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04.09.2009 16:55 Uhr

Links und rechts überholt: SPD am Abgrund!?

Foto: kultur-szene.de
Wahlkampf spannend wie Sportschau. So ließe sich das letzte Augustwochenende durchaus beschreiben. Gleich von vier aufregenden „Partien" wurde live und parallel berichtet: Mit den Prognosen, Zwischenständen und Endergebnissen der Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und dem Saarland sowie den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen (NRW). Ausführliche Analysen wurden ergänzt durch Feldinterviews mit den Akteuren und Verantwortlichen, mit Siegern und Besiegten. So macht Demokratie Spaß - und hat Zukunft.

Ein wenig unklar schien zuweilen nur, wer denn tatsächlich gewonnen und verloren hatte - und ob es überhaupt einen Gesamtsieger gibt. Nicht jeder schien den Durchblick zu haben, oder wollte es ganz einfach nicht. Vor allem dann, wenn man ein flächendeckendes Debakel erlebt wie die SPD.

Der Vereins-, pardon, Parteivorsitzende Franz Müntefering sprach offensiv von einem grandiosen Sieg seiner Farben. Rot leuchtete zwar durchaus hell und klar, aber weniger in der Variante der SPD. Es war vielmehr die Partie Die Linke, die strahlte und die der SPD gefährlich den Rang abzulaufen scheint.

In Sachsen klebt die SPD weiterhin bei für sie peinlichen 10 Prozent fest. Lichtjahre zudem hinter Die Linke. In Thüringen gewannen die Sozialdemokraten kaum 5 Prozent hinzu - obwohl die CDU dort regelrecht vernichtend geschlagen wurde und fast ein Drittel ihrer bisherigen Zustimmung verlor. Auch hier rangiert Die Linke meilenweit vor der SPD.

Im Saarland verlor die SPD sogar knapp 5 Prozent, trotz paralleler Einbrüche bei der CDU. Schlimmer noch. Der einstige sozialdemokratische Hoffnungsträger Oskar Lafontaine führte Die Linke in seiner Heimat auf sensationelle 21 Prozent - und platzierte sie damit hauchdünn hinter seiner Ex-Geliebten. Bei der Kommunalwahl in NRW, wo fast ein Viertel der Bundesbürger leben, behauptete die CDU die Spitzenstellung. Die SPD kam derweil sogar in einer ihren früheren Hochburgen wie Bochum nur noch in den Bereich von 38 Prozent.

Franz Müntefering bevorzugt eine andere Perspektive. Die scheint sich auf den Dualismus zwischen CDU / CSU und SPD zu konzentrieren, so wie es weitgehend bis in die 1980er Jahre üblich war. Spätestens seit dem Mauerfall und der deutschen Wiedervereinigung 1989/90 haben sich jedoch einige Dinge in Deutschland verändert - auch wenn das längst noch nicht jeder wahrhaben will.

Die Linke etwa entspricht für viele Menschen nicht bloß dem Bild der „kleine Kinder fressenden Kommunisten", wie es manche Mitbewerber zuweilen immer noch zu zeichnen versuchen. Wie andere Parteien auch, hat Die Linke viele Gesichter. Als „Bild" Politiker aufforderte, in einem Satz ihre Vorhaben zu benennen, sagte der sächsische Linke-Spitzenkandidat André Hahn (46) gleich im ersten Abschnitt: „Ich will den Mittelstand in den Mittelpunkt der Wirtschaftsförderung rücken."

Glaubwürdig oder linkisch? Auffällig ist, dass Die Linke auch auf Bundesebene und intern abseits der Öffentlichkeit solche Aussagen trifft. In den Ausschüssen des Bundestages, wo wesentlich die große Politik entschieden wird, wirken ausgerechnet Abgeordnete von Die Linke und der FDP zuweilen recht harmonisch im Umgang miteinander. Klar, denn auf den ersten Blick vertreten sie unterschiedliche Lager. Tatsächlich scheinen die vermeintlichen Gegensätze in einer ganzen Reihe von Punkten aber gar nicht so weit auseinander. Im Gegenteil.

Die SPD muss nicht nur knapp einen Monat vor der Bundestagswahl am 27. September ungemein aufpassen, dass sie nicht in der Bedeutungslosigkeit versinkt - weil die CDU / CSU zunehmend sozialdemokratische Politik betreibt und sich mit Die Linke sukzessiv eine moderne neue Linkspartei etabliert. Vielleicht sollte Deutschlands älteste Partei mutig die Flucht nach vorn antreten und mal ein paar Jüngere das Zepter maßgeblich schwingen lassen. Ob das besser ist, muss sich erst zeigen. Die jüngst noch arg verkalkte CSU zum Beispiel hat es gerade erst vorgemacht: Es kann sich durchaus lohnen, hochverdiente Granden respektvoll in den Ehrenhain zu geleiten.

H.G.

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