12.02.2010 02:59 Uhr

Exzessionismus

Die Elexiere des Lebens - Mayer, Nolting, Radzioch
Den Exzessionismus gibt es 5 Jahre länger als das World Wide Web und 13. Jahre länger als Wikipedia (Internet Enzyklopädie). Dennoch entbrennt im Moment eine heiße Diskussion darüber, ob das Wort bei Wikipedia als Begriff aufgenommen werden darf oder nicht. Dabei werden mangelnde Referenzen bei Google und im WWW als Argument vorgetragen, von ein paar Cyberspaclern, die sich untereinander als Pappnasen betiteln. Auch hätten die beteiligten Künstler nicht die erwünschte Webpräsenz und den nötigen Bekanntheitsgrad, repräsentiert über das WWW. Soll so eine Entscheidung von ein paar Pappnasen getroffen werden? Was ist Exzessionismus?


Der Stilbegriff Exzessionismus bezeichnet Werke der bildenden Künste, die durch simultane schöpferische Schaffensprozesse mehrerer Personen an eben diesem Werk entstanden sind.
Exzessionismus bezeichnet somit einen prozessorientierten Ansatz in der Kunst, innerhalb dessen schöpferische Synergien erfahrbar gemacht werden sollen.


Der Begriff Exzessionismus beschreibt ein Werk nicht auf der Gestaltebene (wie beispielsweise der Kubismus, Surrealismus oder Expressionismus), sondern auf der Prozessebene: Er macht eine Aussage darüber, wie ein Werk entstanden ist, nicht was es abbildet.


Der Prozess der Entstehung des gemeinschaftlich erschaffenen Werks steht im Exzessionismus im Zentrum des Werkverständnisses. Gundprinzip, quasi der Leitgedanke exzessionistisch arbeitender Künstlergruppen ist das Ziel, Synergien im schöpferischen Bereich entstehen zu lassen.
Als Stilbegriff erstmals verwendet wurde der Begriff Exzessionismus 1988 durch die Künstlergruppe Der Exzessionistische Kreis. Er leitet sich vom lateinischen Verb excedere (herausschreiten, überschreiten) ab.

Zeitloch (107cm x 143cm). Der Exzessionistische Kreis: 1991 - Mayer, Nolting, Nolting. Acryl auf Leinwand


In den Jahren 1986/87 beginnen die Künstler Udo Grimmer, Robert Mayer und Albrecht Nolting ihre Experimente mit gemeinschaftlichen Schaffensprozessen. Um dem Prinzip des gemeinschaftlichen Schaffens auf der begrifflichen Ebene eine adäquate Bezeichnung zu geben, bezeichnen sie ab 1988 die Idee des gemeinschaftlichen Erschaffens als Exzessionismus und nennen sich selbst Der Exzessionistische Kreis.


Im Exzessionismus wird ein Konzept der Gemeinschaftlichkeit, sowie des menschlichen und des schöpferischen Austauschs verfolgt. Durch unterschiedlichste Konstellationen der Beteiligten entstehen Werke mit unterschiedlichstem Ausdruck. Gemeinsam ist allen der Grundgedanke des gemeinsamen schöpferischen Handelns. Um diesem Handeln einen Rahmen zu geben, entwirft "Der Exzessionistische Kreis" ein Manifest, in dem der Begriff Exzessionismus und dessen Regeln genau beschrieben wird: → Das Exzessionistische Manifest.

Das vergessene Tor (110cm x 120cm). Der Exzessionistische Kreis 2004:
Mayer, Nolting. Acryl auf Leinwand


Da ein exzessionistisches Werk durch simultanes Arbeiten mindestens zweier Künstler an einem Werk entsteht, nimmt der exzessionistisch arbeitende Künstler Abschied vom Paradigma des Individualkünstlers und ersetzt diesen durch die Gruppe.
Die Idee des Exzessionismus in der bildenden Kunst hat durch die Berliner Theatergruppe Lokomotion eine Umsetzung und Interpretation in den darstellenden Künsten gefunden. Hier wird versucht den Gedanken des gemeinschaftlichen Schaffens in der Form umzusetzen, dass alle Schauspieler auf der Bühne zu einem einzigen Schauspieler zusammengeschlossen werden.

Damit das WWW und Wikipedia nicht von ein paar Pappnasen regiert werden, werden wir hier bei Kultur-Szene ausführlich über alle Formen des Exzessionismus, die beteiligten Künstler und deren Aktionen in nächster Zeit berichten.


Weitere Artikel:
Das Exzessionistische Manifest:
http://www.kultur-szene.de/kunst/exzessionistisches_manifest-2006.html

Der Exzessionistische Kreis:
http://www.kultur-szene.de/kunst/der_exzessionistische_kreis-2007.html

Der umstrittene Wikipedia Eintrag: http://de.wikipedia.org/wiki/Exzessionismus

Die Löschdiskussion: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:L%C3%B6schkandidaten/7._Februar_2010#Exzessionismus 

 

Weblinks
Das Exzessionistische Manifest:
http://www.exzessionismus.net/D/Manifest.pdf

Der Exzessionistische Kreis:
http://www.exzessionismus.net/

09.02.2010 Bernhard Wiesbeck

Kommentare

Geschrieben von Monty Cantsin am 14.02.2010 14:59 Uhr

Was soll man sagen? Spätestens die Situationisten oder die Beuyssche Soziale Plastik haben das "Paradigma des Individualkünstlers" angegriffen; dann noch zwanzig Jahre später das "Malen in der Gruppe" zum manifesttauglichen Konzept zu deklarieren ist so hausbacken dass es fast konterrevolutionär wirkt. Entsprechend sehen auch die Ergebnisse aus wie gefälliges Informel für das Bankenfoyer.
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Exzessionistisches Manifest Der Exzessionismus ist ein Stilbegriff für Werke aus allen Bereichen der Künste und kann sowohl Werke der bildenden Künste, als auch Werke aus den Bereichen Musik, Literatur, Theater, Medien oder Aktionskunst bezeichnen. Der Stilbegriff Exzessionismus beschreibt ein Werk auf der Prozessebene: Er macht eine Aussage darüber, wie ein Werk entstanden ist, nicht was es abbildet, enthält oder erklingen lässt. Jeder der die Regeln des Exzessionismus einhält, kann das Werk als exzessionistisch bezeichnen und dem Stil des Exzessionismus zuordnen. 1988 - 2010 Begründer des Exzessionismus: U. Grimmer, R. Mayer, A. Nolting (Der Exzessionistische Kreis)
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