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03.11.2009 12:31 Uhr

Trotz des sehenswerten Sebastian Koch: Raimund Harmstorf bleibt der wahre „Seewolf“

Das ZDF macht sich selbst Konkurrenz: Der an Allerheiligen gestartete neue Zweiteiler „Der Seewolf" soll der Beste aller Zeiten sein und sogar den legendären Vierteiler von 1971 übertreffen. Das aber muss von Beginn an lediglich ein zarter Traum oder vielmehr pures Marketing-Getöse gewesen sein. Sebastian Koch („Das Leben der Anderen") überzeugt zwar in der Titelrolle und trägt wesentlich dazu bei, dass die Neuverfilmung sehenswert ist. Doch Raimund Harmstorf (7.10.1939-3.5.1998) bleibt zweifellos der wahre „Seewolf".

Der 1904 erschiene und bereits mehrfach verfilmte - unter anderem 1941 unter der Regie von Michael Curtiz mit Edward G. Robinson - Roman von Jack London (12.1.1876-22.11.1916) trägt nicht nur eine ganze Reihe von autobiographischen Elementen und persönlichen Erlebnissen des Autors. Jack London („Ruf der Wildnis", „Wolfsblut") findet sich selbst in den Hauptpersonen Wolf Larsen und Humphrey van Weyden wieder - auch wenn der amerikanische Kapitän Alexander McLean das grundsätzliche Vorbild für den „Seewolf" ist.

Man könnte den Roman auch als eine Diskussion über gesellschaftliche Zustände und Entwicklungen betrachten. Jack London beschäftigte sich intensiv mit den Lebensbedingungen der armen Leute und verglich sie im Spannungsfeld zwischen Natur und Kultur. Philosophen wie Friedrich Nietzsche beschäftigten ihn dabei ebenso wie die Erkenntnisse von Karl Marx und Charles Darwin.

So trifft im „Seewolf" der Feingeist Humphrey van Weyden auf den rauen und zugleich philosophierenden Kapitän Wolf Larsen. Ihre Auseinandersetzungen und Diskussionen prägen den Roman. Trotz aller Brutalität entwickelt van Weyden eine gewisse Nähe und Faszination gegenüber Larsen - und am Ende ist er mit dem wirklichen Leben ein deutliches Stück vertrauter als zu Beginn der Geschichte. London gibt dem Leser zugleich aber auch Gelegenheit, aus den Diskussionen und Beschreibungen ein eigens Bild zu entwickeln.

Das ist im neuen ZDF-Zweiteiler weniger beabsichtigt. Hier geht es mehr um kommerzielle Unterhaltung als um Gesellschaftskritik. Dafür gibt es reichlich Action, Emotionen, Liebe und Krawall - kurz: alle erforderlichen Zutaten für einen launigen Zeitvertreib. Damit das gelingt, wird die Rolle der Maud Brewster ausgebaut und mit der wunderbaren sowie höchst attraktiven Neve Campbell ("Scream") besetzt, die auch prompt von Vergewaltigung und anderer Gewalt bedroht wird und heftige Gefühlsausbrüche durchlebt.

Nach reichlich Dramatik in Teil eins, darf man gespannt den zweiten 90 Minuten am Mittwoch, dem 4. November, um 20.15 Uhr im ZDF entgegenblicken. Gute Akteure, reichlich Action und starke Bilder gewährleisten einen sehenswerten Streifen. Der zugleich deutlich macht, dass der wesentliche Unterschied zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Medien mittlerweile vor allem darin zu bestehen scheint, dass die Öffentlich-Rechtlichen im Gegensatz zu den Privaten regelmäßig mit Gebühren gefüttert werden.

H.G.

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