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09.01.2011 10:14 Uhr
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Ruanda ein Land zwischen Itore- und Totentanz

Ruanda, das Land der tausend Hügel. Überall grüne Hänge, ein Duft nach Vanille, Bananenstauden, die seltsamsten und schönsten Vögel und Pflanzen. Ein schönes, stilles Land. Die Stille manchmal unterbrochen von den musikalisch untermalten Tänzen der Itore-Tänzer. Poesie, Musik und Tanz sind die traditionellen Künste in Ruanda. Eine wunderschöne Musik, viele Trommeln, fröhliche Gesänge und Tanz. Das Grün bewaldete Ruanda könnte eigentlich das Schmuckkästchen Afrikas sein. Eigentlich. Wenn da nicht die Konflikte zwischen den beiden Völkergruppen, den Hutus und Tutsis wären, Konflikte in denen in 100 Tagen im Jahr 1994 über eine Millionen Menschen getötet wurden. 7 Menschen in einer Minute...

Durch einen Konflikt zwischen Völkergruppen, die es eigentlich nicht gibt. Die Kolonialmächte, erst die Deutschen, dann die Belgier wollten in Ruanda "indirekt herrschen". So definierten sie eine Klassengesellschaft, die Tutsis (Rinderzüchter), die Hutus (Bauern) und die Twa (Jäger und Sammler). Die Tutis wurden als "oberste Klasse" definiert. Eine Idee aus dem Deutschland, Endes des 19. Jahrhunderts.

Zwischen den definierten Klassen entstanden Spannungen, die in den 50er Jahren zu ersten Bürgerkriegen führten und ihren traurigen, bisherigen, Höhepunkt in dem Genozid 1994 fanden.
Die UN zog ihre Truppen ab. Es war nur ein Krieg zwischen Völkern, kein Völkermord. "Kann sein, es ist ein Völkermord", so die Stimme aus Amerika. Kann sein. Kann sein, dass die Morde von uns verdrängt werden. Kann sein, dass sie gerade wieder passieren... Kann sein... Tod IST. Kann nicht sein. Sollte nicht sein.

Ruanda hat seit dem keine wirkliche Ruhe gefunden. Im Land herrscht Angst. In den Grenzgebieten zum Kongo herrscht Krieg. Nicht wahrgenommen von der sogenannten zivilisierten Welt. Wie schon damals 1994.

Die Ursachen für den Krieg liegen sicher nicht an der UN, die sich damals zurückgezogen hat. Sie liegen in der Geschichte des Landes. Aber der Völkermord war egal. Vielleicht gar Mittel zum Zweck. Er findet immer wieder statt, auch jetzt, Frauen werden vergewaltigt, Kinder geschändet. Jetzt. Vielleicht sollten wir verstehen, dass Menschen oder Kinderrechte nichts wert sind. Weder dem Präsidenten Ruandas, Paul Kagame, noch der UN. Gut, Kagame schafft Frieden.

96% Wählerstimmen, Klasse Leistung, aber ist das Demokratie? Damals 1994 schaffte er Frieden, als Anführer der "Ruandischen Patriotischen Front". Nicht mit friedlichen Mitteln. Er mordete und/oder lies Morden. Keine Tutsis, sondern Hutus. Angeklagt vor den Tribunalen werden jetzt Hutus und die Handlanger, ein paar Generäle von Kagame. Kagame trifft jedoch keine Schuld.... Oder doch?

Er wird sich wohl auch seiner Schuld bewusst sein. Er gehört vor ein Tribunal gestellt. Ohne die mitverantwortlichen Belgier und Franzosen als Kläger. Gleichzeitig sollte er aber Präsident des Landes bleiben. Er sichert den Frieden. Ein Paradoxum? Ein Mörder als Politiker, der den Frieden sichert.

Wie schafft dieser Mensch Frieden? Er verbietet einen Unterschied zwischen Hutus und Tutsis zu machen. Es gibt nur Ruander. Keine zwei Völkergruppen. Wenn man die Menschen in Ruanda fragt, dann wundert man sich. Alle sind Ruander, alle sind Tutsis. Hutus scheint es nicht zu geben. Obwohl 90% der Tutsis damals getötet wurden. Rechnerisch kommt man zu anderen Ergebnissen. Aber Kagame befiehlt es so und die Bewohner Ruandas gehorchen, aus Angst.

Man selber wäre ja wohl auch nicht gerne Hutu in diesem Land….

Was würde wohl passieren, wenn die Diktatur eines Kagame beendet würde? Unmittelbar danach würde der Völkermord wieder überall ausbrechen. Nicht nur im Grenzgebiet zum Kongo, dort wo er jetzt jede Nacht und jeden Tag herrscht. Mal wieder von den zivilisierten Staaten nicht gesehen. Jede Nacht werden dort Kinder entführt, Frauen vergewaltigt, jederzeit ist dort Krieg.

Wie kann man dem nach all diesen Jahren entgegenwirken?

Wenn es eine Lösung gibt, dann muss diese ganz unten ansetzen, bei den Kindern und Jugendlichen des Landes. Bei den Waisen und Geschändeten des Bürgerkrieges bei den "Spätergeborenen". Diesen muss man zeigen, offenbaren, dass es keine Unterschiede zwischen Menschen unterschiedlicher "Rassen" gibt. Diesen muss man lehren, wie man miteinander leben kann.

In Ruanda gibt es einige Menschen und Projekte, die dies versuchen. Caritative, medizinische und idealistische Träger unterstützen viele Arbeiten. Auch Künstler helfen. Bob Geldorf, der darf ja nicht fehlen und glänzt eher durch Präsenz als durch Taten, Georg Ringsgwandl, Wolfgang Niedecken.

Neben diesen und einigen anderen gibt es auch noch den Maler Axel Flitsch. Er hat Gräueltaten in Ruanda gesehen, erlebt. Er hat dazu gemalt. Er stand auf Medienbühnen von Messen und hat erzählt. Er schafft aus seinen Erinnerungen Bilder, er malt das Grauen, er will Aufmerksamkeit erregen. Für die Kinder Ruandas.


Der Maler unterwegs mit einem Kind in die Schule von Njanza

Und er hat das Land besucht, die Menschen gesehen, mit ihnen geredet, in dem Land gemalt. Seine Bilder stammen nicht aus der Retorte. Zuletzt war er im Oktober 2010 dort, um wieder viele Eindrücke mit zu nehmen. Um zu sehen, wie wichtig es ist, sich für Projekte zu engagieren, um zu helfen. "Ruanda hat in nie mehr losgelassen" so die Nürnberger Nachrichten.

Mit dem Verkauf seiner Kunst unterstützt er diverse Projekte, in Ruanda, an der Elfenbeinküste. In Ruanda wird der Bau einer Therapie- und Kindertagesstätte unterstützt. In der Elfenbeinküste der Bau eines Krankenhauses.


Angst: ein Bild von Flitsch mit dem Titel "Mit neun Jahren küsste ich den Tod" zeigt das von Macheten Hieben gezeichnete Gesicht eines Kindes

Kunst und Diktatur begegnen sich. Ein Maler für Menschenrechte, ein Diktator gegen Menschenrechte, beide für Frieden. Ein Jeder hat seinen Weg gefunden. Es bleibt zu hoffen, dass Kunst mehr Erfolg hat als Diktatur. Und das die Tänze der Itore-Tänzer in Zukunft nicht von dem Klang der Mordenden, Trillerpfeifen und den dumpfen Schlägen der köpfenden Macheten übertönt werden.

Axel Flitsch

http://www.axel-flitsch.de.tl

 

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