bundestagswahl 2009 - und schafften zugleich möglicherweise eine wichtige Voraussetzung dafür, dass künftig wieder mehr Menschen mitbestimmen wollen: Das Resultat der aktuellen Bundestagswahl jedenfalls sorgt endlich wieder für klare Konturen - mit einer so genannten bürgerlichen Mitte auf der Regierungsbank und einem fast ebenso großen sozialdemokratischen Block in der Opposition. [mehr]
Beruhigungsmittel zur Bundestagswahl Die Bundestagswahl 2009 gestaltet sich im Endspurt wesentlich spannender als noch vor wenigen Wochen vermutet werden konnte. Der favorisierte schwarz-gelbe Verbund von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt nach den letzten Umfragen gemeinsam auf 48 bis 49 Prozent der Stimmen, ein möglicher rot-rot-grüner Gegenblock um Herausforderer Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf 47 bis 48 Prozent. Weil am Ende aber die Sitze im Parlament zählen und sich auch wenige Stunden vor Öffnung der Wahllokale noch immer viele Stimmberechtigte unentschlossen gaben, darf mit einem heißen sonntäglichen Wahlabend gerechnet werden. [mehr]
Wahl-O-Mat, Wahl-Tipp & Co: Die Bundestagswahl als Spektakel Politik kann richtig spannend sein. Vorausgesetzt, man schläft vorher nicht bei Langweilern wie dem „TV-Duell" ein. Letzteres könnte ein Beleg dafür sein, warum die „Quote" - also die Wahlbeteiligung - stetig sinkt. Die Demokratie also in Gefahr? Vielleicht ist alles auch nur eine Sache der Vermarktung. Wie es besser gehen könnte, zeigt gerade der Fußball. Zumal Bundestag und Bundesliga seit jeher viel Ähnlichkeit aufweisen. [mehr]

Diese Seite verlinken

Anzeige

Wettbewerb: Bild des Monats

Anzeige

Fotogalerien

Wettbewerb: Video des Monats

Kultur-Netzwerk Cafe