In meinem beruflichen Werdegang finden sich etliche Jahre Tageszeitungs-, Wochenblatt- und Illustriertenerfahrung. Da diese beginnend in den späten Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts gesammelt wurde, hatte ich das aus heutiger Sicht gleichermaßen wertvolle wie informative Vergnügen, Zeitungsproduktion "von Hand" noch erleben zu dürfen. Als verantwortlicher Redakteur der Lokalausgabe eines überregionalen Wochenblatts wohnte ich jeweils dienstags dem Umbruch bei, dem Zusammenstellen (neudeutsch "Layouten", damals "Umbruch") des Blatts vor dem eigentlichen Druck.
Dabei konnte ich den kompletten Entstehungsprozess hinter den Kulissen verfolgen. Das funktionierte anfangs so: In meinem Büro setzte ich mich an die Schreibmaschine und schrieb auf speziell vorformatiertem Papier den jeweiligen Artikel plus Dach- und Schlagzeile, bereits mit der vorgesehenen Schriftgröße und dem passenden Schriftschnitt versehen. Das fertige Blatt wurde anschließend zur Texterfassung gefaxt. Dort saßen in einem relativ dunklen Raum einige Damen und Herren, die ebendiese Texte noch einmal abtippten, diesmal in ein zentrales Texterfassungssystem.
Von dort ließen sie sich dann über grüne Monochrom-Bildschirme wieder aufrufen und dann auch auf Wachspapier ausdrucken. Dann gingen diese Texte zur nächsten Abteilung. Die Korrekturleser kontrollierten jeden Text noch einmal im Zeitlupentempo auf Fehler. Erst dann kam die Freigabe zum Druck, mit dem Resultat, dass man Fehler in den fertigen Produkten tatsächlich mit der viel zitierten Lupe suchen musste. Waren das noch Zeiten!
Das ist jedoch, zumindest was diesen Verlag betrifft, Geschichte. Die Texterfassung, beziehungsweise -eingabe, erfolgt heute generell durch den jeweiligen Redakteur. Auch das Layout findet am Computer statt, während es zu meinen Zeiten noch per Hand, mit Skalpell und Heißwachs als Kleber, durchgeführt wurde, und dies von speziell hierfür eingesetzten Mitarbeitern, die heute natürlich längst eingespart worden sind. Das heutige Resultat ist, zumindest aus meiner Sicht, eine mittelschwere Katastrophe.
Kaum ein Artikel erscheint noch ohne hanebüchene Rechtschreibfehler, ganz zu schweigen von grammatischen Irritationen schwersten Ausmaßes. Anfangs habe ich mich noch köstlich amüsiert über den einen oder anderen Lapsus. Über zwischenzeitliches, auch gerne mal peinlich berühtes Kopfschütteln bewegt sich mein Zeitungsleser-Gefühsleben aber nun zunehmend hin zu extremeren Gefilden wie Ekel und Wut. Mein Gott, gibt es denn niemanden, der noch mal nachliest, was die Kollegen da gerade geschrieben haben? Ist es zu viel verlangt, einfach noch mal Korrektur zu lesen? Wir haben es hier mit einem wertvollen Kulturgut zu tun! Die deutsche Sprache ist kein beliebiger Selbstbedienungsladen; wer Texte schreibt und öffentlich macht, hat die verdammte Pflicht, dies auch richtig zu tun!
Wenn ich jemals solche Klopse wie "Die Gruppe, deren beste Zeiten (...) liegen, krönte seine Karriere mit dem Album..." veröffentlichte, würde ich umgehend den Computer herunterfahren und ihn aus dem nächstgelegenen Fenster befördern. Seriöse Berichterstattung sieht anders aus.
Zuletzt auch gerne benutzt: "Der ein oder andere Fehler trat auf, als...". Bittebitte, gönnt mir auch in Zukunft das eine fehlende "e", bzw. "en/em"! Ich wiederhole mich an dieser Stelle gerne: Der Umgang mit der deutschen Sprache kann so erbaulich sein, das Lesen eines guten Buches so viel Vergnügen bereiten - verderbt mir nicht den Tag mit diesem allgegenwärtigen Sprachpfusch!
