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28.01.2011 09:13 Uhr
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Deutscher Science Fiction Preis 2010 ging an Leipziger Schriftsteller

Karsten Kruschel, Jahrgang 1959, wuchs in Magdeburg auf, wo er auch Bühnenerfahrung als Kabarettist sammelte - erst mit den Kritiküßchen des legendären Erich Hengstmann, dann mit den Pfeffis des nicht minder legendären Günter Kulbe. Größter Erfolg dieser Zeit: Der Titel "Hervorragendes Volkskunstkollektiv des Bezirkes Magdeburg". Erste Veröffentlichungen mit dreizehn (oder so) in der Pionierzeitung "Trommel", die heute glücklicherweise kaum mehr auffindbar sind. Jahrelang Mitglied im "Zirkel schreibender Arbeiter" und aktiv in der FDJ-Poetenbewegung; mehrfach Teilnehmer beim Poetenseminar in Schwerin.

 

Nach dem Abitur absolvierte er in Klein Wanzleben eine landwirtschaftliche Facharbeiterlehre und begann 1979 ein Studium der Pflanzenproduktion in Halle/Saale, das er nach einem Semester abbrach. Karsten Kruschel arbeitete danach als Hilfspfleger in einer Magdeburger Nervenklinik, erste Erzählungen erschienen im selben Jahr im Magazin "Neues Leben". Ab 1980 studierte er in Magdeburg Pädagogik mit der Fachrichtung Deutsch und Geschichte. Während dieser Zeit begann er damit, Rezensionen zu verfassen, die zuerst in Tageszeitungen, später auch in anderen Publikationen erschienen. 1984 Diplompädagoge mit einer Arbeit über die Science-Fiction-Literatur in der DDR; zugleich fand eine längere Erzählung Aufnahme in die Heftreihe "Das neue Abenteuer" (erschienen 1985).

Karsten Kruschel arbeitete ab 1984 als Lehrer in Leipzig-Grünau und absolvierte - kurz ehe er aus Altersgründen dem Wehrkreiskommando entgleiten konnte - den Grundwehrdienst in Eilenburg und Dresden (als Stabssoldat, Lazarettinsasse, Funker, Kfz-Lagerist, Wachsoldat, Küchenlagerist, Pförtner). Die übliche Beförderung zum Gefreiten gegen Ende dieser bewegten Zeit fand wegen fortgesetzter Renitenz nicht statt.

1987 ging Karsten Kruschel nach einem kurzen Lehrer-Zwischenspiel (wieder Grünau) als wissenschaftlicher Assistent an die Pädagogische Hochschule Leipzig, wo er allerlei Lehrveranstaltungen abhielt und mit einer Arbeit über die Science-Fiction-Literatur der DDR promovierte (sie erschien 1995 in einer Buchfassung).

1989 veröffentlichte der Verlag Neues Berlin sein Buch "Das kleinere Weltall", ein Band mit Erzählungen, der eindeutig nicht die sogenannte Wende auslöste, jedoch in den bewegten Zeiten einen schweren Stand hatte. Natürlich kam Karsten Kruschel zusammen mit der DDR auch die Hochschule abhanden, der bereits unterschriebene Verlagsvertrag über einen zweiten Erzählungsband "Der Regenplanet" sowieso.

Der Autor arbeitete als Projektleiter am "Institut für Bildungsreform und Medienerziehung" und mehr als ein Jahrzehnt als Chefredakteur einer Baufachzeitschrift in Leipzig, während er zahlreiche Rezensionen und Essays veröffentlichte (hier und da auch mal Kurzgeschichten). Er war eine Zeitlang Public-Relations-Berater in Berlin und schlug sich einige Jahre in verschiedenen Call-Centern durch, ehe er sich 2010 als Redakteur und Autor selbständig machte.

Da war aus dem 1991 nichtveröffentlichten Buch nach und nach ein zweiteiliger Roman gewachsen, der 2009 herauskam und sofort "Buch des Monats" beim Internetportal phantastik-couch.de wurde, innerhalb des ersten Jahres vier Auflagen erlebte und den Deutschen Science Fiction Preis als bester Roman des Jahres gewann (den einzigen dotierten Literaturpreis des Genres).

Im April 2011 erscheint Karsten Kruschels neuer Roman "Galdäa. Der ungeschlagene Krieg".

Steffi H. Velberg

Stimmen zu VILM:
"Das Buch ist eine Space Opera, die sich um das Schicksal einfacher Leute kümmert, ein Kolonistenroman, der in lichtjahreweiten Entfernungen denkt, eine Geschichte über Expeditionen zu den Wundern eines regenverhangenen Planeten. Alle Tricktechnik, die das heutige Kino bieten kann, hat es schwer, gegen einen Schriftsteller zu bestehen, dem es mit seiner Sprache gelingt, vor dem geistigen Auge seiner Leser eine dreidimensionale Welt aufleuchten zu lassen, mit Bewohnern, die einen nicht gleichgültig lassen."

(aus der Laudatio zur Preisverleihung)

 

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