Start Kunst Literatur Musik Bühne Medien Leben Shop Kalender Kultur-Netzwerk Nachrichten
06.10.2009 13:13 Uhr
<< Zurück

Der Deutsche Impressionismus - Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld

Dame am Meer, Max Slevogt
Mit ca. 180 Werken stellt die Kunsthalle Bielefeld in einer umfangreichen Überblicksausstellung den deutschen Impressionismus als eine landesweit auftretende Kunstbewegung in Deutschland vor. Ausgehend von den Berliner Hauptvertretern Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth zeigt sie die Vielfalt von der nördlichen und ostdeutschen Ausprägung bis zur süd- und südwestdeutschen Variante impressionistischer Malerei. Dabei wird der deutsche Impressionismus in seinen unterschiedlichen Akzentuierungen vom französischen abgegrenzt und als durchaus eigenständige erste deutsche Moderne vorgestellt, die zum Vorläufer des Expressionismus wird. Die Bielefelder Ausstellung zeigt Leihgaben u. a. aus dem Musée d'Orsay in Paris, dem Kunstmuseum St. Gallen, der Neuen Pinakothek München, der Staatsgalerie Stuttgart, der Hamburger Kunsthalle, dem Saarland Museum Saarbrücken, der Galerie Neue Meister in Dresden sowie zahlreichen weiteren öffentlichen und privaten Sammlungen.

Die Ursprünge des Impressionismus liegen in Frankreich. 1874 stellt Claude Monet zusammen mit einer Gruppe junger progressiver Künstler in Paris ein unerhörtes Bild aus, dessen Titel genau beschreibt, was es zeigt: L'impression, soleil levant. Der Titel des Bildes wird zum Schimpfwort der Kritiker und zum Programm der Künstler. Anstelle der Naturnachahmung will der Impressionismus das Seherlebnis des Künstlers ins Bild zu setzen. Mit lichter Farbigkeit und kleinteiligem Pinselduktus bildet der Impressionismus die erste moderne künstlerische Revolte gegen den dunkeltonigen Formalismus der etablierten akademischen Malerei des späten 19. Jahrhunderts.

Im Abstand eines guten Jahrzehnts setzt sich die künstlerische Aufbruchsstimmung als neue Bildauffassung in ganz Europa durch. In Deutschland trifft die neue Malerei auf den starren, konservativen Kunstgeschmack des Kaiserreiches. Doch findet sie rasch Verfechter unter den deutschen Künstlern, die sich den akademischen Vorgaben und der offiziellen, vom Kaiser selbst geförderten Kunst widersetzen, die sich vorrangig an historistischen, das Kaiserreich glorifizierenden Bildern orientiert.

Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt und ihre Mitstreiter in der neu gegründeten „Berliner Secession" treten mit ihren neuen Werken gegen den etablierten Akademismus an und werden zu Hauptvertretern des Impressionismus in Deutschland. Andernorts prägen Künstler wie Thomas Herbst in Hamburg, Christian Landenberger in Stuttgart, Fritz von Uhde in München, Gotthard Kuehl und Robert Sterl in Dresden neben vielen anderen das Bild eines deutschen Impressionismus, der sich seit den 1890er Jahren als erste moderne Strömung in Deutschland, zu Teilen auch als Weiterentwicklung aus der akademischen „Freilichtmalerei", etabliert.

Während der Impressionismus in Frankreich mit seiner betont hellen, „lichtvollen" Farbnuancierung als künstlerischer Ausdruck der Lebens- und Genussfreude eines erstarkten, selbstbewussten und zunehmend wohlhabenden Bürgertums verstanden wurde, setzt der deutsche Impressionismus durchaus andere Akzente. Der „französischen Leichtigkeit" steht die „deutsche Ernsthaftigkeit" mit einer meist weniger lichten Farbpalette, einer geschlosseneren Bildform und der Wahl der Bildthemen entgegen. Neben die Hinwendung zur Natur und zum intimen Interieur mit familiärem Beisammensein treten in Deutschland auch die Bilder der Arbeitswelt und des Alltags der weniger privilegierten Schichten, die der Kaiser höchstpersönlich, nicht zuletzt mit Blick auf Max Liebermann, als „Rinnsteinkunst" beschimpft.

Die Ausstellung zeigt eine atemberaubende Vielfalt von Motiven und eine stilistische Vielfalt, die den deutschen Impressionismus als Spiegel einer zerrissenen Zeit zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik, zwischen Akademismus und Individualität erfahrbar macht und eine Fülle von Neu- und Wiederentdeckungen ermöglicht.


Zur Ausstellung erscheint ein Katalogbuch bei Dumont mit Beiträgen von Jutta Hülsewig-Johnen, Birgit Jooss, Angelika Wesenberg und Felicitas von Richthofen, ca. 240 Seiten mit ca. 180 Farbabbildungen sowie ca. 50 historischen Fotografien.

Ausstellungsbegleitend werden ein Einführungsfilm, ein Audioguide sowie ein attraktives Vermittlungsprogramm angeboten.

www.kunsthalle-bielefeld.de

Kommentare

Newsletter abonnieren

Ihre EMail:
Ihr Vorname:
Ihr Nachname:

Freunden empfehlen

Weitere Artikel

Irdisches Paradies in Stuttgart: König Artus reitet mit Sir Edward Burne-Jones durch die Staatsgalerie Die Bilder von Edward Burne-Jones (28.8.1833-17.6.1898) entführen den Betrachter in zauberhafte Welten. Märchen und Sagengestalten wie König Artus werden scheinbar zum Leben erweckt. Der viktorianische Maler ist einer der führenden Vertreter der Präraffaeliten. Vom 24. Oktober bis zum 7. Februar 2010 widmet die Staatsgalerie Stuttgart ihm mit „The Earthly Paradise - Das Irdische Paradies" erstmals in Deutschland eine eigene Ausstellung. [mehr]
Oper und Kunstsammlungen Chemnitz: Außergewöhnliche „Vorlesung“ zum 100. Geburtstag Zum Höhepunkt der Feiern des 100. Geburtstages der Oper und der Kunstsammlungen Chemnitz wurde der herrliche Theaterplatz zur glanzvollen guten Stube der Stadt. Der Himmel lachte perfekt passend dazu, die spätsommerliche Sonne schien wohlig warm und drei prominente Festredner hielten eine außergewöhnliche „Vorlesung" über die Bedeutung, die Möglichkeiten und die Zukunft von Kunst und Kultur. [mehr]
Spinnerei: Erquickliche Rundgänge mit Ausblicken in die weite Welt und Einsichten in Verborgenes Die 125 Jahre alte Leipziger Baumwollspinnerei ist mittlerweile seit zehn Jahren eine weitläufige und überaus anregende Künstleroase, die weltweit Beachtung findet. Kein Wunder also, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel kürzlich beim Doppeljubiläum persönlich die Festrede hielt. Der jüngste Rundgang ermöglichte nun einmal mehr faszinierende Blicke in die weite Welt der Kunst - und offenbarte zugleich bislang eher Verborgenes, wie den Maler Bartek Kiszka. [mehr]

Diese Seite verlinken

Anzeige

Wettbewerb: Bild des Monats

Anzeige

Fotogalerien

Wettbewerb: Video des Monats

Kultur-Netzwerk Cafe