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11.11.2009 20:19 Uhr

Startschuss oder Plattschuss? Die neue Hitparade bei RTL II

Foto: Olaf Straube
RTL II geht mit einer neuen Hitparade in die Offensive. Der Musiker und Produzent Olaf Straube hat sich die Sendung sehr genau und kritisch angeschaut - in der Hoffnung, dass ein kurzweiliges Format und ein attraktiver Sendeplatz mit großer Reichweite entstehen. Seine Analyse.

Die Quoten für die neue Hitparade waren angesichts der harten Primetime-Konkurrenz am Tag der Ausstrahlung sicherlich nicht so optimal: Lediglich 830.000 jüngere Fans und ein unterdurchschnittlicher Marktanteil von 5,3 Prozent muss RTL II leider verbuchen (Quelle: kress-Quotencheck vom 26.10.2009).

Die neue Hitparade wurde, was zumindest die Kulisse anging, ihrem Namen voll gerecht. Es funkelte und klitterte - insgesamt eine passende und schillernde TV-Location. Wer aber dann denkt, dass das an Neuem reicht, der dürfte sich geirrt und verrechnet haben.

Meine durch RTL II geweckte Erwartungshaltung wurde innerlich gestützt durch meine Überzeugung, dass solche Musikformate, die das große Schwarze Loch zwischen „The Dom" und dem „Musikantenstadl" überbrücken, längst überfällig waren beziehungsweise sind.

Wenn also RTL II angetreten ist, diesen programmpolitischen Fehlstand in Deutschland zu bereinigen, verwundert es mich, dass sich neben dem Moderatorenpaar auch RTL II seine Leistung ständig durch diverse Prominente bestätigen ließ. Wäre hier nicht mehr Selbstvertrauen angebracht gewesen, nach dem Motto: „Wir haben die Hand am Puls und erkennen unsere Chance eines Neustarts." Der Verzicht auf solche „senderbejahenden Statements" hätte zudem mehr Zeit gebracht, weitere Künstler vorzustellen.

Bei der Künstlerauswahl verstaubt das Wort „NEU" leider zusehends. Ich kenne viele tolle Sängerinnen und Sänger, die in diese neue „Kulisse" gepasst hätten und mit Sicherheit einen themengerechten Sendewert produziert hätten. Es sind eben nicht nur bekannte Namen wie Drews, Gott, Anders, Henning oder DJ Ötzi, nach denen man sich stets und ausschließlich sehnt.

Um das klarzustellen: Ich schätze diese Kollegen in Ihrer Nachhaltigkeit sehr. Zugleich weiß ich aber auch, dass es spannende Newcomer in der Deutschen Schlagerwelt gibt, die auch eine ganz neue Nachfrage auf Künftiges intensiviert hätten. Ebenso ist die deutsche Musikwelt nicht mehr allein von langjährigen Marktführern wie Ralf Siegel abhängig.

Die Vielfalt an Interpreten dürfte auch entstanden sein, weil sich die Musikstrukturen generell dezentralisiert haben. Das bringt frische Farben in die neue deutsche Schlagerwelt. Aber wer glaubt, dass man diese neuen Farben nur nutzen sollte, um große alte Gemälde aufzufrischen, der irrt gewaltig. Hier müsste man verstärkt auch neue Textdichter und -dichterinnen, Komponisten und junge Labels nach vorn bringen. Die würden das Bewährte durch Bewegung auffrischen und somit ein weiteres Plus an Begeisterung erzeugen.

Auch wenn wir hier über Schlager reden: Ein Zuviel an schöner heiler Welt mit permanent von der Kamera präsentierten Bussi-Einlagen könnte sich auch kontraproduktiv auswirken. Weniger ist manchmal mehr. Aber RTL II hat andererseits auch Mut bewiesen. Klasse etwa, dass „Atze-Muik" Raum gefunden hatte.

Zukunft und Innovation entstehen durch Bewegung. Für RTL II könnte es deshalb eine besondere Chance sein, verstärkt auf den Faktor „NEU" zu setzen. Das wäre auf Dauer für alle Beteiligten und gerade auch fürs Publikum eine sehr lohnenswerte Investition. In diesem Sinne hoffe ich sehr, dass diese Sendung fortgeführt und ausgebaut wird. Mit dem nötigen Schuss Mut und Innovationsbereitschaft könnte RTL II mit seiner neuen Hitparade also einen echten Volltreffer landen und wieder richtig Lust auf deutsche Musik machen.

Olaf Straube

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