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17.02.2011 10:48 Uhr
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Der schwedische Mozart

Die Karriere von Joseph Martin Kraus (1756-1792) wäre gewiss anders verlaufen. Als er es im ausgehenden 18. Jahrhundert zum Komponisten und Hofkapellmeister am schwedischen Königshaus geschafft hatte, erhielt er von König Gustav III. den Auftrag, zu dessen Geburtstag und zur Eröffnung des neuen Stockholmer Opernhauses eine Oper zu schreiben. Kraus entschied sich für eine zeitgenössische Sturm und Drang-Thematik über die Liebe von Dido und Aeneas. Titel: "Aeneas in Carthago".

Kurze Zeit später wurde sein Förderer und Gönner Opfer eines Attentats, das Werk zu Lebzeiten des
Komponisten nicht mehr aufgeführt und für viel zu lange Zeit vergessen. Erst 2006 brachte Lothar Zagrosek, Chefdirigent des Konzerthausorchesters Berlin, die Oper zurück ans Licht, indem er die Originalgestalt des Werks ins Zentrum einer umjubelten Inszenierung an der Staatsoper Stuttgart stellte.
Warum? "Joseph Martin Kraus‘ ›Aeneas in Carthago‹ st geradezu ein Paradebeispiel für den Sturm und Drang, für das, was in den Menschen damals umging.

Es ist eine Oper der Aufklärung und - das Wichtigste - es ist große Musik! Stilistisch steht das Stück
zwischen den Reformopern Glucks und dem ›Idomeneo‹ von Mozart. Da liegt die Latte schon ziemlich hoch.«

So Lothar Zagrosek, der auf die moderne Opern-Auffassung Kraus hinweist. Kraus ging es um die Autonomie des Individuums (und nicht um die Masse), um echte Gefühle (und nicht um Stereotype)
und lebendige Personen (und nicht Marionetten). Die Form - eine quasi durchkomponierten Folge von
ineinander übergehenden Rezitativen und Arien - zeigt den Willen zum Erzählen, zur Dramatik und
Psychologie, und weist voraus auf den späteren Wagner, der dies zum alles beherrschenden Kompositionsprinzip erhob.

Am 18. und 19. März präsentiert das Konzerthaus Berlin diese so zu Unrecht vergessene Oper in der
Reihe »Oper konzertant« mit dem RIAS Kammerchor und einem erlesenen Solisten-Ensemble. Zuvor, am 8. Februar, stimmt eine Gesprächsrunde mit Dietmar Hiller (Dramaturg am Konzerthaus Berlin), Michael Kube (Herausgeber der neuen Ausgabe der Musikalischen Werke von Joseph Martin Kraus) und Ekkehard Krüger (ortus musikverlag) auf diese beiden konzertanten Opernabende ein. Der Eintritt zur Veranstaltung, die innerhalb der Reihe »Fokus Konzerthaus« stattfindet, ist frei.

Fokus Konzerthaus
»Joseph Martin Kraus, der schwedische Mozart«
- eine Gesprächsrunde mit Dietmar Hiller Dramaturg am Konzerthaus Berlin
Michael Kube Herausgeber der neuen Ausgabe der Musikalischen Werke von Joseph Martin Kraus
Ekkehard Krüger ortus musikverlag

»Joseph Martin Kraus, der schwedische Mozart«
DI 08.02.11 | 19.00 Uhr | Konzerthaus Berlin, Musikclub

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