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18.12.2010 11:52 Uhr
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Abgründe und Potenziale in der Kunst

Die Kunstszene ist reich an Klischeevorstellungen, Mythen und Irrglauben. Der Weltenbummler und Autor Bernhard Wiesbeck ist tief eingetaucht in vielfältige Abgründe, entdeckte auf seinem Horrortrip aber auch eine Vielzahl an Potenzialen. Sein jüngstes Werk ist deshalb zugleich ein hoffnungsvoller Leitfaden für ambitionierte Künstler.

 

Zumindest im Ansatz erinnert Bernhard Wiesbeck in seiner Art an den Beinahenamensvetter Thomas Bernhard („Heldenplatz"). Ähnlich wie der scharfzüngige Gesellschaftskritiker und Erfolgsautor Bernhard tritt Weltenbummler Wiesbeck bevorzugt als Freund klarer und harter Worte auf. Also eher ein Berserker als ein zartes Seelchen, was in Kunst und Kultur zumindest nach außen weitgehend verpönt ist.

Damit sind wir aber auch schon mitten im Thema. „Mehr als Sie jemals über Künstler wissen wollten" gestaltet sich als bitterböse Enttarnung einer nicht selten gruseligen Scheinwelt, im Fazit keimt dann aber dennoch Hoffnung. Das muss so sein bei Bernhard Wiesbeck, denn bei aller nüchternen Direktheit und Schärfe seiner ungepolsterten Kritik, bleibt er doch stets ein konstruktiver Gestalter.

In seinem jüngsten Werk präsentiert er sich zunächst aber als gnadenloser Großinquisitor, der mit einer kräftigen Portion Zynismus alle die an den Pranger stellt, die aus seinen tiefgreifenden Erfahrungen in und mit der Kunstszene eine wesentliche Gefahr für dieselbe darstellen könnten.

Wiesbeck ist ganz im Ursprung kein Künstler, was er gleich zu Beginn seines EBooks auch deutlich sagt. Zugleich ist er von seiner Konsequenz her viel mehr ein Lebenskünstler, als sich das bei vielen Kunstschaffenden offenbart.

Zunächst in den USA als Topmanager erfolgreich und für mehr als 200 Mitarbeiter verantwortlich, wagte Bernhard Wiesbeck ganz plötzlich den klassischen Ausstieg, durchstreifte nun rund ein Jahr lang mit Rucksack die Weiten Asiens, um sich schließlich auf den Seychellen für mehr als ein halbes Jahrzehnt niederzulassen und dort höchst erfolgreich eine Tauchschule vor allem für zahlungskräftige internationale Touristen zu etablieren.

Auf solche Weise lebt Wiesbeck viele Leben - und in der zurückliegenden halben Dekade widmete er sich ganz der Kunst, vor allem der Malerei und dem Kunst-Management. Das ermöglichte manch tiefen und ernüchternden wie auch erhellenden Einblick. Da Bernhard Wiesbeck die Augen jedoch nie verschließt, sondern stattdessen sehr genau hinschaut, ist er für manche ein Störenfried oder wenigstens ein unbequemer Zeitgenosse.

Das beweist er auch markant in seinem neuen Buch, das aber nicht alle hassen müssen. Im Gegenteil. Vielen Künstlern mag die Lektüre der 120 Seiten von „Mehr als Sie jemals über Künstler wissen wollten" nicht als eine Spielart etwa von Pasolinis Filmklassiker „Die 120 Tage von Sodom" vorkommen, sondern die Augen öffnen für einen erfolgreichen Weg.

Ambitionierte Freizeitkünstler geben sich mit Bernhard Wiesbeck als Wegweiser vielleicht entspannter der Muße hin und generieren auf diese Weise sogar noch ein paar willkommene Nebeneinkünfte. Angehende Kunstprofis kommen zugleich möglicherweise auf die Idee, einer möglichen Selbstgeißelung abzuschwören und lieber eine enge Verbindung von hochwertiger Kunst und reichhaltiger Kohle zu forcieren.

10 Euro kostet die kurzweilige und zugleich erhellende Lektüre, die als EBook über www.wortundfarbe.de zu beziehen ist.

Holger Gemmer

www.hg-kommunikation.de


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