Ist der Fortbestand der Demokratie dauerhaft zu sichern? Darüber gehen die Meinungen deutlich auseinander. Leben wir überhaupt in einer Demokratie - oder ist das bloß eine Behauptung? Immerhin sah sich auch die Deutsche Demokratische Republik als eine Demokratie, wurde zugleich aber auch als Diktatur wahrgenommen. Was ist das überhaupt, eine Demokratie? Auch hier gehen die Meinungen weit auseinander und sind dabei epochalen Veränderungen unterzogen. Seit mindestens zweieinhalb Jahrtausenden.
„Demokratie im 21. Jahrhundert - Bilanz und Perspektive" heißt deshalb auch der Titel der 1. Internationalen Demokratiekonferenz, die von der Stadt Leipzig in Zusammenarbeit mit einer ganzen Reihe von Kooperationspartnern veranstaltet wird. Das sind unter anderem das Bundesinnenministerium, der Freistaat Sachsen, die Bundeszentrale für politische Bildung, das Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Universitäten Leipzig und Halle, das Theodor-Heuss-Kolleg der Robert-Bosch-Stiftung, die Bürgerstiftung Leipzig und der Sächsische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen.
Renommierte Forscher und prominente Redner aus Deutschland und Europa kommen bei der Internationalen Demokratiekonferenz zu Wort, verstärkt im Blickpunkt stehen zugleich aber junge Menschen. Denn: „Die Konferenz zieht Bilanz - zeigt vornehmlich aber die Zukunftsperspektiven demokratischer Entwicklungen auf. Sie will deshalb besonders der jungen Generation aus Deutschland und dem europäischen Ausland eine Plattform zum politischen Diskurs bieten", sagt Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung.
Konferenzkoordinator ist der frühere Leipziger Kulturbürgermeister Dr. Georg Girardet. Er betont ergänzend: „Die junge, nach der politischen Wende aufgewachsene Generation ist heute mit den klassischen Formen politischer Partizipation oft schwer zu erreichen und soll daher besonderes Gehör finden." Leipzig nimmt sich dem Thema kritisch und kontrovers an. Erstmals ab dem 22. Oktober und dann regelmäßig alle zwei Jahre.
Die Konferenz „Demokratie im 21. Jahrhundert - Bilanz und Perspektiven" im Mendelssohn-Saal des Gewandhauses, in den Gewölben der Moritzbastei und in den Räumlichkeiten des Neuen Rathauses nähert sich dem Thema Demokratie über zwei große Themenfelder: Da ist einmal eine Bestandsaufnahme von 20 Jahren Friedlicher Revolution und Deutscher Einheit sowie der zeitgleich damit einhergehenden Umbrüchen in Mittel- und Osteuropa. Welche Hoffnungen und Wünsche belebten das damalige Engagement der Menschen? Welche Erwartungen haben sich erfüllt, welche Hoffnungen sind gescheitert? Welche Ansprüche warten weiter auf Einlösung?
Dann quasi überleitend zum anderen großen Themenkomplex: Was verstehen die Menschen konkret unter Demokratie und wie leben sie diese Demokratie? Deutschland ist bekanntlich eine Parlamentarische Demokratie. Mitbestimmung funktioniert also vor allem über persönliches Engagement im Rahmen eines solchen Parlaments und durch die Wahl der entsprechenden Parlamente. Wenn man nun bedenkt, dass die Wahlbeteiligung in Deutschland mittlerweile auf zum Teil unter 50 Prozent abgerutscht ist: Kann man da noch von einer ernsthaften oder gar gelebten Demokratie sprechen?
Mit Demokratie werden Begriffe wie Pluralismus, Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit, Mehrheitsprinzip, Freiheit, Mitbestimmung, Wohlstand und Frieden verbunden. Aber löst eine Demokratie das grundsätzlich auch ein und hat sie diese Vorzüge tatsächlich exklusiv? Auch hier gehen die Meinungen auseinander. Genau wie bei der Forderung nach mehr Mitbestimmung etwa durch eine breite Offensive für Bürgerentscheide.
Quo vadis, „Demokratie im 21. Jahrhundert"? Ein wahrlich brisantes und vielfältiges Thema. Es ist immerhin auch ein wesentlicher Aspekt unseres Lebens und unserer Kultur. www.kultur-szene.de wird dem Thema Demokratie und Einheit angesichts 20 Jahre „Wind of Change" in Europa innerhalb der Rubrik „Leben" einen eigenen Raum inklusive Diskussionsforum geben.
Denn immerhin: „Wir sind das Volk!" Was die Menschen vor 20 Jahren deutlich auf der Straße skandierten und der Dichter und Demokratie-Kämpfer Ferdinand Freiligrath (17.6.1810-18.3.1876) bereits 1848 in seinem Revolutionsgedicht „Trotz alledem" formulierte. Was aber ist daraus zu folgern, wenn Demokratie die Herrschaft des Volkes meint und wir das Volk sind? Weiß überhaupt jeder, wer „wir" sind?
Vielleicht gibt es darauf in Leipzig zwischen dem 22. und 24. Oktober im Rahmen der 1. Internationalen Demokratiekonferenz ein paar Antworten und Lösungsansätze. www.kultur-szene.de bleibt hierbei am Ball. Und jeder, der daran mitwirken möchte, ist herzlich willkommen.
H.G.