Ein reales Beispiel gefällig? Bitte sehr: In meinem Heimatblatt lese ich einen sechsspaltigen Bericht über eine geplante "Verlässliche Schule" im schönen Dörfchen Busdorf bei Schleswig. Der Anreißertext über dem eigentlichen Artikel hat es in sich: "Mit mehr als 200 Schülern gehört die Grundschule Busdorf zu einer der größten im Kreisgebiet."
Aha.
Leider finde ich im weiteren Text nicht ein einziges Wort über die im Anreißer erwähnte Schule, zu der die Grundschule Busdorf gehört. Mannmannmann, ist es denn so schwer, so etwas präzise und unmissverständlich auszudrücken?
Ich gehe mal davon aus, dass es so heißen müsste: "Mit mehr als 200 Schülern gehört die Grundschule Busdorf zu den größten im Kreisgebiet". Und derlei missverständliche und offensichtlich mal eben so daher geschluderte Formulierungen finden sich mittlerweile zu Dutzenden, zu Hunderten; ach was, zu Tausenden in Büchern, Zeitschriften und Zeitungen.
Fundort Internet: "Schummeln was das Zeug hält? Die Versuchung ist groß, bei der Steuer zu tricksen. Doch Vorsicht, das Finanzamt lässt sich nicht so leicht lumpen." Aha. Das ist mir neu. Vielleicht sollte ich mal meinen Sachbearbeiter aufsuchen, damit er mir endlich mal Einiges bei meiner Steuererklärung durchgehen lässt. Zumindest könnte er mir ja mal einen ausgeben...
Fundort Schleswig-Holsteinischer Landtag. Der damalige SPD-Fraktionschef Lothar Hay sagte nach einem rot-grünen Richtungsstreit ums liebe Geld: "Die zusätzlichen Einnahmen, die - durch Steuerprognosen - uns erwarten, werden wir in erster Linie in den Abbau der Neuverschuldung reinstecken müssen."
Aha.
Abgesehen von der Doppelung "in... reinstecken" ist das Land Schleswig-Holstein also in der Lage, über Prognosen Einnahmen zu generieren. Donnerwetter! Ich habe natürlich sofort versucht, mir meinerseits großartige Einkünfte zu prognostizieren. Allein, es floss nicht ein einziger zusätzlicher Euro auf mein Konto. Schade. Nehmen wir zu Herrn Hays Gunsten also einmal an, dass er eher meinte, nach Prognosen seien Einnahmen zu erwarten gewesen...
Unser Autor Jens Petersen hat neben dem von uns schon gewürdigten Westerwelle-Buch "Ich, Rex Guido I., Vizekönig von Deutschland" drei Bücher zum schludrigen Umgang mit der deutschen Sprache in Presse, Funk und Fernsehen geschrieben, die sogenannte "Sprachpanscher-Trilogie". Der heutige Text entstammt dem Erstling "Die Sprachpanscher", Verlag: tredition Hamburg ISBN 978-3-940921-66-6.
Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg: Die Menschen leiden unter den Folgen des Versailler Vertrags. Das Elsass fällt an Frankreich zurück und zwingt unzählige Deutsche aus ihrer Heimat. Nach dem Tod ihrer Eltern ereilt die junge Elsässerin Monique das gleiche Schicksal. Sie muss ihre Heimat verlassen und zu ihrem Onkel in den Bayerischen Wald ziehen.
[mehr]Freibeuter mit modernen Waffen machen der internationalen Schifffahrt zu schaffen. Regenwald, Meer, Palmen und explosive Stimmung in tropischer Atmosphäre untermalen die Story. Den Leser erwartet das, was einen guten Thriller ausmacht: Nervenkitzel, Action und Spannung während der gesamten Handlung.
[mehr]Ende Dezember 2010, also vor gerade mal ein paar Wochen, erblickte eine Internetseite das Licht des World Wide Webs mit einer fantastischen Idee. Ein junger Autor schreibt und veröffentlicht hier kostenlos und nach und nach drei voneinander unabhängige Thriller. Der Clou: Leser und Fans dürfen selbst von Montag zu Montag, Einfluss auf den Autor nehmen und bestimmen, an welchem Manuskript weiter gearbeitet werden soll.
[mehr]